Autor
Krassimir Martinow
Artikel
Budapest im Zeichen Bulgariens und der bulgarisch-ungarischen Freundschaft
Montag 19 Oktober 2026 12:43
Montag, 19 Oktober 2026, 12:43
Das Gebäude des ungarischen Parlaments
FOTO BTA
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Der Tag der bulgarisch-ungarischen Freundschaft, das XXI. Welttreffen bulgarischer Medien und zwei Jubiläen bulgarischer Kulturorganisationen machen den Oktober zu einem Monat des Gedenkens, der Kontinuität und der geistigen Verbundenheit zwischen Bulgarien und Ungarn.
Am 19. Oktober, dem Tag, an dem die Bulgarische Orthodoxe Kirche des heiligen Iwan Rilski gedenkt, feiern Bulgarien und Ungarn den Tag der bulgarisch-ungarischen Freundschaft. Im Jahr 2026 hat dieser Feiertag eine besondere Bedeutung: Es sind zehn Jahre vergangen, seit dieses Datum zum Tag der Freundschaft zwischen den beiden Staaten erklärt wurde. Die Wahl des Datums verbindet die heutigen Beziehungen mit dem gemeinsamen historischen Erbe und dem Gedenken an den Heiligen, dessen Reliquien im 12. Jahrhundert nach Esztergom überführt wurden.
Die Verbindung zwischen dem heiligen Iwan Rilski und Ungarn ist Teil der historischen Erinnerung, auf der der Feiertag beruht. Im Jahr 1183 ließ der ungarische König Béla III. während eines Feldzugs durch bulgarisches Gebiet die Reliquien des Heiligen nach Esztergom bringen. Später wurden sie nach Bulgarien zurückgeführt, doch die Erinnerung an dieses historische Ereignis ist bis heute ein Symbol für die geistige Verbundenheit beider Völker.
Auch heute gehört Esztergom zu den Orten, an denen diese Verbindung gewürdigt wird. Traditionell wird der Tag des heiligen Iwan Rilski und der bulgarisch-ungarischen Freundschaft in der Basilika der Stadt begangen. Dort wurde am 19. Oktober 2016 eine zweisprachige Gedenktafel für den Heiligen eingeweiht.
Die Gedenktafel des Heiligen Iwan Rilski in der Basilika von Esztergom
FOTO BTA
Ebenfalls heute wird in der ungarischen Hauptstadt das XXI. Welttreffen bulgarischer Medien offiziell eröffnet. Initiator und Gastgeber ist die Bulgarische Nachrichtenagentur BTA.
Das diesjährige Forum steht unter dem Motto „Medien und Führungspersönlichkeiten“. Die Veranstaltung findet in Budapest und Esztergom statt. Es wird erwartet, dass sich Teilnehmer aus 25 Ländern, darunter Bulgarien, vor Ort und online daran beteiligen.
Der Bulgarische Nationale Rundfunk (BNR) wird durch seinen Generaldirektor Milen Mitew vertreten.
Auf dem heutigen Programm steht ein Besuch des ungarischen Parlaments mit einem Treffen mit Márton Hajdu, dem Vorsitzenden des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. Um 11.30 Uhr wird im Bürogebäude der Abgeordneten des ungarischen Parlaments „Barankovics“ eine Ausstellung zum Tag der bulgarisch-ungarischen Freundschaft eröffnet. Grußworte sprechen die bulgarische Botschafterin in Ungarn, Maria Angeliewa, sowie Simeon Warga, der Fürsprecher der bulgarischen nationalen Gemeinschaft im ungarischen Parlament, berichtet die Bulgarische Nachrichtenagentur BTA.
Um 14.00 Uhr beginnt das Welttreffen mit einer Blumenniederlegung an der Gedenktafel für den Heiligen Iwan Rilski in der Kathedrale „Mariä Himmelfahrt und Heiliger Adalbert“ sowie einem Gottesdienst, der vom West- und Mitteleuropäischen Metropoliten Antonij und dem bischöflichen Delegierten für die Basilika von Esztergom, Pater Csaba Чаба, zelebriert wird. Die offizielle Eröffnung des Welttreffens findet um 18.30 Uhr im Bulgarischen Kulturinstitut (BKI) in Budapest statt.
Das 21. Welttreffen der bulgarischen Medien
FOTO BTA
Hinter den offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der bulgarisch-ungarischen Freundschaft, den diplomatischen Treffen und den Medienforen steht jedoch eine Gemeinschaft, die seit Jahrzehnten die bulgarische Sprache, Traditionen und das kulturelle Gedächtnis in Ungarn bewahrt. Ihr kulturelles Leben entfaltet sich durch die Schule, das Theater, die Tanzensembles, die Musik und die Publikationen in bulgarischer Sprache. Diese Organisationen bestehen nicht unabhängig voneinander, sondern bilden ein eng vernetztes kulturelles Umfeld, in dem sich Generationen begegnen und Wissen, Fähigkeiten und Zugehörigkeitsgefühl weitergeben.
ie Bulgaren hier sind eine sehr eng verbundene Gemeinschaft. Wir sind nicht einfach eine Schule für sich, ein Theater für sich und ein Tanzensemble für sich“, sagte Wanja Kotorowa, Leiterin der Bulgarischen Schule und des Kindergartens in Budapest, gegenüber Radio Bulgarien.
Dies ist tatsächlich eines der charakteristischsten Merkmale des bulgarischen Kulturlebens in Ungarn. Kinder, die Bulgarisch lernen, wirken häufig auch in den Tanzensembles mit. Die Schule organisiert Workshops mit Theaterschaffenden, und die Feiertage und Konzerte werden zu gemeinsamen Veranstaltungen für die gesamte Gemeinschaft.
Wanja Kotorowa
FOTO Privatarchiv von Wanja Kotorowa
„Wir sind eine kleine Gemeinschaft, haben aber ein außerordentlich reiches Kulturleben“, fasste Wanja Kotorowa zusammen. Sie wies darauf hin, dass der Oktober für die Bulgaren in Ungarn auch wegen mehrerer bedeutender kultureller Jubiläen besonders ereignisreich ist.
Die Folklore-Tanzensembles „Jantra“ und „Rossiza“ gehören zu den Aushängeschildern des bulgarischen Kulturlebens in Budapest.
Am 23. Oktober feiert „Jantra“ sein 30-jähriges Bestehen mit der Musik- und Tanzaufführung „JANTRA 30“ auf der Bühne des Theaters „Vígszínház“. Mit dabei sind beide Ensembles, die Orchester „Prawo“ und „Slawija“ sowie weitere Künstler, die die Vielfalt der bulgarischen Volksmusik und des bulgarischen Volkstanzes präsentieren.
Auch das Theaterensemble „Malko Teatro“ blickt auf 30 Jahre kulturelle Tätigkeit zurück. Es wurde 1996 gegründet und hat sich im Laufe der Jahre als Ort der Begegnung von Theater, Musik, Bewegung und zeitgenössischen Ausdrucksformen der Bühnenkunst etabliert.
Parallel dazu präsentiert die Zeitschrift „Hemus“ weiterhin bulgarische Literatur, Kunst, Geschichte und gesellschaftliches Leben und schafft Möglichkeiten für den kulturellen Austausch zwischen bulgarischen und ungarischen Autoren und Lesern. Das 35-jährige Bestehen von „Hemus“ wird am 21. Oktober mit der Eröffnung der Ausstellung „Die Donau und ihre Brücken“ des Fotografen Péter Dukics gewürdigt.
Die Festwoche in Ungarn hat noch eine weitere wichtige Dimension. Am 23. Oktober begeht das Land den 70. Jahrestag des Beginns der Studentenproteste gegen die sowjetische Herrschaft. Am 23. Oktober 1956 begann in Budapest eine friedliche Studentendemonstration, die sich rasch zu einem Massenprotest mit mehr als 200.000 Teilnehmern entwickelte. Die Forderungen richteten sich auf den Abzug der sowjetischen Truppen, demokratische Reformen und Meinungsfreiheit.
Übersetzung: Rossiza Radulowa