Bessere Prävention und Gesundheitskompetenz sind in Bulgarien notwendig

Dienstag, 29 September 2026, 15:12

Dr. Liljana Dimitrowa und Dr. Mina Markowa

Dr. Liljana Dimitrowa und Dr. Mina Markowa

FOTO BNR

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Gesundheit ist das höchste Gut, doch ihre Erhaltung liegt sowohl in der Verantwortung der Patienten als auch der medizinischen Fachkräfte und Institutionen. Über die Notwendigkeit einer besseren Prävention, Gesundheitskompetenz und besseren Arbeitsbedingungen für Ärzte sprachen gegenüber dem Bulgarischen Nationalen Rundfunk zwei Medizinerinnen – die eine mit langjähriger Berufserfahrung, die andere eine junge Ärztin, die nur noch wenige Monate bis zur staatlichen Prüfung zum Erwerb seiner Facharztanerkennung hat. Zwei Generationen – zwei Meinungen zu den Problemen des Gesundheitswesens in unserem Land.

Eines der ernsten Probleme im bulgarischen Gesundheitswesen ist das unzureichende Engagement der Menschen für ihre eigene Gesundheit. Das von ist die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgin Dr. Liljana Dimitrowa überzeugt. Ihren Worten zufolge gibt es im heimischen Gesundheitswesen viele Defizite. Und selbst wenn Patienten Zugang zu Vorsorgeuntersuchungen haben, schieben sie diese Untersuchungen häufig aus Angst vor einer möglichen Diagnose auf.

„Die Menschen haben nicht verstanden, dass ihre Gesundheit ihr eigenes Problem ist und nicht das Problem der Ärzte. Selbst wenn ihnen Vorsorgepakete und Untersuchungen angeboten werden, fällt es ihnen sehr schwer, sich die Zeit dafür zu nehmen. Sie haben Angst vor Krankheiten. ‚Was ist, wenn ich jetzt eine Untersuchung mit dem Scanner mache und dabei etwas herauskommt?‘ – Das ist die größte Sorge der Patienten. Das erschwert die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patienten“, kommentierte Dr. Dimitrowa.

Ein weiteres Problem sei das Fehlen eines einheitlichen medizinischen Vorgehens und die schwierige Orientierung der Patienten im Gesundheitssystem. Häufig holen die Menschen mehrere Meinungen ein, und Widersprüche zwischen diesen können zu Verwirrung und dazu führen, dass eine Behandlung abgelehnt wird, meint Dr. Dimitrowa.

Sie hat Generationen von Ärzten ausgebildet und wies auch auf die ungleichmäßige Verteilung der medizinischen Fachkräfte im Land hin. Ihren Worten zufolge sind ganze Regionen unzureichend mit Fachärzten versorgt, darunter auch in Bereichen wie der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Dies führt zu einer späten Diagnose und Behandlung schwerer Erkrankungen. Früher habe die Prävention über verschiedene Formen der organisierten Gesundheitsversorgung mehr Menschen erreicht, während heute die Verantwortung in deutlich größerem Maße auf den einzelnen Patienten übertragen wurde, sagte Dr. Liljana Dimitrowa. Sie bezeichnete die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung als eines der ernsthaften Probleme.

„Wir brauchen mehr Informationskampagnen, die gemeinsam mit medizinischen Fachkräften entwickelt werden“, sagte die junge Ärztin Dr. Mina Markowa. Ihrer Ansicht nach sollten Patienten Zugang zu verständlichen und zuverlässigen Informationen erhalten, damit sie verstehen können, warum Vorbeugung und eine rechtzeitige Behandlung wichtig sind.

Dr. Mina Markowa absolviert eine Facharztausbildung in Endokrinologie und Stoffwechselkrankheiten und ist der Meinung, dass sich trotz der Schwierigkeiten viele junge Ärzte dafür entscheiden, in Bulgarien zu bleiben. Sie selbst sieht ihre berufliche Zukunft in ihrer Heimat. Der Grund: Sie liebt ihr Land, ihre Familie und ihr Zuhause sind hier, und sie möchte ihre Landsleute behandeln. Sie glaubt aufrichtig daran, dass Veränderungen im bulgarischen Gesundheitswesen möglich sind und dass mit gemeinsamen Anstrengungen Erfolge und eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung erreicht werden können. Sie wird erst noch mit den Problemen konfrontiert werden, ist aber dadurch ermutigt, dass die Mehrheit ihrer Kommilitonen nach ihrem Studienabschluss vor vier Jahren beschlossen hat, in Bulgarien zu bleiben:

„Die meisten von ihnen haben sich natürlich für eine Facharztausbildung an Krankenhäusern in den großen Städten entschieden, aber es gibt auch solche, die in ihre Heimatorte zurückgekehrt sind oder sich in kleineren Orten niedergelassen haben. Das hat mich damals sehr gefreut. Wir haben darüber gesprochen, dass wir nicht sicher sind, was wir machen werden, aber die meisten von uns wollten auf jeden Fall hier, in unserer Heimat, bleiben und Bulgaren behandeln und nicht im Ausland. In einigen Bereichen gibt es bereits positive Veränderungen, und ich wünsche mir, dass die Dinge vorankommen. Ich denke, dass die medizinische Fachwelt gemeinsam mit den staatlichen Institutionen in diese Richtung gehen muss, denn sie ist für uns alle wichtig“, sagte Dr. Markowa.

Sie betonte, dass eines der Probleme für junge Ärzte die Notwendigkeit sei, an mehreren Stellen zu arbeiten, um ihren Lebensunterhalt angemessen bestreiten zu können. Ihrer Ansicht nach schränkt dies die Zeit für Erholung und Familie ein und führt zu einer zusätzlichen Belastung der medizinischen Fachkräfte. Als ernstes Problem hob sie ebenfalls hervor, dass sich die medizinische Versorgung in den vergangenen Jahren zunehmend auf die großen Städte konzentriert habe, während es in den Randregionen an Fachkräften fehle.

Dr. Dimitrowa und Dr. Markowa nahmen am 25. Nationalen Treffen der Stiftung MOST (Medien, Gesellschaft, Familie und Traditionen) teil. Die Veranstaltung bringt Ärzte, Vertreter der Zivilgesellschaft, Politiker und Medienvertreter zusammen, um die Öffentlichkeit über Fortschritte im Bereich der Medizin in Bulgarien zu informieren.


Übersetzung: Rossiza Radulowa