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„Nein, geh nicht fort!“ – ein Klassiker der bulgarischen Filmmusik

Freitag, 2 Oktober 2026, 17:45

„Nein, geh nicht fort!“ – ein Klassiker der bulgarischen Filmmusik

FOTO Facebook /Български филми

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„Adaption“, besser bekannt durch die erste Textzeile „Nein, geh nicht fort!“ gehört zu den beliebtesten Liedern, die für das bulgarische Kino geschaffen wurden. Es erklingt im gleichnamigen Film „Adaption“ – einem dreiteiligen Fernsehdrama, das 1979 vom großen Regisseur Walo Radew (1923–2001) gedreht wurde.

Im Mittelpunkt der Serie nach einem Drehbuch von Rajna Tomowa und Walo Radew steht eine Klinik für psychisch kranke Patienten. Ihre Krankheit ist die Angst – vor Menschen, vor der Liebe, vor dem Leben, vor dem Tod. In der Klinik wird die hübsche Weronika stationär aufgenommen. Der junge Psychiater Dr. Bankow widmet den Patienten fast seine gesamte Zeit und wendet dabei die für damalige Verhältnisse unkonventionelle Methode der Gruppentherapie an. Jeder Teilnehmer soll seine Ängste mitteilen und versuchen, ohne Angst zu sprechen, zu handeln und zu fühlen. Anders als die anderen schafft es Weronika während der Sitzungen nicht, sich selbst zu überwinden, verliebt sich jedoch in den Arzt. Die Emotion erweist sich als Schlüssel zu ihrem inneren Drama.

In den 1970er-Jahren über die Gewalt gegen den Einzelnen und die fehlenden Perspektiven für junge Menschen zu sprechen – verletzlich, empfindsam und nicht bereit, sich anzupassen –, war mehr als skandalös. Der Film wurde als Anspielung auf die bulgarische Gesellschaft verstanden und empörte Menschen und Institutionen, die darauf bestanden, dass man sich entsprechend den Erwartungen des Systems zu verhalten hat.Hinter der Figur von Dr. Wlado Bankow steht eine reale Persönlichkeit: Georgi Kamenow (1942–2006), einer der Pioniere der Gruppentherapie in Bulgarien, der bereits Anfang der 1970er-Jahre die ersten psychotherapeutischen Gruppen in Sofia leitete. Die damals vorherrschende Ideologie bezeichnete Psychotherapie und Psychoanalyse als „dekadent-bürgerlich“. Noch bevor der Film in die Kinos kam, wurde Dr. Kamenow unter Druck gesetzt und gedemütigt, die Gruppen wurden eingestellt und der Arzt war gezwungen, zu emigrieren.

1979 gewann „Adaption“ mehrere nationale Auszeichnungen, unter anderem für Regie und Kameraführung. Die Darstellerin der weiblichen Hauptrolle, Eli Skortschewa, wurde von der Union der bulgarischen Filmschaffenden für ihr Debüt ausgezeichnet. Danach wurde das Drama jedoch auf skandalöse Weise aus dem Programm genommen, und Regisseur Walo Radew musste sich vor der Kulturkommission des Zentralkomitees der Bulgarischen Kommunistischen Partei erklären. „Adaption“ in der Kinofassung von 1981 war sein letztes Werk. Danach drehte Walo Radew – aus ideologischen Gründen oder wegen einer Familientragödie, bei der sein einziger Sohn bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam – keine weiteren Filme.

Doch während sich um „Adaption“ immer mehr Kontroversen rankten, führte die Musik des Films ein Eigenleben. 1979 war der 33-jährige Mitko Schterew bereits ein bekannter Komponist und Pianist, Gründer der populären Rockgruppe „Diana Express“, Arrangeur und Schöpfer zahlreicher populärer Lieder. Heute gilt Schterew als einer der bedeutendsten bulgarischen Komponisten von Filmmusik. Unvergessen sind seine Filmmusiken für Kinoerfolge wie „Der Doppelgänger“, „Verdammte Seelen“, „Kombina“, „Hilferuf“ und „Meine Liebe, mein Liebster“. Die außergewöhnliche melodische Begabung dieses Komponisten beeindruckt vor allem durch eine unwiderstehliche Romantik, Zärtlichkeit und Sentimentalität, die selbst die nüchternsten Pragmatiker zu Tränen rühren.

Im Lied aus „Adaption“ trifft dieses außergewöhnliche musikalische Talent auf die Verse von Iwan Pejtschew (1916–1976). Er wurde als „gigantischer Dichter“ und „Prinz der Poesie“ bezeichnet und gilt als einer der feinfühligsten und sensibelsten Lyriker unter den bulgarischen Meistern des Wortes. Über ihn schrieb man, er sei ein „Dichter mit goldenen Nägeln auf den Lippen“, ein „reiner Romantiker und Bohemien, ein unglaublicher Barde des Skandals und der Rebellion, ein Schild gegen Gewalt, Vulgarität und Demagogie im Leben und in der Kunst“, ein Mensch mit „unkonventionellen Gewohnheiten, eine Art weißer Rabe“, „groß, schlank, hinkend wie Rimbaud, langhaarig, arbeitslos und unpraktisch, mit einer unvergleichlichen Mischung aus Brutalität und Zärtlichkeit, Kühnheit und Sanftheit, Ungezwungenheit und Schüchternheit“.

Obwohl Pejtschew während der Dreharbeiten zu „Adaption“ bereits seit drei Jahren tot war, waren seine Gedichte so populär, dass Walo Radew mehrere von ihnen in sein Drehbuch aufnahm – vorgetragen von den Filmhelden.


„Ich werde traurig sein ohne deine Hände“, „unter den Brücken rauschen keine Flüsse“, „die Häfen sind wüst und still“ – die Abwesenheit des geliebten Menschen verändert die Realität selbst. Der große bulgarische Popsänger Wassil Najdenow zeigt sich in diesem Bekenntnis bewegend verletzlich und empfindsam. „Nein, geh nicht fort!“ ist eine Liebeserklärung und zeugt zugleich von Trennungsangst. Der Film „Adaption“ erzählt von der Angst, die eigene Identität zu leben, das gleichnamige Lied von der Angst, den Menschen zu verlieren, den man liebt.

Der Beitrag von „Nein, geh nicht fort!“ zum Erfolg des Films ist unbestritten, und die Interpretation von Wassil Najdenow und „Diana Express“ gehört bis heute zu den Klassikern der bulgarischen Popmusik.


Übersetzung: Rossiza Radulowa