Autor
Weneta Nikolowa
Artikel
Donnerstag 1 Januar 2026 11:09
Donnerstag, 1 Januar 2026, 11:09
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Am 1. Januar 2026 erwachte Bulgarien mit einer neuen Währung, jedoch mit der bekannten politischen Instabilität. Nach jahrelanger Vorbereitung ist unser Land nun Teil der Eurozone, der bulgarische Lew weicht dem Euro – das am meisten diskutierte und umstrittene Thema während des gesamten Jahres 2025. Das historische Finanzereignis erfolgt jedoch ohne einen verabschiedeten regulären Staatshaushalt. Grund dafür ist der Rücktritt der Regierung, ausgelöst durch eine der größten Protestwellen seit der Wende. Vom Haushalt hängen Einkommen, Steuern, Sozialzahlungen und insgesamt das Gefühl von Planbarkeit ab.
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Für die Bulgaren bedeutet der Euro neue Banknoten und Münzen, aber auch neue Sorgen – dass die Preise weiter steigen, dass sie zu Ungunsten der Verbraucher abgerundet werden und die Menschen an Kaufkraft verlieren.
Ökonomen
betonen, dass die Inflation nicht allein durch die Einführung der
neuen Währung erklärt werden kann, doch das vorherrschende Gefühl
in der Bevölkerung wird dieses sein – insbesondere in den ersten
Monaten des Jahres.
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Ab
Beginn des Jahres 2026 werden alle Einkommen – Gehälter, Renten
und Sozialleistungen - in Euro ausgezahlt und automatisch zum
festgelegten Wechselkurs umgerechnet. Die Bankkonten wurden ohne
zusätzliche Gebühren in Euro umgerechnet. Und nein: Der Lew
verschwindet nicht über Nacht. In den ersten Monaten werden Preise
in Geschäften und Dienstleistungen doppelt ausgewiesen – in Lewa
und Euro. Bis Ende Januar kann parallel mit beiden Währungen bezahlt
werden. Der Umtausch von Lewa bei der Bulgarischen Nationalbank BNB
bleibt kostenlos und ohne Frist.
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Vor diesem Hintergrund gibt es keine guten Nachrichten für die Einkommen – zumindest zu Beginn des Jahres 2026. Es gibt keine Erhöhung der Renten – diese erfolgt gesetzlich erst Mitte des Jahres. Gleiches gilt für die meisten Sozialzahlungen. Eine Ausnahme bildet der Mindestlohn: Ab dem 1. Januar steigt er per Kabinettsbeschluss um 12,63 Prozent auf 1.213 Lewa oder rund 620 Euro. Für Beschäftigte im öffentlichen Dienst wird eine einmalige Indexierung der Gehälter vorgenommen, die auf Grundlage der kumulierten jährlichen Inflation bis zum 31. Dezember 2025 berechnet wird.
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Der Grund für die aktuelle Lage ist klar: Bulgarien ist ohne neuen Staatshaushalt ins Jahr 2026 gestartet. Der sogenannte „verlängernde“ Staatshaushalt bleibt vorläufig in Kraft, dessen Mittel monatlich verteilt werden – der Staat funktioniert weiter, jedoch ohne neue politische Maßnahmen, ohne zusätzliche Ausgaben und ohne Einkommenssteigerungen. Daher bleiben viele der diskutierten Änderungen, wie beispielsweise eine dauerhafte Erhöhung der Gehälter im öffentlichen Dienst oder großzügigere Kinder- und Elternleistungen, bleiben vorerst auf dem Papier.
Diese finanzielle Pause fällt mit erwarteten politischen Turbulenzen zusammen. Bulgarien steuert erneut auf vorgezogene Parlamentswahlen zu – höchstwahrscheinlich im März. In der Zwischenzeit wird die Regierung von einer Übergangsregierung geführt. Das Parlament wird nur eine begrenzte Rolle spielen oder sich eher in einer Warteposition befinden. Das bedeutet Aufschub von Entscheidungen, eingefrorene Einkommen, soziale Spannungen, mangelnde Vorhersehbarkeit und Vertrauensverlust.
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Während der Staat auf der Stelle tritt, zeichnet sich auf internationaler Ebene ein wichtiger Schritt nach der Eurozone ab. Ohne großes Aufsehen verhandelt Bulgarien aktiv über eine Vollmitgliedschaft in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), bekannt als „Club der reichen Länder“. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir bereits in den ersten Monaten des Jahres 2026 aufgenommen werden. Und das ist nicht nur eine prestigeträchtige Präsenz, sondern eine ernsthafte Verpflichtung zu höheren Standards in den Bereichen Verwaltung, Bildung, Steuerpolitik und Investitionsumfeld. Das wird sich zwar nicht sofort in unseren Geldbörsen bemerkbar machen, aber es ist ein kleines Licht am Ende des Tunnels, ein Signal für eine langfristige Ausrichtung der bulgarischen Politik – etwas, das selten vorkommt und das den meisten Menschen in unserem Land derzeit nicht bewusst ist.
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So beginnen wir das Jahr 2026 mit einer neuen Währung, mit politischen und gesellschaftlichen Spannungen, aber auch mit Hoffnung. Für uns Bulgaren wird es ein Jahr der Anpassung sein – nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in psychologischer Hinsicht. Wir müssen uns an neue Zahlen, neue Preise und den nächsten erbitterten Wahlkampf gewöhnen, während das Land auf der Suche nach Lösungen und seinem Platz in einer Welt ist, die von Konflikten, Unvorhersehbarkeit und globalen Krisen geprägt ist.
Übersetzung: Rossiza Radulowa
Gestaltet von Rossiza Radulowa