Die Übersetzerin Liubov Tsai und ihre Liebe zur bulgarischen Schriftsprache

Sonntag, 4 Oktober 2026, 12:05

Die Übersetzerin Liubov Tsai

Die Übersetzerin Liubov Tsai

FOTO persönliches Archiv

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Liubov Tsai ist eine gebürtige taurische Bulgarin, die im bulgarischen Dorf Petrowka im ukrainischen Asowgebiet geboren wurde. Sie ist mit einem Koreaner verheiratet, daher stammt auch ihr Nachname. Vier Jahrzehnte lang lebte Liubov in Luhansk, zog aber 2014 mit ihrer Familie in den Norden der Ukraine – in die Stadt Zhytomyr. Heute lebt sie in einem Dorf in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew.

Liubov Tsai hat in Donezk Mathematik studiert, entdeckte aber im Laufe der Jahre die Freude an der Arbeit mit Sprache. Sie begann, bulgarische Lyrik und Prosa ins Ukrainische sowie ukrainische Texte ins Bulgarische zu übersetzen. Ihre Übersetzungen erscheinen vorwiegend in zweisprachigen Taschenbuchausgaben – einem Format, das in der Ukraine eine besondere Tradition hat.

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„Im Internet habe ich gesehen, dass es viele Internetseiten und Portale für Literatur gibt, die aus dem Bulgarischen übersetzt wurde. Beim Lesen sind mir viele Fehler in den Übersetzungen aufgefallen, und das hat mich sehr gestört. So habe ich angefangen, Texte aus dem Bulgarischen ins Ukrainische zu übersetzen“, erinnert sich Liubov Tsai an die Anfänge. Auf ihrer Autorenliste stehen inzwischen über hundert Buchtitel. Das erste Buch, das sie übersetzt hat, war „Ein Lied vom Menschen“ von Nikola Wapzarow. Es folgten „Heller Glaube“ von Dimtcho Debeljanow, „Schatten“ von Mara Beltchewa, „Irgendwo dort“ von Petja Dubarowa, „Lichtbild“ von Sdrawko Kissjow und viele andere. „Das letzte Buch, an dem ich gearbeitet habe, stammt von Daniela Stojanowa. Ich bin in dieses Meer der Übersetzung eingetaucht, und das ist jetzt mein Leben“, erzählt Liubov Tsai.

Sie ist sehr stolz darauf, dass sie sich die bulgarische Schriftsprache selbst beigebracht hat. „Ich habe die Sprache allein durch das Lesen zeitgenössischer Texte gelernt. Beim Lesen verstehe ich alles, und ich glaube, mein Blut hilft mir dabei. Wenn ich Texte übersetze und auf ein unbekanntes Wort stoße, schlage ich sofort nach, um seine Bedeutung zu erfahren“, erklärt die Übersetzerin.

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Um ihre Bulgarischkenntnisse zu vertiefen, besucht Liubov seit mehreren Jahren in Folge die Sommerseminare für bulgarische Sprache und Kultur für ausländische Bulgaristen und Slawisten, die von der Universität „Heiliger Kliment Ohridski“ in Sofia organisiert werden.

Gibt es in der Ukraine Interesse an bulgarischer Literatur?

„Es gibt Interesse. Ich habe Freunde, die viel lesen und sich sehr dafür interessieren. Das sind nicht nur ethnische Bulgaren, sondern auch meine ehemaligen Kommilitonen. Derzeit versuche ich, ukrainische Literatur ins Bulgarische zu übersetzen. Ich habe einige Gedichte aus dem Ukrainischen übersetzt, die auf dem Portal „Literaturclub“ veröffentlicht wurden. Einen Teil der Bücher, die ich übersetze, spende ich an Bibliotheken“, erzählt Ljubow Tsai.

Es ist interessant zu erfahren, ob junge Menschen in der Ukraine, die bulgarische Wurzeln haben, Interesse an der Sprache ihrer Vorfahren zeigen.

„Seit 1991 haben junge Menschen die Möglichkeit, an einem Gymnasium in Taurien Bulgarisch zu lernen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, nach Sofia und in andere bulgarische Städte zu kommen, um Bulgarisch zu lernen“, antwortet die Übersetzerin.

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Wird es auch in Zukunft noch wertvoll sein, Fremdsprachen zu lernen, insbesondere solche, die nicht sehr beliebt sind? Wie verändert der Einzug der künstlichen Intelligenz die Übersetzungsbranche?

„Die künstliche Intelligenz hat keine Seele. Außerdem macht sie viele Fehler. Ich glaube, sie ist nicht in der Lage, Herz und Blut zu verändern. Es gibt einen Spruch: ‚Ein Mensch ist so oft Mensch, wie er Sprachen beherrscht.‘ Ich sehe, dass junge Menschen heute viele Möglichkeiten haben, Fremdsprachen zu lernen, und dass sie diese auch nutzen und das ist gut“, sagt Liubov Tsai.

Hilft Mathematik beim Erlernen von Fremdsprachen?

„Mathematik hilft bei allem. Ich kenne nicht viele Sprachen. Ich habe Deutsch gelernt, aber ich beherrsche es nicht gut. Ich habe kein Englisch gelernt und kann es nicht. Ich beherrsche Russisch, Ukrainisch und Bulgarisch. Ich verstehe ein wenig Polnisch und Weißrussisch, weil diese Sprachen verwandt sind. Mathematik hilft dabei, sich ein System aufzubauen, mit dem man bequemer übersetzen kann. Eine Lehrerin sagte einmal: „Das Schönste auf der Welt sind die Musik und die Mathematik.“ Und ich würde noch die Poesie hinzufügen. „Sie ist so harmonisch aufgebaut, wie Gott sie geschaffen hat“, sagte abschließend die ÜbersetzerinLiubov Tsai philosophisch.


Übersetzung: Georgetta Janewa