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Witoscha – Natur nur einen Schritt von der bulgarischen Hauptstadt entfernt

Dienstag, 13 Oktober 2026, 15:03

Witoscha – Natur nur einen Schritt von der bulgarischen Hauptstadt entfernt

FOTO Pixabay

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Witoscha – der Berg, dessen Silhouette sich über Sofia erhebt – gehört zu den beliebtesten Erholungsgebieten abseits des Trubels der Großstadt und ist eines der Wahrzeichen der bulgarischen Hauptstadt. Nicht ohne Grund trägt einer der zentralen Boulevards Sofias seinen Namen. Auf Witoscha ausgerichtet, verbindet er optisch das historische Zentrum der Stadt mit dem Berg. Trotz der städtebaulichen Expansion ragt der Witoscha-Kamm noch immer beharrlich zwischen den Gebäuden von verschiedenen Punkten der Stadt hervor. 

Tscherni Wrach

Tscherni Wrach

FOTO Naturpark „Witoscha“

„Höher als Witoscha geht’s nicht“, sagen die Schopen. Tatsächlich ist der Berg mit seinem höchsten Gipfel, dem Tscherni Wrach (2290 m), jedoch der vierthöchste Berg Bulgariens nach Rila, Pirin und dem Balkangebirge. Auf seinem Gebiet wurde 1934 der erste Nationalpark Bulgariens und des Balkans – „Witoscha“ – ausgerufen. Heute ist er ein Naturpark und umfasst eine Fläche von 27.079 Hektar.

Witoscha – Natur nur einen Schritt von der bulgarischen Hauptstadt entfernt

FOTO Naturpark „Witoscha“

Witoscha kann auf eine interessante geologische Geschichte, Naturphänomene, eine große Artenvielfalt sowie Möglichkeiten für Tourismus und Sport zu allen vier Jahreszeiten verweisen. Weitere interessante Einzelheiten über den Berg erfahren wir von Sawa Popsawow, leitender Experte für „Freiwillige und Förderung des freiwilligen Engagements“, und Anton Dimitrow, Tourismusexperte bei der Direktion des Naturparks „Witoscha“. 

Sawa Popsawow führt uns zurück in die ferne Vergangenheit, als der Berg mit seinem charakteristischen Profil entstand:

Witoscha – Natur nur einen Schritt von der bulgarischen Hauptstadt entfernt

FOTO Facebook/ Витоша планина

„Witoscha erhielt sein heutiges Aussehen im Quartär. Das ist die letzte geologische Periode, in der wir auch heute noch leben. Sie begann vor mehr als 2,5 Millionen Jahren. Vor etwa einer Million Jahren hatte Witoscha bereits ihre heutige Gestalt angenommen. Wenn wir noch weiter in die geologische Vergangenheit zurückgehen, kann man sagen, dass der Berg im Paläozoikum in einem Meer entstanden ist, das die gesamte Region Sofia und die umliegenden Ebenen bedeckte“, sagte Popsawow.  

Witoscha – Natur nur einen Schritt von der bulgarischen Hauptstadt entfernt

FOTO Naturpark „Witoscha“

Zu den bekanntesten Landschaften Witoschas gehören die Steinflüsse. 

„Bei den Steinen handelt es sich um große Syenitblöcke, die durch kugelförmige Verwitterung unter dem ständigen Einfluss von Erosion und fließendem Wasser über sehr lange Zeiträume entstanden sind“, erklärt Sawa Popsawow. „Am bekanntesten sind die Steinflüsse im Tal des Flusses Wladajska. Ein charakteristischer Ort sind die Goldenen Brücken, aber auch an vielen anderen Stellen gibt es sie – sowohl an der Nord- als auch an der Südseite Witoschas, etwa an den Flüssen Bistrischka und Jantschowska sowie an der Matniza“, so Popsawow. 

Wasserfall von Bojana

Wasserfall von Bojana

FOTO Facebook/ Витоша планина

Zu den beliebtesten Zielen im Gebirge gehören auch der Tscherni Wrach und der Wasserfall von Bojana. Wer die Einsamkeit in der Natur sucht, findet die südöstlichen und südwestlichen Hänge Witoschas besonders reizvoll. Sie werden wegen der weniger gut ausgebauten Infrastruktur am wenigsten besucht.

Höhle „Duchlata“

Höhle „Duchlata“

FOTO akademic.org

Ein weiteres interessantes Ziel ist die Höhle „Duchlata“, die bis vor Kurzem als längste Höhle Bulgariens galt und mit ihren Felsformationen beeindruckt. 2022 wurde sie von der Kolkina Dupka bei Swoge übertroffen, die weiterhin erforscht wird. Die Höhle ist jedoch nur im Rahmen organisierter Besuche von Höhlenforschern zugänglich. 

Karstquelle „Lebendiges Wasser“

Karstquelle „Lebendiges Wasser“

FOTO Miglena Iwanowa

„Erwähnen müssen wir auch die Karstquelle „Lebendiges Wasser“, die nicht nur für Witoscha, sondern auch für Bulgarien einzigartig ist“, erzählte Sawa Popsawow: 

„Es handelt sich um ein natürlich entstandenes System in Form eines Siphons. Das Besondere ist, dass sich ein Reservoir füllt und allmählich wieder entleert. Wenn man zur Quelle kommt, kann man sehen, dass Wasser fließt – oder dass überhaupt kein Wasser vorhanden ist. Wenn das Wasser abgelaufen ist, dauert es eine gewisse Zeit, bis sich das natürliche Reservoir, wenn wir es einmal so nennen wollen, wieder füllt. Danach beginnt das Wasser erneut zu fließen. Es gibt allerlei Legenden über dieses Phänomen. Bereits im 17. Jahrhundert beschrieb der osmanische Reisende Evliya Çelebi es als „Brunnen des Glücks““, erklärte Popsawow. 

Witoscha – Natur nur einen Schritt von der bulgarischen Hauptstadt entfernt

FOTO Naturpark „Witoscha“

Der Naturpark ist auch bei Liebhabern von Adrenalin und Outdoor-Aktivitäten beliebt. 

„Witoscha bietet viel mehr als einen klassischen Spaziergang“, betonte Anton Dimitrow: 

„Die Nähe zu Sofia macht Witoscha zu einem der bequemsten Orte für Sport im Freien das ganze Jahr über. In den warmen Monaten gehören Mountainbiking, Berglauf, Orientierungslauf und Klettern zu den beliebtesten Aktivitäten. 

Für Liebhaber längerer Herausforderungen ist Witoscha Austragungsort des legendären Berglauf- und Mountainbike-Rennens „Witoscha 100“. Der Berg bietet auch Möglichkeiten zum Paragliding. Im Winter zieht er Skifahrer und Snowboarder an und bei geeigneten Bedingungen auch Anhänger des Skitourengehens und anderer Formen des winterlichen Bergtourismus“, sagte Dimitrow.

Witoscha – Natur nur einen Schritt von der bulgarischen Hauptstadt entfernt

FOTO Naturpark „Witoscha“

Doch je zugänglicher und beliebter ein geschütztes Naturgebiet ist, desto wichtiger wird die Frage nach seinem Schutz. Welche Rolle spielen die Direktion des Naturparks „Witoscha“ und die Tourismusgemeinschaft bei der Erhaltung der Natur und ihrer Artenvielfalt? Dazu Sawa Popsawow:

Witoscha – Natur nur einen Schritt von der bulgarischen Hauptstadt entfernt

FOTO Naturpark „Witoscha“

„Die Direktion des Parks arbeitet seit mehr als zehn bis 15 Jahren an verschiedenen Projekten zur Wiederherstellung und Erhaltung der biologischen Vielfalt, der Parkinfrastruktur und der touristischen Markierungen. Diese dienen nicht nur der Sicherheit der Besucher des Parks, sondern helfen auch dabei, die Natur zu bewahren. Wir appellieren an die Besucher, die markierten Wege einzuhalten und kein Offroad-Fahren oder andere Aktivitäten zu betreiben, die Erosion verursachen, wertvolle Pflanzenarten zerstören und die Tierwelt aufschrecken“, sagte Popsawow. 

Witoscha – Natur nur einen Schritt von der bulgarischen Hauptstadt entfernt

FOTO Naturpark „Witoscha“

Neben dem Massentourismus stellen auch die Klimaveränderungen eine weitere große Herausforderung dar. Wie wirken sie sich auf Witoscha aus und gibt es bereits Folgen, die Touristen mit eigenen Augen beobachten können? 

„Die Schneedecke bleibt eindeutig viel kürzer liegen und ihre Grenze liegt deutlich höher. Es gibt auch einen schattigen Ort, der für seine besondere Schneewehe bekannt ist und nach dieser auch „Prjasapata“ genannt wird (zwischen den Gipfeln Goljam und Malak Resen). Dort verfestigt sich der Schnee, und viele Jahre lang war es so, dass sich die alte Schneedecke mit der neuen Saison überschnitt. Wenn das nicht der Fall war, konnte man sie zumindest bis Ende August von Sofia aus sehen. Heute ist dieser Schnee bereits Ende Mai oder im Juni geschmolzen. Außerdem beobachten wir eine Austrocknung an bestimmten Wasserfassungen und das Absterben bestimmter Baumarten. Insgesamt heißt es hier, dass der Fahrradtourismus den Skisport als Massensport auf Witoscha ablöst. Der Hauptgrund ist, dass die Winter nicht mehr so sind wie früher“, sagte abschließend Sawa Popsawow, leitender Experte für „Freiwillige und Förderung des freiwilligen Engagements“.

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov