Autor
Diana Zankowa
Artikel
Im Mittelpunkt der Bildung der Zukunft steht die Lösung realer Probleme
„Das Leben ist nicht in einzelne Fächer unterteilt, wichtig ist, Interdisziplinarität in das Bildungsumfeld zu integrieren“, ist der Mitbegründer von „Bildungsfabrik“ Georgi Iwanow überzeugt
Dienstag 15 September 2026 15:13
Dienstag, 15 September 2026, 15:13
Georgi Iwanow
FOTO Diana Zankowa
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Das Auswendiglernen von Fakten ohne deren Verständnis und das Sammeln praktischer Erfahrungen in einem sich dynamisch verändernden und immer anspruchsvolleren Umfeld ist eine überholte Vergangenheit, die junge Menschen davon abhält, ihr Potenzial zu entfalten. Im Vorfeld des neuen Schuljahres wirft Georgi Iwanow, Mitbegründer der Organisation „Bildungsfabrik“, die Frage nach der Bildung der Zukunft auf, die den Erwerb von Wissen mit dem Sinn des Lernprozesses und seiner Anwendung im realen Leben verbindet.
Nach Ansicht des Experten besteht eine der größten Herausforderungen für Kinder und Jugendliche darin, einen Sinn in dem zu erkennen, was sie in den Klassenzimmern lernen.
FOTO Technische Universität - Sofia
Wie aber entsteht die Verbindung zwischen Bildung und der uns umgebenden Wirklichkeit?
„Hier sprechen wir vielleicht über das größte systemische Defizit – dass die Bildung vom Leben isoliert ist“, antwortete Georgi Iwanow. Obwohl die nationalen Programme einen gewissen Rahmen vorgeben, bleibt die Schlüsselrolle bei den Pädagogen, betonte er und fügte hinzu, dass er immer häufiger engagierte Menschen sehe. Und obwohl sie auf Hindernisse stoßen, finden sie Wege, das in der Schule Vermittelte mit seiner Anwendung in der Praxis zu verbinden. „Das führt zu sehr guten Leistungen der Schüler, die solche Pädagogen und Inspiratoren an ihrer Seite haben“, meint der Experte.
FOTO BTA
„Das Schlüsselproblem ist nicht der Mangel an Wissen – in der Welt der neuen Technologien haben wir bereits Zugang zu jeder Art von Information und können leicht jederzeit darauf zugreifen“, sagte Georgi Iwanow. „Das Problem liegt eher im fehlenden Kontext. Und wenn die Bildung keine Antwort auf diese Frage gibt, werden wir die Aufmerksamkeit der Schüler verlieren. Der Sinn wird sichtbar, wenn Wissen in einem System von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen und Konsequenzen angewendet wird. Deshalb muss es mit einem realen Szenario verbunden werden – aus der Wirtschaft, der Wissenschaft oder dem Alltag. Und es muss gezeigt werden, wie es angewendet wird, welches Ergebnis und welche Auswirkungen es im wirklichen Leben hat.“
Die führenden Bildungsmodelle weltweit setzen auf eine Ausbildung, die auf der Lösung bestehender Probleme basiert und eine Verbindung zu der uns umgebenden Welt schafft. Ein Beispiel dafür bei uns kann die Technische Universität sein. Die Institution, so Georgi Iwanow, setzt auf die Praxis und gibt jungen Menschen die Möglichkeit, Wert zu schaffen und diesen zu präsentieren.
FOTO Facebook/ „Bildungsfabrik“
„Es gibt drei wichtige unterstützende Mechanismen, und der erste davon ist die Arbeit an realen Projekten. Wenn Schüler Probleme lösen, die außerhalb der Schule existieren, bekommen sie eine gute Vorstellung davon, was sie auch in Zukunft anwenden können. Jetzt wird viel über Berufe gesprochen, die aufgrund der künstlichen Intelligenz und neuer Technologien verschwinden werden. Deshalb wird auch die Entwicklung der Soft Skills immer wichtiger (Anm. d. Red. – wie Menschen miteinander interagieren und ihr Verhalten steuern). Dank ihnen kann sich ein Mensch anpassen und schnell lernen, um erfolgreich zu sein und sich in eine gute Richtung weiterzuentwickeln. Die zweite Voraussetzung ist der Kontakt zu Fachleuten, denn so viel man auch liest und sich interessiert: Wenn man keinen Mentor hat, der einen inspiriert, die richtigen Hinweise und Feedback gibt, wird es viel schwieriger sein, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Und der dritte wichtige Mechanismus ist die Interdisziplinarität, denn das Leben ist nicht in Fächer unterteilt. Jedes Projekt umfasst verschiedene Elemente – zum Beispiel Mathematik, Kommunikation, Technologien, Denkprozesse, Teamarbeit. Deshalb ist es wichtig, diese Interdisziplinarität in unsere Bildungsumgebung zu integrieren“, betonte Georgi Iwanow.
FOTO Facebook/ „Bildungsfabrik“
Zum Abschluss räumte er ein, dass seine liebste Art zu lernen gerade das Lernen durch Erleben ist, denn Dinge, die man selbst durchlebt, bleiben am längsten im Gedächtnis. So tauchen durch die Erinnerung der Kontext, die Zeit, der Ort und der Mensch wieder auf, und es scheint, als würde alles erneut lebendig.
Übersetzung: Rossiza Radulowa