Kultur

Artikel

Katja Lekowa setzt das antike Mosaik „Das Paradies“ aus Serdika neu auf Glas um

Sonntag, 20 September 2026, 10:12

Katja Lekowa setzt das antike Mosaik „Das Paradies“ aus Serdika neu auf Glas um

FOTO Tschechisches Zentrum Sofia

Schriftgröße

Rund 40 antike und frühchristliche Mosaiken präsentiert Dozentin Katja Lekowa in ihrer mittlerweile sechsten Ausstellung mit Bildern auf Glas. Ihr gesamtes Berufsleben verbrachte sie als Dozentin für organische Chemie an der Südwest-Universität „Neofit Rilski“, doch nun widmet sie sich ihrem größten Hobby – der Suche nach den vielfältigen Farben und Formen der steinernen Mosaiken und ihrer Übertragung auf Glas.

Groß ist der Reichtum an Mosaiken, die bei den Ausgrabungen des antiken Serdika freigelegt wurden. Eines der frühchristlichen Beispiele aus dem 2. bis 3. Jahrhundert zieht Katja Lekowas besondere Aufmerksamkeit auf sich, und sie setzt es in ihrer Ausstellung auf kreative Weise neu um. Es handelt sich um ein Mosaik mit dem Titel „Das Paradies“ – eines der bemerkenswertesten Beispiele der Mosaikkunst aus der Spätantike. Das Mosaik wird auf das 3. Jahrhundert datiert und stammt aus der Apsis der Basilika „Heilige Sophia“ in der Hauptstadt.

Katja Lekowa setzt das antike Mosaik „Das Paradies“ aus Serdika neu auf Glas um

FOTO Regionales Geschichtsmuseum – Sofia

Es besteht aus Stein- und Glaspasten-Tesserae, also kleinen Steinchen, die nach Formen und Farben sorgfältig ausgewählt wurden. Im Zentrum der Komposition befindet sich ein großer Palmzweig mit zwei Tauben, darunter stehen zwei Körbe mit Pflanzen, an denen weitere zwei Tauben picken. Zu beiden Seiten sind symmetrisch zwei Zypressen angeordnet, die sich mit den Zweigen von Weinreben verschlingen. All dies symbolisiert nach der Vorstellung der frühen Christen das Paradies mit den Seelen der Gläubigen, die durch die Tauben dargestellt werden.

Heute befindet sich das Steinmosaik „Das Paradies“ im Besitz des Nationalen Archäologischen Instituts mit Museum bei der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. Doch wem haben wir die Entdeckung und Erhaltung dieses wertvollen Fundes zu verdanken – und das bereits in den Jahren, als sich eine Wissenschaft wie die Archäologie im jungen bulgarischen Staat erst ihren Weg bahnte? Dozentin Katja Lekowa erinnerte uns an die außergewöhnliche Persönlichkeit eines tschechischen Wissenschaftlers, der seinen Namen für immer mit Sofia und Bulgarien verbunden hat:

Katja Lekowa

Katja Lekowa

FOTO katyalekova.com

„Das Mosaik wurde 1893 von dem tschechischen Archäologen Václav Dobrusky (1858–1916) entdeckt. Danach setzte er seine Arbeit fort und führte weitere Ausgrabungen in Bulgarien durch. Er war der erste Direktor des sogenannten Nationalmuseums, das später zum Archäologischen Museum in Sofia wurde. Václav Dobrusky persönlich eröffnete das Museum 1905 in Anwesenheit von Fürst Ferdinand“, weiß Dozentin Katja Lekowa zu berichten.

Katja Lekowa setzt das antike Mosaik „Das Paradies“ aus Serdika neu auf Glas um

FOTO Tschechisches Zentrum Sofia

Ihre  Ausstellung umfasst auch mehrere Werke mit innovativen digitalen Darstellungen. Ziel ist es, anhand dieser Werke mithilfe der Technik der dreidimensionalen Darstellung einige Mosaiken zu zeigen, die zerstört wurden und nicht restauriert werden können, über deren Aussehen und Fundort jedoch Informationen vorliegen. Das im Untergeschoss der Kirche „Heilige Sophia“ entdeckte „Paradies“ ist außerordentlich gut erhalten. Es ist das erste in Bulgarien geborgene und versetzte Mosaik, und jeder kann es im Nationalen Archäologischen Museum sehen, wo es ausgestellt, restauriert und in seinem authentischen Zustand erhalten ist. Andere Mosaiken aus derselben Zeit befinden sich nicht in einem guten Zustand, weshalb die Restauratoren es vorgezogen haben, sie dort zu belassen, wo sie entdeckt wurden.

Katja Lekowa setzt das antike Mosaik „Das Paradies“ aus Serdika neu auf Glas um

FOTO Gergana Mantschewa

„Dieses Mosaik unterscheidet sich wesentlich von denen, die wir kennen, weil es dem Gebiet des westlichen Mittelmeerraums zuzuordnen ist. Das Mosaik ist schlicht gestaltet. Es orientiert sich an der Vorstellung der frühen Christen von der himmlischen Welt. Deshalb sind zwei Bäume dargestellt, dazu Weinreben, die sich um die Bäume ranken, und Vögel. Zwei der Vögel trinken Wasser aus diesem besonderen Gefäß, aus dem die Menschen in der Antike Wein und Wasser tranken. In diesem Fall ist darin ein Palmzweig getaucht. Genau das stellt das Mosaik dar – den Sieg des Christentums und seine Etablierung als bedeutende Religion“, erläuterte Dozentin Lekowa.

Katja Lekowa setzt das antike Mosaik „Das Paradies“ aus Serdika neu auf Glas um

FOTO Gergana Mantschewa

Ihrer Ansicht nach wussten die antiken Meister, wie sie beim Anordnen der bunten Steinchen Proportionen, Schönheit und Haltbarkeit erreichen konnten. Und da wir auch in Serdika an so vielen Stellen Mosaiken entdecken, die buchstäblich unter unseren Füßen liegen, sollte uns das mit Stolz erfüllen, Erben einer Stadt zu sein, die einst von Menschen bewohnt wurde, die kulturell und geistig hoch entwickelt waren, den Blick auf die Zukunft gerichtet hatten und uns durch die Mosaiken ihr Vermächtnis hinterlassen haben. Die Tatsache, dass hier einige der besten und talentiertesten Mosaikkünstler ihrer Zeit tätig waren, ist ein weiterer Aspekt der Geschichte, der bis heute Fachleute, Wissenschaftler und Liebhaber der Geschichten dieser antiken Stadt inspiriert.


Übersetzung: Rossiza Radulowa