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Irene Maria Plank: „Bulgarien hat allen Grund, auf sich stolz zu sein“

Mittwoch, 23 September 2026, 09:10

Die deutsche Botschafterin Irene Maria Plank

Die deutsche Botschafterin Irene Maria Plank

FOTO Radio Bulgarien

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Seit Januar 2023 ist Irene Maria Plank deutsche Botschafterin in Bulgarien. Nach mehr als drei Jahren im Land hat sie nicht nur die diplomatischen Beziehungen zwischen Sofia und Berlin im Blick, sondern auch eine persönliche Verbindung zu Bulgarien entwickelt. Im Gespräch mit Radio Bulgarien spricht sie über ihre Erfahrungen im Land, die deutsche Gemeinschaft, die Alternative für Deutschland, den Krieg in der Ukraine und die Rolle Bulgariens in Europa. 

„Die bulgarische Sprache ist für mich schwieriger“ 

Auf die Frage, was schwieriger sei – Bulgarisch zu lernen oder Reigen zu tanzen –, antwortete die Botschafterin ohne Zögern: „Bulgarisch.“ Die Sprache sei „eine komplexe Sprache mit viel Geschichte und unglaublich viel Nuancen im Ausdruck“. Gleichzeitig bedauerte sie, nicht mehr Zeit zum Lernen zu haben. 

Besonders eng mit Bulgarien verbunden fühlt sich Irene Plank nach eigenen Worten durch die Natur. „Ich glaube, das, was mich sofort verliebt gemacht hat, das ist die unglaubliche Schönheit Ihres Landes, die Natur, die Wälder, die Berge, die Tierwelt“, sagte sie. „Also ich war sofort verliebt in das Land, schon wegen seiner schönen Natur. Als nächstes kam natürlich das gute Essen.“ 

Auch außerhalb ihrer diplomatischen Tätigkeit engagiert sich Plank in Bulgarien. Unter anderem ließ sie sich für eine Wohltätigkeitsaktion die Haare schneiden. Damit unterstützte sie eine Stiftung, die Frauen hilft, die infolge einer Chemotherapie ihre Haare verloren haben. 

Irene Maria Plank im Studio von Radio Bulgarien

Irene Maria Plank im Studio von Radio Bulgarien

FOTO Radio Bulgarien

Mehr als 8000 Deutsche in Bulgarien 

Die genaue Zahl der in Bulgarien lebenden deutschen Staatsangehörigen lässt sich nach Angaben der Botschafterin nur schwer bestimmen, da sich nicht alle bei der deutschen Auslandsvertretung registrieren. „Aber nicht alle tragen sich ein und es dürften dann doch über 8000 sein“, sagtedie deutsche Botschafterin. 

Die Gründe für einen Umzug nach Bulgarien seien unterschiedlich. Manche hätten sich in einen Bulgaren oder eine Bulgarin verliebt, andere hätten das Land zunächst im Urlaub kennengelernt. Wieder andere kämen aus beruflichen Gründen. Gerade in Sofia gebe es verschiedene Wirtschaftssektoren, „die sich ganz rasant entwickeln, zum Beispiel im Bereich der IT“, erklärte die Botschafterin. 

Zu den häufigsten Anliegen der Deutschen an die Botschaft gehören laut Plank alltägliche konsularische Fragen, etwa neue Ausweisdokumente oder Passangelegenheiten. Eine besondere Gruppe seien ältere deutsche Staatsangehörige, die bereits seit vielen Jahren in Bulgarien leben und zunehmend Unterstützung benötigen. 

Irene Maria Plank: „Bulgarien hat allen Grund, auf sich stolz zu sein“

FOTO Radio Bulgarien

Rheinmetall und die Frage nach den Risiken für Bulgarien 

Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die geplante stärkere Zusammenarbeit mit dem deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall. Plank bestätigte, dass die Gespräche weiterlaufen. Eine hochrangige Delegation des Unternehmens sei bereits vor der Sommerpause in Bulgarien gewesen, eine weitere Delegation solle die Ergebnisse konkretisieren. Zu Einzelheiten wollte sie sich zunächst nicht äußern. 

Auf die Frage, ob eine Produktion von Rheinmetall in Bulgarien angesichts des Krieges in der Ukraine zusätzliche Risiken für das Land schaffen könnte, widerspricht die Botschafterin deutlich. 

„Wer angegriffen wird, hat das Recht, sich zu verteidigen beziehungsweise sich so vorzubereiten, dass man im besten Falle nicht angegriffen wird“, sagte Plank. „Ja, das nennt sich Abschreckung.“ 

Eine Rheinmetall-Produktion in Bulgarien setze das Land ihrer Ansicht nach nicht zusätzlichen Risiken aus, „eher im Gegenteil“. Besonders deutlich formulierte sie ihre Position mit einem Vergleich: „Ich denke, man ist sicherer, wenn man zeigt, dass man entschlossen und wehrhaft ist, als wenn man sich wie ein angebellter Hund auf den Rücken wirft, den Schwanz einzieht und wimmert.“ 

Irene Maria Plank mit Lyubomir Kolarov

Irene Maria Plank mit Lyubomir Kolarov

FOTO Radio Bulgarien

AfD: Sachsen-Anhalt nicht mit ganz Deutschland gleichsetzen 

Auch das starke Abschneiden der Alternative für Deutschland (AfD)bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war Thema des Gesprächs. Irene Maria Plank warnt davor, das Ergebnis unmittelbar auf ganz Deutschland zu übertragen. 

Sachsen-Anhalt sei ein relativ kleines Bundesland und habe in den vergangenen Jahrzehnten einen erheblichen Bevölkerungsverlust erlebt. Die besondere soziale und demografische Situation könne eine Rolle für das Wahlergebnis spielen. Plank beschreibt dabei auch eine mögliche Protesthaltung: „Und dann macht man auch mal so eine Protestwahl, um zu zeigen, Leute, wir fühlen uns nicht gut hier.“ 

Gleichzeitig betonte sie, dass die AfD kein ausschließlich ostdeutsches Phänomen sei. „Das erstens auch die AfD ist kein reines Phänomen der ostdeutschen Bundesländer, sondern die gibt es auch in Westdeutschland.“ Rechtsradikale Parteien gebe es auch in anderen europäischen Ländern. 

Als einen möglichen Faktor nennt Plank die Veränderungen der Medienlandschaft und insbesondere die sozialen Medien. Zudem verweist sie auf russische Propaganda und Desinformation im Internet und sieht darin eine Parallele zwischen Deutschland und Bulgarien. 

Das Team von der deutschen Botschafterin im Studio von Radio Bulgarien

Das Team von der deutschen Botschafterin im Studio von Radio Bulgarien

FOTO Radio Bulgarien

Deutschland hält an Unterstützung für Ukraine fest 

Beim Krieg in der Ukraine macht die Botschafterin deutlich, dass Deutschland seine Unterstützung für Kiew fortsetzen will. 

Auf die Frage nach einer möglichen Lösung des Krieges antwortete sie zunächst mit einem Augenzwinkern: „Das ist jetzt die $1.000.000 Frage.“ 

An der deutschen Unterstützung für die Ukraine ändere sich jedoch nichts. „Sie ist hundertprozentig und sie wird so lange weitergehen, wie die Ukraine sie braucht“, sagte Plank. 

Eine besondere Rolle sieht sie zugleich bei der Europäischen Union. Auf die Frage nach Bulgariens möglichem Beitrag zu strategischen Verhandlungen über einen Frieden in der Ukraine erklärt sie: „Ich glaube, das Beste, was wir alle tun können, ist als EU zusammen eine Rolle zu spielen, denn als EU zusammen sind wir stark.“ 

Chefredakteur Krassimir Martinow, Interviewer Lyubomir Kolarov und Botschafterin Irene Maria Plank

Chefredakteur Krassimir Martinow, Interviewer Lyubomir Kolarov und Botschafterin Irene Maria Plank

FOTO Radio Bulgarien

Drohnenvorfall in Leipzig und der Vorwurf russischer Einflussnahme 

Im Gespräch ging es auch um den Vorfall in Leipzig und Berichte über eine mögliche Verbindung nach Bulgarien. Plank weist zunächst darauf hin, dass die Nationalität einzelner Verdächtiger kein Grund sei, die Beziehungen zwischen europäischen Staaten grundsätzlich infrage zu stellen. 

Gleichzeitig bezeichnete sie den Vorfall selbst ausdrücklich als real: „Der war nicht angeblich, der war real und das hätte eine richtig große Katastrophe werden können, wenn dieser Sprengsatz losgegangen wäre.“ 

Dass die deutsche Regierung Russland als Urheber benannt habe, beruhe nach ihren Worten auf Erkenntnissen der deutschen Behörden und nicht auf propagandistischen Motiven. 

Irene Maria Plank: „Bulgarien hat allen Grund, auf sich stolz zu sein“

FOTO Radio Bulgarien

„Bulgarien kann über seiner eigenen Gewichtsklasse boxen“ 

Bei der Frage nach der Rolle Bulgariens in Europa hebt Plank vor allem die geografische Lage des Landes hervor. Bulgarien habe Zugang zum Schwarzen Meer und grenze an Staaten des westlichen Balkans, die noch nicht Mitglied der EU seien. 

„Es ist keines von den großen Ländern, aber es ist ein sehr wichtiges Land, auch wegen seiner geographischen Position“, sagte sie. 

Plank verbindet damit die Erwartung, dass Bulgarien sich stärker in die europäischen Entscheidungsprozesse einbringen kann. Ihre Einschätzung fasste sie in einem ungewöhnlichen Bild zusammen: 

„Ich glaube, Bulgarien kann sehr viel über seiner eigenen Gewichtsklasse boxen und hat das leider in den letzten Jahren nicht tun können.“ 

Bulgarien könne, so Botschafterin Plank, sowohl innerhalb der EU als auch innerhalb der NATO eine wichtigere Rolle spielen. 

Die deutsche Botschafterin informiert sich über die Geschichte des BNR

Die deutsche Botschafterin informiert sich über die Geschichte des BNR

FOTO Radio Bulgarien

Wunsch nach mehr Selbstbewusstsein 

Zum Abschluss des Gesprächs richtet die Botschafterin einen persönlichen Wunsch an Bulgarien. Sie hoffe auf eine weitere positive wirtschaftliche Entwicklung und darauf, dass auch die ländlichen Regionen davon profitieren. Zudem wünsche sie sich eine Modernisierung der bulgarischen Landwirtschaft. 

Und sie fügte einen weiteren, sehr persönlichen Wunsch hinzu: „Ich wünsche Bulgarien mehr Selbstbewusstsein, denn Sie haben allen Grund, auf sich stolz zu sein und auf sich zu vertrauen.“ 

Redaktion: Rossiza Radulowa