Autor
Joan Kolew
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Warum ist Bulgarien ein attraktiver Investitionsstandort?
Freitag 23 Oktober 2026 15:15
Freitag, 23 Oktober 2026, 15:15
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Der Nettozufluss ausländischer Direktinvestitionen nach Bulgarien ist in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 im Jahresvergleich um 100,5 Prozent gestiegen und erreichte 3,829 Milliarden Euro. Das geht aus vorläufigen, noch zu korrigierenden Daten der Bulgarischen Nationalbank (BNB) hervor. Einen wesentlichen Beitrag zum Investitionszufluss leisteten die reinvestierten Gewinne ausländischer Unternehmen in Bulgarien. Sie beliefen sich im selben Zeitraum auf 3,095 Milliarden Euro, gegenüber 2,816 Milliarden Euro im Vorjahr.
Welche Vorteile machen Bulgarien für ausländische Investoren attraktiv?
Prof. Dr. Todor Jalamow
FOTO Sofioter Universität „Hl. Kliment Ohridski“
„Ich würde nicht sagen, dass die Eurozone ein Faktor ist, der Investoren anzieht. Sie ergänzt jedoch die anderen Faktoren sinnvoll, weil sie die Transaktionskosten und das Wechselkursrisiko senkt“, erklärte Prof. Dr. Todor Jalamow, stellvertretender Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Sofioter Universität „Hl. Kliment Ohridski“, gegenüber Radio Bulgarien. „Viel wichtiger ist das einfache Steuersystem. Um damit zurechtzukommen, braucht man keine Steuerberater, für die man gezwungen ist, viel Geld auszugeben.“
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Ein weiterer Vorteil ist laut Jalamow die niedrige Körperschaftsteuer von zehn Prozent. Viele kleine Investoren begrüßen diese Regelung. Auch große Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 750 Millionen Euro zahlen Körperschaftsteuer, allerdings in Höhe von 15 Prozent – ebenfalls ein äußerst günstiger Satz.
„Ein wichtigerer Faktor ist die Einheitssteuer, auch in Verbindung mit angemessenen Beitragsbemessungsgrenzen für die Sozialversicherung im Hinblick auf den europäischen Binnenmarkt. Das bedeutet: Bei gleichen Arbeitskosten für den Arbeitgeber in Frankreich oder Deutschland würde ein Beschäftigter in Bulgarien mehr verdienen. Das bietet die Möglichkeit, mehr Arbeitskräfte zu gewinnen, und ist für bestimmte Investorengruppen ein Vorteil. Andere Unternehmen, die ausschließlich wegen der niedrigsten Arbeitskosten gekommen sind, beginnen angesichts der steigenden Löhne das Land wieder zu verlassen.“
Als Beispiel nannte der Professor die wachsende Zahl von Restaurants in der Hauptstadt, die von Italienern gegründet wurden. Sie verdienen in Bulgarien mehr, als sie es mit einem eigenen Betrieb in Italien könnten. Die Faktoren, mit denen Bulgarien ausländische Investitionen anzieht, unterscheiden sich demnach je nach Investor:
FOTO Bulgarische Investitionsagentur
„Viele griechische Unternehmen haben ihre Produktion nach Bulgarien verlagert – nicht nur rechtlich, sondern auch physisch. Das geschah nicht wegen der niedrigeren Arbeitskosten, sondern aufgrund der finanziellen Stabilität. Bulgarien ist also ein attraktiver Standort für Investitionen.“
Ein weiteres wichtiges Thema, das bei Gesprächen über Investitionen viel zu wenig Beachtung findet, sind bulgarische Investitionen im Ausland. Auch sie sind für das Wirtschaftswachstum, die Beschäftigung und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes von Bedeutung, denn Wachstum ist ohne Investitionen in anderen Ländern kaum möglich.
FOTO forbesbulgaria.com
„Zum Glück gibt es viele bulgarische Unternehmen, die im Ausland investieren. Ein Teil der ausländischen Investitionen in unserem Land stammt ebenfalls aus Bulgarien. Wer die Datenbanken zur Unternehmenseigentümerschaft genauer untersucht, wird feststellen, dass Unternehmen, die als ausländisch gelten, in Wirklichkeit bulgarisch sind. Dazu gehören Fintech-Unternehmen, die weltweit tätig sind, ebenso wie Firmen, die mit Erdöl und Schmierstoffen handeln, sowie Pharmaunternehmen. Ein Unternehmen aus Weliko Tarnowo hat beispielsweise eine eigene Textilfabrik in Florida gegründet“, führt Prof. Jalamow aus. Er erklärt weiter: „Diese Art des Lernens durch Investitionen auf ausländischen Märkten ist für nachfolgende Unternehmen, die diesen Weg bereits eingeschlagen haben oder einschlagen wollen, äußerst wertvoll.“
Zunehmend wichtig ist auch die Gegenfrage: Was bewegt bulgarische Unternehmen dazu, im Ausland zu investieren? Einer dieser Faktoren ist der Markt, betont der Wirtschaftswissenschaftler. In den ersten Jahren nach 1990 kamen Investoren nach Bulgarien, weil es hier einen Absatzmarkt gab und sie verhindern wollten, dass Wettbewerber aus ihrer Branche Fuß fassten. Beispiele dafür finden sich in der Lebensmittelindustrie, im Sanitärbereich und bei bestimmten Dienstleistungen.
Wenn es um Investitionen geht, richtet sich die Aufmerksamkeit immer häufiger auch auf ausländische Unternehmer, die Bulgarien als Standort für die Gründung ihres Unternehmens gewählt haben.
FOTO para.expert
„Nach der klassischen Wirtschaftstheorie sind Investitionen das Wichtigste. Heutzutage scheint Unternehmertum jedoch wichtiger zu sein als Investitionen, weil es häufiger auf Innovationen beruht und auf neue Märkte abzielt. Wenn es uns gelingt, Unternehmer dafür zu gewinnen, ihre Unternehmen in Bulgarien zu gründen, könnte das nützlicher und bedeutender sein, als einen mittelgroßen Investor anzuziehen, der ein Produkt herstellt, das bislang in Italien produziert wurde“, so Jalamow.
Ein Beispiel dafür sind italienische Textil- und Nähbetriebe, die nach Bulgarien verlagert wurden. Später verschwanden einige von ihnen wieder, und ihre Beschäftigten hatten keine Möglichkeit, sich beruflich umzuorientieren.
Nicht zuletzt sind für Investoren in Bulgarien neben dem attraktiven Steuersystem auch die Qualität der Institutionen und die Funktionsweise des Staates entscheidend. Davon hängt maßgeblich ab, wie lange die Investoren im Land bleiben werden.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov