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Alexandra Iliewa
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Recycling als Bildungsauftrag und Geschäftsmodell in Bulgarien
Sonntag 18 Oktober 2026 16:50
Sonntag, 18 Oktober 2026, 16:50
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Zwei junge Menschen haben schon früh ihre Mission erkannt: Dingen eine zweite Chance zu geben. Sie verwandeln Abfälle in Wertstoffe und verleihen ihnen eine neue Bedeutung – im Wohnraum ebenso wie im öffentlichen Raum. Daniela und Wladislaw Kostow haben in ihrer Heimatstadt Silistra ein Start-up gegründet, das Möbel und Einrichtungselemente aus recyceltem Kunststoff herstellt. Schon als Kinder interessierten sich die Geschwister für den Umweltschutz und wollten durch ihren persönlichen Beitrag dazu beitragen, unseren Planeten sauberer und grüner zu machen.
Nach dem Abitur erkannte Wladislaw, dass die Abfallproblematik der richtige Ansatzpunkt für ihn war, und begann, sich mithilfe verschiedener Onlinequellen weiterzubilden. Als Daniela mit einem Architekturabschluss aus Deutschland zurückkehrte und ihr Studium mit einer Abschlussarbeit zur Kreislaufwirtschaft vertiefte, schlug sie vor, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Die beiden konzentrierten sich auf die Wiederverwertung von Kunststoffdeckeln und bauten dafür eigene Maschinen, darunter eine Presse zur Herstellung von Platten. Wladislaw kümmert sich um die technische Seite, Daniela um Design und Kommunikation.
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„Aus recyceltem Kunststoff stellen wir zunächst Platten her“, erklärt Daniela Kostowa. „Daraus fertigen wir dann verschiedene Einrichtungselemente wie kleine Tische, Stühle, Leuchten oder dreidimensionale Buchstaben – eigentlich alles, was uns einfällt, denn die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Wir erhalten viele interessante Kundenanfragen, unter anderem für die Gestaltung von Rückenlehnen für Parkbänke. Ein solches Projekt haben wir gemeinsam mit dem Street-Art-Künstler Alexi umgesetzt.
Die lange Lebensdauer des Materials und die Möglichkeit, es erneut zu recyceln, sind von entscheidender Bedeutung. Wenn Elemente aus recyceltem Kunststoff im öffentlichen Raum eingesetzt werden, werden die Menschen vielleicht sagen: ‚Aha, es wird also doch recycelt!‘ Denn überall hält sich der Mythos, dass der ganze Müll in einem einzigen Lastwagen landet und niemand weiß, was anschließend damit geschieht“.
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Das Geschäftsmodell beruht vollständig auf den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft – vom Sammeln von Kunststoffdeckeln und -flaschen bis zur Herstellung neuer Produkte. „Bei uns fällt überhaupt kein Abfall an. Selbst die Verschnittreste unserer Platten führen wir wieder in die Produktion zurück. Wir recyceln also immer wieder“, versicherte Daniela.
Mit Unterstützung der örtlichen Deponie, die sich an der Grenze ihrer Kapazität befindet und einen Teil ihrer Abfälle zur Verfügung stellt, sowie mithilfe innovativer Technologien wie dem 3D-Druck fertigen die Unternehmer ihre Produkte auf umweltbewusste Weise. Für ihre visionäre Arbeit wurden sie 2023 als bestes Jugend-Start-up ausgezeichnet.
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Neben der Produktion widmen Daniela und Wladislaw auch der Bildungsarbeit viel Zeit. Nur wenige wissen beispielsweise, dass es zahlreiche verschiedene Kunststoffarten gibt, die jeweils getrennt entsorgt werden müssen. So kann die Verpackung eines Reinigungsmittels aus drei unterschiedlichen Kunststoffarten bestehen: dem Behälter, dem Verschluss und dem Etikett.
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„Es ist sehr wichtig, die Bevölkerung aufzuklären, denn die Menschen wollen zwar gerne recyceln, kennen aber nicht all diese Details“, betonte Daniela Kostowa. „Sie glauben, dass alles recycelt wird, was sie in einen Container für getrennte Abfallsammlung werfen. Leider erschwert das den Prozess jedoch erheblich. Deshalb ist Bildung so wichtig – und genau damit beschäftigen wir uns seit der Gründung unserer Werkstatt. Wir besuchen regelmäßig Schulen, Gymnasien und Universitäten und halten Präsentationen zum Thema Recycling. Denn unser Ziel ist nicht einfach nur, ein Produkt aus recyceltem Kunststoff herzustellen. Wir wollen die Denkweise und die Einstellung der Menschen verändern“.
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Die jungen Unternehmer wollen weiterhin zeigen, dass recycelter Kunststoff ein neuer, edler Werkstoff ist, und ihre Produktion als eine Form modernen Kunsthandwerks präsentieren. Ihrer Ansicht nach beginnt der Wandel damit, wie wir über die Ressourcen in unserer Umgebung denken. Ihr Material kann schließlich zu einem mutigen, farbenfrohen und hochwertigen Element moderner Inneneinrichtung werden.
Doch ihre Mission geht über bisherige Erfolge und Grundsätze hinaus und wird zu einem globalen Traum: Eines Tages möchten sie arbeitslos werden, weil das Problem, das sie heute lösen wollen, dann überwunden ist. Sie hoffen, noch den Tag zu erleben, an dem die Menschheit die Plastikverschmutzung vollständig in den Griff bekommen hat und sie nur noch eine Erinnerung an die Vergangenheit ist.
Text: Diana Zankowa (nach einem Interview von Alexandra Iliewa von Radio Sofia des Bulgarischen Nationalen Rundfunks)
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov