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Borino stellt in Bulgarien den ersten Plan für ein Zusammenleben mit Bären vor

Sonntag, 4 Oktober 2026, 16:50

Borino stellt in Bulgarien den ersten Plan für ein Zusammenleben mit Bären vor

FOTO wwf.bg

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Borino wird zur ersten Gemeinde Bulgariens mit einem schrittweise umgesetzten Plan für ein friedliches Zusammenleben mit Bären. Im Herbst soll das Konzept vollständig umgesetzt werden. Ziel ist es, Konflikte durch eine Kombination präventiver Maßnahmen zu begrenzen – darunter Elektrozäune, bärensichere Müllcontainer, Überwachungskameras sowie Geräte, die die Tiere mit Licht und Ton vertreiben. 

Die ersten Überwachungskameras sollen noch in dieser Woche oder spätestens Anfang kommender Woche installiert werden. Sie sollen Bienenstände, Schafherden und touristische Einrichtungen überwachen, in deren Umgebung bereits Bären gesichtet wurden. Auf diese Weise sollen sogenannte „Hotspots“ ermittelt werden – Orte, über die die Tiere besonders häufig zu menschlichen Grundstücken und Nahrungsquellen gelangen, erklärte Alexandar Duzow, leitender Experte für Artenschutz beim WWF Bulgarien. 

Derzeit wurden etwa sieben bis acht potenziell problematische Orte identifiziert. Ihre Zahl kann sich jedoch abhängig von neuen Meldungen und den Daten der Kameras ändern. 

Borino stellt in Bulgarien den ersten Plan für ein Zusammenleben mit Bären vor

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Im Oktober soll auch mit der Installation von Elektrozäunen und bärensicheren Abfallcontainern begonnen werden. Zunächst sollen zwischen 20 und 30 Elektrozäune bereitgestellt werden. Bei Bedarf kann ihre Zahl erhöht werden. 

Die Elektrozäune werden den Tierhaltern kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie müssen jedoch selbst für die Wartung und Pflege der Anlagen sorgen, betonte Duzow. Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zeigen, dass solche Maßnahmen den Zugang von Bären zu Bienenständen und Containern mit Lebensmittelabfällen nahezu vollständig verhindern können. 

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FOTO krib.bg

In der rumänischen Stadt Băile Tușnad, die in einem Gebiet mit intensiver Bärenaktivität liegt, konnten die Probleme durch die Kombination aus bärensicheren Containern, Elektrozäunen und der Beseitigung leicht zugänglicher Nahrungsquellen nahezu auf null reduziert werden, berichtet der Experte. 

In Borino sollen auch Geräte zur Vertreibung der Tiere getestet werden, die plötzliches Blinklicht und wechselnde hochfrequente Töne einsetzen. Ziel ist es, zu verhindern, dass sich die Bären an die Signale gewöhnen. Eine ähnliche Technologie wurde bereits erfolgreich in Griechenland und Italien eingesetzt.

Das Problem, dass Bären in die Nähe von Menschen kommen, verschärft sich in Jahren, in denen die Natur nicht genügend Nahrung bietet, erklärte Duzow. So führte beispielsweise in den Jahren 2023 und 2025 der Mangel an Wildfrüchten zu mehr Fällen, in denen Bären in der Nähe von Siedlungen nach Nahrung suchten. Auch warme Winter können das Verhalten der Tiere verändern. Der leichte Zugang zu Lebensmittelabfällen zieht sie zusätzlich an. 

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Zu den besonders betroffenen Gebieten in den Rhodopen gehören auch die Gemeinde Banite und die Region um Smiljan. Nach Einschätzung des Experten spielt auch die Entvölkerung der Bergdörfer eine Rolle. Alte Weideflächen und landwirtschaftlich genutzte Gebiete verwandeln sich allmählich in dichte Waldflächen, während verbliebene Obstbäume den Bären zusätzliche Nahrung bieten. 

Parallel zu den technischen Maßnahmen sind in Borino auch Bildungsangebote für Schülerinnen und Schüler geplant. 

Alexandar Duzow betonte, dass es nicht darum gehe, die Tiere aus den Bergen zu vertreiben, sondern zu verhindern, dass sie sich an menschliche Nahrung gewöhnen. Der Bär spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem: Er verbreitet Samen, unterstützt die natürliche Erneuerung der Vegetation und frisst Aas, wodurch er auch eine hygienische Funktion erfüllt. Als Tierart, die große Lebensräume benötigt, ist er zudem ein wichtiger Indikator für den Zustand des Bergökosystems. 

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Die genaue Zahl der Braunbären in Bulgarien ist noch nicht bekannt. Offizielle Schätzungen gehen von etwa 400 bis 500 Tieren aus, während Vertreter aus Jagd- und Forstkreisen die Zahl auf mehr als 1300 schätzen. Genauere Informationen soll das genetische Monitoring liefern, bei dem im vergangenen Jahr rund 4000 Proben gesammelt wurden. Ihre Analyse soll nicht nur Aufschluss über die Zahl der Bären geben, sondern auch über deren Geschlecht, Verwandtschaftsverhältnisse und genetischen Zustand. 

Das Projekt wird gemeinsam mit der Naturschutzorganisation WWF und der örtlichen Verwaltung umgesetzt. Als Vorbild dienen Erfahrungen aus den USA, Italien, Griechenland und mehreren Orten in Rumänien, wo ähnliche Maßnahmen bereits Erfolge zeigen. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov