Autor
Diana Zankowa
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Die 20-jährige Dessislawa Marinowa fertigt authentische bulgarische Trachten
„Das Interesse an der Tradition wächst, auch bei den Kindern“, ist sie überzeugt
Mittwoch 23 September 2026 15:05
Mittwoch, 23 September 2026, 15:05
Двайсетгодишната Десислава Маринова твори автентични български народни носии
FOTO BNR Burgas
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Die Stickereien, die die bulgarischen Trachten schmücken, erinnern an den traditionellen bulgarischen Reigentanz. Das kunstvolle Zusammenspiel ihrer Fäden überwindet die Zeit – ähnlich wie der Tanz, bei dem sich immer wieder eine weitere ausgestreckte Hand einreiht. Auf diese besondere Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart begibt sich auch eine 20-jährige junge Frau, die Sinn und Inspiration darin findet, die authentische bulgarische Tracht wieder zum Leben zu erwecken.
Dessislawa Marinowa hilft bereits seit ihrer Kindheit im Schneideratelier ihrer Mutter in Ajtos. Als immer mehr Kunden beginnen, bulgarische Trachten zu bestellen, entdeckt sie den Bereich, in dem sie sich besonders einbringen kann – die Stickerei.
„Was ich liebe, ist, die Trachten so authentisch wie möglich anzufertigen, damit sie den Originalen möglichst ähnlich sind“, sagte Dessislawa. „Die Tracht, die ich gerade trage, gefällt mir sehr. Sie stammt aus dem Museum in Elchowo und ich habe sie selbst angefertigt. Am liebsten mag ich die Brauttracht aus Samokow, aber ich habe sie noch nicht angefertigt, weil ich mir noch nicht zutraue, das notwendige Niveau erreicht zu haben. Eigentlich liebe ich sie alle.“
FOTO BNR Burgas
Um den Originalen möglichst nahe zu kommen, verwenden Mutter und Tochter Quellen aus verschiedenen Epochen. Der Prozess umfasst die Erforschung der jeweiligen ethnografischen Region sowie die genaue Beachtung von Material, Farben und den Besonderheiten der Stickereien.
„Im Internet gibt es viele Informationen“, erzählte Dessislawa. „Außerdem kaufen wir viele wissenschaftliche und volkskundliche Bücher. Wir gehen auch in Bibliotheken und Museen, weil dort Literatur aufbewahrt wird, die nicht mehr im Handel erhältlich ist und die man in Buchhandlungen nicht finden kann. Wo immer wir hinkommen, fragen wir die Menschen – sie erzählen uns gerne, wie ihre Großmütter und Mütter früher die Kleidung angefertigt haben. Bei uns kommen regelmäßig Kunden vorbei, die Trachten aus ihren Dörfern besonders schön finden. Ihre Großmütter haben ihnen die Tracht vermacht, aber sie ist inzwischen alt und kann nicht mehr getragen werden. Deshalb möchten die Menschen, dass wir ihnen eine neue anfertigen, damit sie die Familientradition fortführen können.“
FOTO Facebook
In zwei Jahren hat Dessislawa Marinowa zahlreiche Trachten angefertigt. „Ich kann keine genaue Zahl nennen. Ich suche mir eine Tracht aus einer bestimmten Region aus und arbeite ständig an etwas Neuem.“ Am schwierigsten sei es ihrer Meinung nach, sich die alten Techniken anzueignen, die mit der Zeit verschwinden.
„Heute sind die technischen Möglichkeiten anders, und damit können wir uns nur schwer der authentischen Herstellung annähern“, sagte Dessislawa. „Wir können nicht weben – viele Bestandteile sind jedoch gewebt und wir müssen sie mit Stickereien verzieren. Das hindert uns bis zu einem gewissen Grad daran, die Trachten zu 100 Prozent dem Original anzunähern. Die Stickerei wird nicht von Hand, sondern mit der Maschine angefertigt. Außerdem versuchen wir, möglichst natürliche Materialien wie Baumwolle und Wolle zu verwenden, um den Originalen möglichst nahe zu kommen.“
FOTO BNR Burgas
Die junge Trachtenmacherin ist fest entschlossen, den authentischen Geist der Kleidung der Bulgaren vergangener Zeiten auch künftig wieder zum Leben zu erwecken. Umso mehr, als das Interesse an den traditionellen Trachten wächst – auch bei Kindern. Gleichzeitig steht ihr der Abschluss ihres Hochschulstudiums bevor, das wiederum mit ihrem wichtigsten Anliegen verbunden ist: der Ethnografie. Und für diejenigen, die meinen, ihre Beschäftigung gehöre der Vergangenheit an, hat sie eine klare Antwort: „Die Volkstracht ist Teil unserer Geschichte, die weitergegeben werden muss.“
Text: Diana Zankowa (nach einem Interview von Stefka Bakardschiewa von Radio Burgas des Bulgarischen Nationalen Rundfunks)
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov