Autor
Gergana Mantschewa
Nachricht
Präsidentschaftswahlen 2026 – Stichwahl
Petja Konstantinowa aus Prag: Wer nicht wählen geht, hat jede Hoffnung verloren
„Am Ende des Tunnels gibt es immer Licht. Es liegt an uns!“
Sonntag 1 November 2026 21:35
Sonntag, 1 November 2026, 21:35
FOTO Privatarchiv
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„Das Hauptproblem der Wahlen in Bulgarien ist die allgemeine Apathie. Ich kann mir vorstellen, dass sich mehr Menschen für die Präsidentschaftskandidaten interessieren und zur Wahl gehen würden, wenn ihnen das Wahlrecht verboten würde“, schrieb unsere Landsfrau Petja Konstantinowa aus Prag an die Redaktion von Radio Bulgarien. Sie hat heute früh gemeinsam mit ihrer ganzen Familie ihre Stimme abgegeben.
Sie weist darauf hin, dass viele Bulgaren eigens am Sonntag in die tschechische Hauptstadt gekommen sind, um wählen zu können. Denn auch diesmal wurden in Tschechien Wahllokale ausschließlich in Prag und nicht in anderen Landesteilen eingerichtet.
„Die politische ‚Elite‘ in Bulgarien ist jedoch zufrieden mit dieser Situation und hat die weit verbreitete Apathie in den vergangenen 20 Jahren sogar gezielt gefördert. Die Zahl der engagierten Menschen reicht nicht aus, um diesen Status quo zu verändern“, setzt die junge Bulgarin ihre Überlegungen fort.
„Wir Bulgaren in Tschechien blicken zwar hoffnungsvoll auf die Entwicklung und gehen wählen, aber ich wage nicht zu behaupten, dass ich in meinem Umfeld großen Optimismus wahrnehme. Ich habe eher das Gefühl, dass die Menschen den Glauben daran verloren haben, dass sich etwas ändern könnte. Die Bulgaren hier sind vor allem am Nachmittag aktiver, deshalb werden wir sehen, wie sich der Wahltag entwickelt. Nach meiner persönlichen Beobachtung sind an diesem Sonntag jedoch mehr Menschen unterwegs als beim ersten Wahlgang.“
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„Wir Bulgaren in Tschechien blicken zwar hoffnungsvoll auf die Entwicklung und gehen wählen, aber ich wage nicht zu behaupten, dass ich in meinem Umfeld großen Optimismus wahrnehme. Ich habe eher das Gefühl, dass die Menschen den Glauben daran verloren haben, dass sich etwas ändern könnte. Die Bulgaren hier sind vor allem am Nachmittag aktiver, deshalb werden wir sehen, wie sich der Wahltag entwickelt. Nach meiner persönlichen Beobachtung sind an diesem Sonntag jedoch mehr Menschen unterwegs als beim ersten Wahlgang.“
In Tschechien haben die Schüler derzeit Herbstferien. Deshalb ist auch die Familie von Petja aus Kroatien zurückgereist, um in Prag wählen zu können. „Ich merke, dass ich von der Reise erschöpft bin, aber es ist wichtig, wählen zu gehen“, sagte sie.
„Denn mit der Stimmabgabe bezieht man Stellung. Letztlich hängt alles von unserer Entscheidung ab. Wenn wir unser Wahlrecht nicht wahrnehmen, überlassen wir die Dinge anderen. Jeder hat eine Stimme und sollte sie frei ausüben können. Das ist eine Bürgerpflicht. Indem man eine Position bezieht, hat man auch das Recht, die Gewählten für das Vertrauen zur Verantwortung zu ziehen, das man ihnen entgegengebracht hat.
Mir fällt die sehr ausgeprägte Spaltung zwischen den Menschen auf – und das überrascht mich nicht. Ich habe das Gefühl, dass sie in Bulgarien immer deutlicher wird. In den sozialen Netzwerken und bei unseren Auseinandersetzungen findet beinahe ein aggressiver Kampf zwischen zwei Lagern statt. Aber wir sind doch alle ein Bulgarien, das uns allen gehört. Wir alle wünschen uns eine bessere Zukunft für unser Land. Ich denke, die Dinge sollten nicht derart eskalieren. Das kann ich nicht verstehen. Dialog ist etwas Konstruktives. Alles andere ist eher unproduktiv.
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Ich wünsche mir sehr, dass die Menschen zur Ruhe kommen. Denn ihre Reaktionen sind die Reaktionen verunsicherter und verängstigter Menschen. Die Politik spielt sehr oft mit den Ängsten der Menschen, und das war im jetzigen Wahlkampf besonders deutlich zu sehen.
Wer nicht wählen geht, hat keine Hoffnung mehr, keinen Glauben und sieht keine Möglichkeit, dass sich etwas ändern könnte. Dabei gibt es am Ende des Tunnels immer Licht. Es liegt an uns!“
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov