Autor
Joan Kolew
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Niedrige Renten und immer weniger Erwerbstätige – Herausforderung für das System
Mittwoch 7 Oktober 2026 11:15
Mittwoch, 7 Oktober 2026, 11:15
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Mehr als zwei Millionen Bulgaren sind auf ihre Rente angewiesen, um über den Monat zu kommen. Seit dem 1. Juli dieses Jahres beträgt die Mindestrente in Bulgarien 347,51 Euro, die Höchstrente 1.738,40 Euro. 810.000 Bulgaren erhalten höchstens die Mindestrente, während 9.195 die Höchstrente beziehen. Zum Vergleich: Die durchschnittliche monatliche Rente in der EU liegt bei rund 1.443 Euro. Damit liegt Bulgarien bei diesem Indikator an letzter Stelle in der EU.
Das Thema der Einkommen der Bevölkerung ist stets aktuell, und jeder Versuch einer Reform im Sozialbereich wirft mehr Fragen auf, als er Antworten liefert. Nach Ansicht des Ökonomen Stojan Pantschew sind die Unterschiede bei der Höhe der Renten in den verschiedenen Regionen des Landes vor allem auf die Einkommen zurückzuführen, deren Verteilung ebenfalls ungleichmäßig ist. Er äußerte sich zur Idee einer neuen Regionalgliederung Bulgariens, die seit Jahren immer wieder diskutiert wird. Einer der Vorschläge sieht vor, Sofia aus der Südwestregion herauszulösen und als eigenständige Region „Hauptstadt“ zu führen:
Stojan Pantschew
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„Soweit ich weiß, ist das die Richtung, in die sich die Dinge entwickeln. Wir sollten praktisch vier Regionen haben, von denen eine die Hauptstadt sein wird (derzeit gibt es sechs Regionen – Anm. d. Red.). Das ist richtig, weil Sofia die Wirtschaftsdaten der Südwestregion verzerrt. Die Hauptstadt ist eine besondere Region mit einer hohen Konzentration wirtschaftlicher, administrativer und anderer Aktivitäten, sodass ihre Herauslösung sicherlich sinnvoll wäre. Inwieweit sich dies auf die Einkommen auswirken wird, bin ich mir nicht sicher, denn diese sind nicht so sehr ein Spiegelbild der administrativen Gliederung als vielmehr anderer Prozesse. Ich bin der Ansicht, dass eine Politik der Dezentralisierung des Landes notwendig ist. Sie gehört offensichtlich zu den vielen Maßnahmen, die nicht aktiv verfolgt werden, um in diesem Bereich Veränderungen zu erreichen“, sagte Pantschew.
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Pantschew erinnerte daran, dass das bulgarische Rentensystem umlagefinanziert ist. Das bedeutet, dass eine bestimmte Zahl von Rentnern von einer bestimmten Zahl Erwerbstätiger finanziert werden muss:
„Wenn die Zahl der Erwerbstätigen zurückgeht und die Zahl der Rentner weiter steigt, wird dies zu einem Defizit im Rentensystem führen und seine Finanzierung wird immer schwieriger werden. Das bedeutet, dass wir langfristig eine deutlich höhere Geburtenrate und in Zukunft viel mehr Erwerbstätige brauchen, die dazu beitragen können, das Defizit im Rentensystem zu überwinden“, so Pantschew.
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Bulgarien könne neue Ideen und Mechanismen zur Förderung einer Demografiepolitik einsetzen, die zu einer höheren Geburtenrate führen, ist Pantschew überzeugt. Als Beispiel nannte er einige demografische Maßnahmen Ungarns, die auch in Bulgarien angewandt werden könnten:
„In Ungarn wurde beispielsweise beschlossen, dass Frauen mit drei oder mehr Kindern keine sogenannte Einkommensteuer zahlen müssen“, erzählte der Experte.
Derzeit wird die finanzielle Unterstützung bei der Geburt eines Kindes in Bulgarien einmalig ausgezahlt und beträgt nach Angaben der Agentur für Sozialhilfe 191,74 Euro für das erste Kind, 460,17 Euro für das zweite und 230,09 Euro für das dritte Kind.
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Bulgarien müsse sich auf Untersuchungen darüber konzentrieren, welche Maßnahmen zur Förderung der Geburtenrate konkret geeignet sein könnten, und gegebenenfalls sogar eine spezielle Behörde oder Kommission schaffen, die mit ihrer Umsetzung beginnt. Denn dies sei die vielleicht wichtigste Politik, die ein Staat verfolgen könne, betonte Stojan Pantschew.
Wird das Renteneintrittsalter steigen?
Das Renteneintrittsalter in Bulgarien liegt derzeit bei 62 Jahren und sechs Monaten für Frauen und 64 Jahren und neun Monaten für Männer. Es werde in den kommenden Jahren sicherlich weiter steigen, erklärte der Ökonom gegenüber Radio Bulgarien:
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„Ich würde empfehlen, dass dies schneller geschieht, denn das ist der schmerzärmste Weg, das Problem des Missverhältnisses zwischen Erwerbstätigen und Rentnern zu lösen. Dies muss jedoch mit einer Demografiepolitik kombiniert werden, denn wenn das Rentensystem ein derart großes Defizit aufweist, muss man entweder aufhören, die Renten anzupassen, oder das Renteneintrittsalter erhöhen oder irgendwoher deutlich mehr Erwerbstätige gewinnen“, sagte Pantschew.
Der Ökonom ist überzeugt, dass angesichts des Zustands des Rentensystems Menschen, die derzeit zwischen 35 und 40 Jahre alt sind, ebenso wie noch jüngere Menschen, wahrscheinlich überhaupt nicht in den Ruhestand gehen können werden – oder zumindest keine Rente erhalten werden, von der sie ein normales und würdiges Leben führen können.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov