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Soziales Engagement schenkt Straßen­tieren in Plowdiw Hoffnung auf ein Leben

„Die Bulgaren müssen ihre Einstellung ändern, damit es keine herrenlosen Hunde und Katzen mehr gibt“, sagte Dr. Madlen Matejna

Montag, 19 Oktober 2026, 15:05

Soziales Engagement schenkt Straßen­tieren in Plowdiw Hoffnung auf ein Leben

FOTO tva-foundation.org

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Mit ihrem Einsatz für das Schicksal herrenloser Tiere verfolgen eine junge Tierärztin aus Plowdiw und eine in Bulgarien geborene Prinzessin gemeinsam ein soziales Anliegen. 

Dr. Madlen Matejna und Teodora von Auersperg, Tochter des österreichischen Prinzen Anton Franz von Auersperg, haben vor etwa drei Monaten die Initiative „Esperanza for Life“ ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, die Kastration und medizinische Behandlung von Straßen­tieren in Plowdiw zu unterstützen. Die wohltätig engagierte Prinzessin betreibt eine Stiftung, mit der sie zahlreiche gemeinnützige Projekte in Bulgarien fördert – darunter den Aufbau des ersten ganzheitlichen Zentrums zur Unterstützung bedürftiger Kinder. 

Teodora von Auersperg

Teodora von Auersperg

FOTO tva-foundation.org

„Die Menschen haben von uns erfahren, die Zahl zufriedener Kunden wächst und inzwischen empfehlen sie uns auch untereinander weiter“, berichtete Dr. Matejna gegenüber Radio Bulgarien. 

Die Klinik ist vor allem auf die Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern angewiesen, die Straßenhunde und -katzen selbst zu ihr bringen. Bei Bedarf helfen die Mitarbeiter mit sogenannten Lebendfallen, auch wenn viele der Tiere zwischen Wohnblocks aufgewachsen und Menschen gegenüber zutraulich sind. In der Klinik engagieren sich ehrenamtlich ein Arzt und drei 15-jährige Mädchen. Möglicherweise kommen noch zwei weitere Interessenten hinzu. Eine großzügige Spende erhielt die Einrichtung zudem vom Verein „Beweise, dass du es kannst“, der damit den Start der Klinik unterstützte. 

Soziales Engagement schenkt Straßen­tieren in Plowdiw Hoffnung auf ein Leben

FOTO tva-foundation.org

„Ich kann ein kleines Geheimnis verraten: Wir bewerben uns derzeit bei einer deutschen Organisation, die Projekte zur Einfangung, Kastration und Rückführung von Katzen an ihre angestammten Plätze finanziert“, sagte Dr. Madlen Matejna, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Population herrenloser Tiere zu verringern. „Ich hoffe, dass wir uns ab dem kommenden Jahr mit Freiwilligen beteiligen und auf entsprechende Meldungen vor Ort reagieren können. Der gesamte Prozess wird für die Bürger kostenlos sein.“ 

Bislang vermittelt die Klinik selbst keine Tiere zur Adoption. Dennoch haben einige ihrer Patienten die Herzen von Menschen erobert, die ihnen später ein liebevolles Zuhause gegeben haben. 

Soziales Engagement schenkt Straßen­tieren in Plowdiw Hoffnung auf ein Leben

FOTO Facebook /Мадлен Матейна

„Wir hatten vier oder fünf spontane Adoptionen“, erzählte die Tierärztin. „Das passiert, wenn Menschen zu uns kommen, deren eigene Tiere ebenfalls von der Straße stammen und kastriert werden müssen. So hat unser kleines Katzenmädchen Maya ein Zuhause gefunden. Auch für die Hündin Lisa haben wir ein Zuhause gefunden. Wir haben sie nach Deutschland zu sehr guten Haltern geschickt. Das sind allerdings Ausnahmen: Jemand sieht das Tier zufällig, verliebt sich in es und beschließt, es aufzunehmen.“ 

Das medizinische Team hat bereits Dutzenden herrenlosen Tieren geholfen. Dazu gehören die kleine Bella, die mit einer Schrotkugel angeschossen aufgefunden wurde, und die blinde, aber verspielte und neugierige Katze Luna. Die wohl bewegendste Geschichte ist jedoch die von Mischo, den Dr. Madlen Matejna vor der Einschläferung bewahrte. 

Soziales Engagement schenkt Straßen­tieren in Plowdiw Hoffnung auf ein Leben

FOTO Stiftung "Pawel Andreew"

„Eigentlich dachten die Menschen, das Kätzchen sei weiblich und nannten es Mischa“, erzählte sie. „Eine Frau brachte es zu uns, hatte aber nicht die Möglichkeit, irgendeine Behandlung zu bezahlen. Ich sah, dass das Tier in einem sehr schlechten Zustand war. Aber ich kann nicht einfach so ein Leben beenden. Deshalb beschloss ich, es auf eigene Kosten behandeln zu lassen. 

In der Zwischenzeit nahm ich Kontakt zu einer Frau auf, deren Mann schwarze Katzen über alles liebt. In wenigen Tagen, sobald wir Mischos Behandlung abgeschlossen haben, werden wir ihn nach Stara Sagora schicken, wo bereits ein Zuhause auf ihn wartet. 

Damit möchte ich sagen, dass jeder eine Chance verdient. Wir dürfen nicht leichtfertig über Leben hinweggehen – ganz gleich, ob es sich um einen Hund, eine Katze oder einen Igel handelt. Ich bin sehr stolz darauf, diese Geschichte erzählen zu können.“ 

Kann die Arbeit der Klinik auch dazu beitragen, die Menschen für einen verantwortungsvolleren Umgang mit herrenlosen Tieren zu sensibilisieren und ihnen bewusst zu machen, dass sie selbst einen Teil der Verantwortung für dieses Problem tragen? 

Soziales Engagement schenkt Straßen­tieren in Plowdiw Hoffnung auf ein Leben

FOTO tva-foundation.org

„Ich hoffe sehr, dass wir mit dieser Initiative etwas bei den Menschen bewegen und weitere Projekte auf den Weg bringen können“, antwortete Dr. Madlen Matejna. „Ich würde gerne Schulen besuchen und gemeinsam mit Freiwilligen erklären, wie man mit Tieren umgehen sollte, insbesondere mit solchen, die auf der Straße leben. 

Jeder kennt den typischen Fall: Eine Mutter nimmt auf einer Welle großer Emotionen ein Tier für ihr Kind auf. Doch fünf Monate später passiert irgendetwas, und das Tier wird auf die Straße gesetzt. Ich hoffe, dass ich Kindern und Eltern ein Vorbild sein kann, damit wir zu einer verantwortungsbewussteren Gesellschaft werden.“ 

Dr. Madlen Matejna hat zunehmend größere Träume – etwa in verschiedenen Orten weitere Kliniken zu eröffnen. Ihr wohl ambitioniertester Wunsch ist eine Welt mit besseren Menschen. Damit herrenlose Tiere eines Tages auch in Bulgarien von den Straßen verschwinden können, müssen die Bulgaren ihre grundlegende Einstellung ändern, ist sie überzeugt. 

Soziales Engagement schenkt Straßen­tieren in Plowdiw Hoffnung auf ein Leben

FOTO tva-foundation.org

„Zu uns kommen auch Amerikaner, die eine völlig andere Einstellung haben“, fügte die Tierärztin hinzu. „Die Bulgaren sind jedoch sehr pessimistisch und geben nur ungern Geld aus. Wir haben die Klinik nicht eröffnet, weil es noch eine weitere Klinik gebraucht hätte, sondern weil jemand den richtigen Weg aufzeigen muss. 

Ich hoffe, dass wir mit unserem Vorhaben Erfolg haben und dazu beitragen können, die Denkweise und Weltanschauung der Menschen in Bulgarien zu verändern. Leider wird das viele Jahre dauern. Aber hoffentlich können wir wachsen und mehr Menschen für unsere Mission gewinnen.“ 

Nach Ansicht von Dr. Madlen Matejna muss die Unterstützung aus verschiedenen Richtungen kommen – von den Familien bis hin zur Politik, einschließlich Hilfe aus dem Ausland. In Plowdiw ist der erste Schritt bereits getan: ein Zeichen der Hoffnung auf ein Leben und des Vertrauens darauf, dass wir gemeinsam die Welt für alle Lebewesen zu einem besseren Ort machen können. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov