Gesundheitsmediatoren in Bulgarien

Vermittler zwischen Menschen in Not und staatlichen Einrichtungen

Montag, 28 September 2026, 13:59

Gesundheitsmediatoren in Bulgarien

FOTO Facebook/ Ивайло Търнев

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In Regionen, in denen noch immer Armut herrscht und Informationen über Gesundheit und den sozialen Status nicht ankommen, leben Menschen, deren Überleben von Eigenschaften abhängt, die im Begriff Menschlichkeit enthalten sind. So entstand im Jahr 2001 der Beruf des Gesundheitsmediators, um Menschen in Not mit den Institutionen in Bulgarien zu verbinden, die sich um sie kümmern können.

Prof. Iwajlo Tarnew begann vor mehr als 30 Jahren, mit der Roma-Gemeinschaft zu arbeiten. Der Leiter der Klinik für Nervenkrankheiten im Alexandrowska-Krankenhaus in Sofia reiste monatelang durch Siedlungen, in denen hauptsächlich Roma leben und ist heute überzeugt, dass es kaum einen Ort gibt, den er nicht mindestens einmal besucht hat.

Gesundheitsmediatoren in Bulgarien

FOTO Universitätskrankenhaus Alexandrowska

„Ich wurde mit Armut, mangelndem Zugang zur Gesundheitsversorgung und sehr schwerwiegenden sozialen Problemen konfrontiert, die ich anfangs als Vermittler zwischen den Gesundheits- und Sozialbehörden und den betroffenen Familien zu lösen versuchte“, erinnert sich Iwajlo Tarnow in einem Interview für den BNR. „Das Leid war so groß und mir wurde irgendwann klar, dass es keine Aufgabe für eine einzelne Person war. Ich war fest entschlossen, die Menschen aus diesen Gemeinschaften nicht nur zu untersuchen, sondern auch zu versuchen, ihnen zu helfen. Damals habe ich mich mit den Erfahrungen in Europa befasst und festgestellt, dass es in Westeuropa bereits seit mehr als 40 Jahren ähnliche Mediationsprogramme gibt, die sich nicht nur an die Roma-Gemeinschaft richten, sondern an alle schutzbedürftigen ethnischen Minderheiten. Gemeinsam mit Dr. Pim de Graaf, dem Leiter der Abteilung „Internationale Beziehungen“ im niederländischen Gesundheitsministerium, begannen wir, ein bulgarisches Modell für die Gesundheitsmediation zu entwickeln.“

Gesundheitsmediatoren in Bulgarien

FOTO Facebook/ Ивайло Търнев

Der erste Stadtteil, in dem fünf Mediatoren eingesetzt wurden, war „Istok“ in Kjustendil in Südwestbulgarien. Sie machen sich mit den gesundheitlichen und sozialen Problemen jeder Familie vertraut, um deren Bedürfnisse zu ermitteln und Hilfe zu leisten. Heute gibt es 370 Gesundheitsmediatoren in über 160 Gemeinden.  30 Prozent von ihnen verfügen über einen Hochschulabschluss. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, benachteiligten Bevölkerungsgruppen den Zugang zu Gesundheitsfürsorge und sozialen Dienstleistungen zu erleichtern, die Beziehungen zwischen Ärzten und Patienten aus schutzbedürftigen Gemeinschaften zu verbessern und die Gesundheitskompetenz ethnischer Minderheiten zu fördern. „Eine der Anforderungen an die Mediatoren ist, dass sie aus der Gemeinschaft stammen, vor Ort leben, die Probleme kennen und dieselbe Sprache sprechen“, erklärt der Professor.

Die Gesundheitsmediatoren durchlaufen eine spezielle Ausbildung, die gemeinsam von der Fakultät für öffentliche Gesundheit der Medizinischen Universität Sofia und dem Verein „Nationales Netzwerk der Gesundheitsmediatoren“ durchgeführt wird, und erhalten abschließend ein Zertifikat.

„Es wurde damit begonnen, medizinisches Personal auszubilden – nicht nur Krankenschwester, sondern auch Ärzte, Zahnärzte und Apotheker“, stellt Iwajlo Tarnew klar. „Unser Team hat über 50 Roma ausgebildet, die derzeit Medizin studieren oder inzwischen einen Abschluss haben. Aus unseren ersten Jahrgängen gibt es bereits Absolventen, die ihre Dissertationen verteidigt haben und in Universitätskliniken arbeiten. Unser Ziel ist es, Gesundheitsmediatoren, Roma-Ärzte und Krankenschwestern in Teams zusammenzubringen, die in den Roma-Vierteln arbeiten.“

Gesundheitsmediatoren in Bulgarien

FOTO Nationales Netzwerk der Gesundheitsmediatoren

„Als wir das Programm ins Leben gerufen haben, dachte ich, es würde nur vorübergehend sein – in etwa 20 Jahren würde der Mangel überwunden sein und das Programm überflüssig werden“, erinnert sich Iwajlo Tarnew. „Leider muss ich feststellen, dass es heute noch aktueller denn je ist, da die Situation in vielen Roma-Vierteln erschütternd ist. Dort leben zahlreiche Kinder in großer Armut, die eine angemessene medizinische und soziale Versorgung unmöglich macht. Die Mediatoren vollbringen Wunder, sie sind im Großen und Ganzen Missionare, denn für einen Mindestlohn werden sie rund um die Uhr von allen Institutionen in Anspruch genommen, und es ist schwer, diesem Lebensrhythmus standzuhalten.“

Gesundheitsmediatoren in Bulgarien

FOTO Facebook/ Ивайло Търнев

Obwohl er Ehrfurcht einflößt, gewinnt Prof. Iwajlo Tarnew das Vertrauen der Menschen, mit denen er zusammenarbeitet, denn mit seiner väterlichen Art ermutigt er sie, voranzukommen. „Ich liebe sie, bin aber gleichzeitig sehr streng mit ihnen“, gibt er zu und sieht es als seine wichtigste Aufgabe an, die Motivation und den hohen Geist zu bewahren, die in diesem für die Gesellschaft bedeutenden und unendlich nützlichen Beruf nötig sind.


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Text: Diana Zankowa (nach einem Interview von Michajlina Pawlowa und Waleri Lekow für das BNR-Programm Christo Botew)

 

Übersetzung: Georgetta Janewa