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105 Jahre seit dem Tod des Patriarchen der bulgarischen Literatur

Iwan Wasow – Zeitgenosse bulgarischer Freiheit, Vereinigung und Unabhängigkeit

Dienstag, 22 September 2026, 11:25

Iwan Wasow (1850 – 1921)

Iwan Wasow (1850 – 1921)

FOTO archives.government.bg

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Am 22. September 1921 schloss Iwan Wasow zum letzten Mal die Augen und hinterließ einige der schönsten Worte, die Bulgarien gewidmet wurden. Seine Verehrung und aufrichtige Liebe zu seiner Heimat finden sich in seinen Erzählungen, Reiseberichten, Romanen, Theaterstücken und Gedichten. Generationen von Bulgaren sind mit seinen Gedichten aufgewachsen. Eines der ersten Gedichte, die wir lernen und ein Leben lang in Erinnerung behalten, beginnt mit den Worten: „Ich bin ein kleiner Bulgare … alles Bulgarische und Heimatliche liebe, ehre und schätze ich.“ 

Iwan Wasow – Zeitgenosse bulgarischer Freiheit, Vereinigung und Unabhängigkeit

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In seinem Werk greift Wasow einen großen Teil der Themen auf, die die Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts bewegten. Sein Schaffen kann als eine Art Chronik der heroischen bulgarischen Siege im Namen des gemeinsamen nationalen Ziels dienen – des Kampfes für die Freiheit und der Vereinigung des Landes nach fünf Jahrhunderten osmanischer Herrschaft. Die Erklärung der Unabhängigkeit Bulgariens im Jahr 1908 ist bislang das einzige Ereignis dieser Zeit, zu dem kein Werk des Autors überliefert ist. 

„Das ist tatsächlich ein ernstzunehmender Aspekt, aber wir sollten die Werke Iwan Wasows nicht so wörtlich betrachten“, erklärtе Atanas Kapralow, Direktor des Nationalen Literaturmuseums. „In seinen 71 Lebensjahren hat der Volksdichter fünf Kriege erlebt. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass Wasow kein Publizist war. Seine Werke tragen den Geist der Freiheit und Unabhängigkeit in sich, nach denen Bulgarien strebte. Nicht ohne Grund wurde Iwan Wasow mit dem Beinamen ‚Patriarch der bulgarischen Literatur‘ geehrt, so sehr sich Pentscho Slawejkow auch gewünscht hatte, dass dieser Titel seinem Vater Petko Slawejkow verliehen wird.“

Iwan Wasow – Zeitgenosse bulgarischer Freiheit, Vereinigung und Unabhängigkeit

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Wasows Werk hat Generationen von Bulgaren, auch im Ausland geborene, dazu angeregt, ihre Heimat kennenzulernen und zu lieben. Die zahlreichen Werke, die der Autor hinterlassen hat, könnten auch als Visitenkarte unseres Landes in der Welt dienen. Ein Beleg dafür ist das Interesse am Hausmuseum des Schriftstellers in Sofia: 

Iwan Wasow – Zeitgenosse bulgarischer Freiheit, Vereinigung und Unabhängigkeit

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„Das Hausmuseum in Sofia wird sowohl von Bulgaren als auch von Ausländern sehr häufig besucht“, erzählte Kapralow. „In der Regel kennen die ausländischen Besucher den Schriftsteller Iwan Wasow nur wenig. Sie möchten von unseren Museumsmitarbeitern erfahren, was für ein Mensch er war. Denn sie haben verstanden, dass dieser Schriftsteller grundlegende Eigenschaften verkörperte, die für uns als Individuen und als Gesamtbild der bulgarischen Seele prägend sind. Wenn sie ihn kennenlernen, erfahren sie auch mehr über die Bulgaren von heute. Interessanterweise suchen viele von ihnen nach ihrem Besuch nach seinen Werken, am häufigsten nach dem Roman ‚Unter dem Joch‘.“

Iwan Wasow – Zeitgenosse bulgarischer Freiheit, Vereinigung und Unabhängigkeit

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Eine weitere interessante Tatsache im Zusammenhang mit diesem Roman ist, dass er 1894 zunächst auf Englisch veröffentlicht wurde. Der Grund für die Verzögerung der bulgarischen Ausgabe war, dass das Buch 24 Illustrationen enthielt, die von Wasow genehmigt und anschließend mithilfe von Schauspielern nachgestellt werden mussten. Die dabei aufgenommenen Szenen erhielt ein Künstler, der sie abzeichnete und ihnen zugleich seine eigene Handschrift verlieh. Nicht selten unterschieden sich die Illustrationen von den ursprünglichen Fotografien und mussten überarbeitet werden, was Zeit erforderte. 

Mit seiner reichen Sprache, Handlung und Bildhaftigkeit nimmt „Unter dem Joch“ einen würdigen Platz im Pantheon der bulgarischen Literaturklassik ein. Seine Stellung unter den goldenen Seiten der bulgarischen Literatur bewahrt den Roman jedoch nicht vor Versuchen, ihn zu redigieren, zu bearbeiten oder sogar zu kürzen, damit die Leser ihn leichter verstehen und aufnehmen können. In diesem Zusammenhang löste die auf dem Markt erschienene Übertragung des Buches in sogenannte „Schljokawiza“ erwartungsgemäß heftige Ablehnung in allen Teilen der Gesellschaft aus. Obwohl die Ausgabe mit dem Ziel erschien, daran zu erinnern, dass die bulgarische Sprache in Gefahr ist, war die Wahl dieses Werkes äußerst unpassend. 

Iwan Wasow – Zeitgenosse bulgarischer Freiheit, Vereinigung und Unabhängigkeit

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„Ich kann die Bearbeitung eines klassischen Autors nicht akzeptieren“, betonte der Direktor des Nationalen Literaturmuseums. „Mir ist nicht bekannt, dass irgendwo auf der Welt ein Werk eines Autors von einer solchen Bedeutung auf diese Weise verändert wurde. Zweifellos enthält der Roman ‚Unter dem Joch‘ viele Turkismen, aber letztlich war dies die Sprache der Bulgaren jener Zeit. In seinem Werk verwendet Wasow eine außerordentlich große Vielfalt an Wörtern. Wahrscheinlich waren die Herausgeber dieser Übertragung der Ansicht, dass der Autor dadurch leichter lesbar würde. Auf diese Weise geht jedoch die Verbindung zur großen literarischen Kunst verloren – zur Liebe zum Detail und zu den feinen Nuancen des Werkes. Ich bin entschieden gegen jede Modernisierung klassischer bulgarischer Autoren.“

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov