Wie sieht die Rückkehr nach Bulgarien heute aus?

Bulgaren, die in ihre Heimat zurückkehren möchten, ziehen es vor, außerhalb der Hauptstadt Sofia zu leben

Montag, 19 Oktober 2026, 08:35

Wie sieht die Rückkehr nach Bulgarien heute aus?

FOTO Facebook /ЗаВръщане в България

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Was bewegt Bulgaren im Ausland dazu, in ihre Heimat zurückzukehren? Was hält sie davon ab und wie geht es jenen, die diesen Schritt bereits gewagt haben? Antworten auf diese Fragen liefert die erste umfassende Studie der Informationsplattform „Rückkehr nach Bulgarien“. 

Die Untersuchung wurde unter 2.286 Bulgaren aus 51 Ländern auf sechs Kontinenten durchgeführt. Sie beleuchtet die praktischen, emotionalen und gesellschaftlichen Aspekte der Rückkehr und enthält konkrete Empfehlungen für Unternehmen, die Zivilgesellschaft und staatliche Institutionen.

Katerina (links) und Anna-Maria Andreewi beim Bulgarischen Nationalen Rundfunk

Katerina (links) und Anna-Maria Andreewi beim Bulgarischen Nationalen Rundfunk

FOTO Wessela Krastewa

„Ziel der Studie ist es, Erkenntnisse zu gewinnen, die uns als Organisation bei unseren nächsten Schritten helfen. Bisher haben wir einen Podcast mit Geschichten von Bulgaren entwickelt, die in ihre Heimat zurückgekehrt sind, zahlreiche Veranstaltungen organisiert und einen Newsletter für Bulgaren im Ausland und Rückkehrer herausgegeben. Das zweite Ziel ist es, den Bericht öffentlich zugänglich zu machen. Die Menschen sollen besser verstehen, wie der Rückkehrprozess aussieht und ob es tatsächlich Bulgaren im Ausland gibt, die zurückkehren möchten“, erklärte Anna-Maria Andreewa gegenüber Radio Bulgarien. 

Und solche Bulgaren gibt es – und zwar immer mehr. Laut der Studie planen 38 Prozent der im Ausland lebenden Landsleute ihre Rückkehr, weitere 31 Prozent ziehen sie in Betracht. Die Schwestern Anna-Maria und Katerina haben diesen Weg selbst hinter sich. Beide wurden in den USA als Töchter bulgarischer Auswanderer geboren und sind dort aufgewachsen. Trotz der guten Lebensbedingungen, die das Land der unbegrenzten Möglichkeiten bietet, haben sie sich dafür entschieden, Bulgarien zu ihrer Heimat zu machen. 

Wie sieht die Rückkehr nach Bulgarien heute aus?

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Die Studie „Der Stand der Rückkehr nach Bulgarien“ basiert auf einer Online-Umfrage in bulgarischer und englischer Sprache. Daran beteiligten sich 1.810 Bulgaren im Ausland und 476 Landsleute, die bereits nach Bulgarien zurückgekehrt sind. 

Katerina Andreewa

Katerina Andreewa

FOTO YouTube / Back2Bulgaria podcast

Was zeigen die Ergebnisse? 

Der wichtigste Beweggrund für die Rückkehr ist die Familie. 64 Prozent der im Ausland lebenden Bulgaren nennen die Nähe zu ihren Angehörigen als persönlichen Grund für eine Rückkehr. 80 Prozent der Rückkehrer geben an, dass sie die familiären Beziehungen und die Unterstützung durch ihre Angehörigen am Leben in Bulgarien besonders schätzen. 

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„Wir haben in der Umfrage auch gefragt, wie verbunden sich die Menschen mit Bulgarien fühlen. Die meisten antworteten, dass sie sich ‚mittelmäßig verbunden‘ oder ‚sehr verbunden‘ fühlen. Das ist interessant. Vielleicht liegt darin eine Stärke Bulgariens: Obwohl viele Bulgaren im Ausland leben, fühlen sie sich ihrem Land verbunden. Das bewegt sie dazu, sich dafür und für die Entwicklungen hier zu interessieren“, erläuterte Anna-Maria Andreewa. 

88 Prozent der Rückkehrer hatten auf ihrem Weg zurück mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Dennoch sind 59 Prozent mit ihrer Entscheidung zufrieden und würden sie anderen empfehlen. 

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FOTO zavrushtanevbulgaria.com

Eines der größten Probleme ist der Mangel an systematischen, präzisen und verständlichen Informationen – selbst über die Verwaltungsverfahren, die bei einer Rückkehr zu erledigen sind. 

„Den Institutionen würde ich zunächst empfehlen, sich mit Nichtregierungsorganisationen wie unserer in Verbindung zu setzen, denn wir verfügen über immer mehr Fachwissen zu dieser Zielgruppe“, betonte Katerina Andreewa. 

„Interessant ist auch die Beobachtung, dass die meisten Landsleute, die zurückkehren möchten, lieber außerhalb der Hauptstadt Sofia leben würden. Rund 50 Prozent der Rückkehrer sagen, dass sie darin einen Sinn sehen, hier etwas aufzubauen. Sie möchten sich ehrenamtlich engagieren, am gesellschaftlichen Leben ihres Wohnorts teilnehmen und ein eigenes Unternehmen gründen. Sie wollen etwas beitragen“, erklärte Katerina Andreewa. 

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Die größten Sorgen der im Ausland lebenden Bulgaren im Hinblick auf eine Rückkehr betreffen laut der Studie die politische Unsicherheit (59 Prozent), die Frage, ob sie sich mit den örtlichen Gehältern einen guten Lebensstandard leisten können (58 Prozent), und das Gesundheitswesen (42 Prozent). 

Was könnte die Entscheidung zur Rückkehr erleichtern? Dem Bericht zufolge sind dies bessere Arbeitsbedingungen (67 Prozent), tatsächliche Veränderungen und neue Perspektiven in Bulgarien (65 Prozent) sowie eine gerechtere und sicherere Gesellschaft (65 Prozent). 

Warum entscheiden sich immer mehr Bulgaren für ein Leben in ihrer Heimat? Ist Bulgarien zu einem besseren Ort zum Leben geworden – oder ist das Leben im Ausland doch nicht so schön, wie wir es uns vorstellen?

„Genau diese Frage haben wir in der Umfrage nicht gestellt. Vielmehr wollten wir wissen, was die Menschen dazu bewegt, nach Bulgarien zurückkehren zu wollen. Die wichtigsten Gründe haben wir bereits genannt: die Familie, die Natur, die Lebensweise und die Möglichkeit, auf unterschiedliche Weise etwas für das Land zu tun. In letzter Zeit erzählen mir immer mehr Menschen, dass sie das Gefühl haben, in Bulgarien gebraucht zu werden“, sagte Anna-Maria Andreewa. „Hier gibt es viele Nischen und Bereiche, die noch nicht vollständig entwickelt sind. Es gibt Raum, etwas zu schaffen, Neues auszuprobieren und etwas aufzubauen.“ 

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Seit 2023 bemüht sich die Plattform „Rückkehr nach Bulgarien“, eine Gemeinschaft Gleichgesinnter aufzubauen und die Rückkehr in die Heimat besser informiert, unterstützt und vernetzt zu gestalten. 

Denn Unterstützung ist immer wichtig, und der Weg ist nicht zwangsläufig ein endgültiger. Das belegt auch die Studie: Nur 25 Prozent der Rückkehrer schließen aus, erneut ins Ausland zu gehen. 34 Prozent würden wegen familiärer Bedürfnisse ein Leben im Ausland in Betracht ziehen, weitere 31 Prozent bei einer besseren beruflichen Chance im Ausland. 

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Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov