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„Surwa“ beginnt – 60 Jahre: Pernik ist im Januar Bulgariens Festivalhauptstadt

Die Surwakar-Feuer lodern wieder und die Glocken der Kukeri erklingen

Freitag, 16 Januar 2026, 10:15

„Surwa“ beginnt – 60 Jahre: Pernik ist im Januar Bulgariens Festivalhauptstadt

FOTO Facebook /Surva

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Etwas Echtes, Authentisches, das uns aus längst vergangenen Zeiten überliefert wurde – das ist der Reiz der Maskenspiele, die in unseren Landen mitten im Winter aufgeführt werden. Die Hauptakteure nennen wir meist Kukeri, doch sie sind auch Surwakari, Babugeri, Dschamali und allerlei andere skurrile Wesen, geboren aus den Tiefen unseres Volksfolklore. Der Fantasie, die in den Maskenkostümen steckt – aus Tierhaut, Fell, Hörnern, Schädeln und allen möglichen natürlichen Materialien gefertigt – könnten selbst die Schöpfer von Monstern in der Spiele- und Filmindustrie beneiden. 

Doch die Kukeri sind unsere, typisch bulgarisch – daran erinnert die große Euphorie, die ausbricht, wenn das Festival „Surwa“ in der Bergarbeiterstadt Pernik nahe Sofia bevorsteht. Jedes Jahr im Januar findet hier Bulgariens größtes und spektakulärstes Maskenfestival statt. Tausende Träger der bulgarischen Maskentradition aus allen ethnographischen Regionen des Landes nehmen am Festivalprogramm teil. Sie sagen, dass sie nach Pernik kommen wegen der Emotionen, wegen des Feierns und nicht zuletzt, um ihre authentischen Kostüme zu zeigen, die sie selbst aus Materialien gefertigt haben, die sie das ganze Jahr über gesammelt haben. 

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In diesem Jahr wird das Läuten der Kukeri-Glocken länger durch Pernik hallen als üblich, denn „Surwa“ feiert sein 60-jähriges Jubiläum. Das Festival entstand 1966, um die Maskentraditionen der Region Pernik an einem Ort zu versammeln und Aufmerksamkeit auf sie zu lenken – damals jedoch auf einer Bühne in städtischem Umfeld. 

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Über all die Jahrzehnte hat das Festival einen langen Weg zurückgelegt, bis es sich als eines der populärsten und attraktivsten Ereignisse Bulgariens etabliert hat. Veranstalter ist die Stadt Pernik, und seit 1985 hat das Festival den Status eines internationalen Festivals. 1995 wurde Pernik Mitglied der Föderation der europäischen Karnevalsstädte. Eine weitere wichtige Anerkennung erfolgte am 26. Juni 2009, als während einer festlichen Sitzung des Stadtrates der Präsident der FECC, Henry van der Kroon, Pernik zur europäischen Hauptstadt der Surwakar- und Kukeri-Traditionen erklärte. 2014 wurden Pernik und das Festival „Surwa“ in der Rangliste des Magazins National Geographic als Top-Winterziel der Welt aufgeführt. 

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Ursprünglich als Biennale konzipiert, wurde das Internationale Maskenspiel-Festival später zu einer jährlichen Veranstaltung. Alle wissen, dass Pernik in den letzten Januarwochenenden Gäste aus dem In- und Ausland empfängt. 

In diesem Jahr jedoch wird die Tradition gebrochen. „Aufgrund des beispiellosen Interesses ist das Festival gewachsen, und es wurde unmöglich, alle Gäste in nur zwei oder drei Festivaltagen unterzubringen. Deshalb wird das Festival verlängert und dauert nun fast zehn Tage – vom 16. bis 25. Januar“, erklärt Stefan Krastew, stellvertretender Bürgermeister von Pernik, im Interview für Radio Bulgarien. 

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Die offizielle Eröffnung findet am 16. Januar statt, die ersten drei Tage werden mit bunten, lauten, authentischen Umzügen gefüllt sein. Die folgenden fünf Werktage sind einer umfangreichen Begleitprogramm gewidmet: Aufführungen, Konzerte, Ausstellungen, Konferenzen, Buchvorstellungen u. v. m. Der Höhepunkt bleibt jedoch das letzte Januarwochenende – am 24. und 25., wenn die lautesten, farbenprächtigsten und festivalbegeisterten Gruppen aus ganz Bulgarien zusammenkommen. Auch internationale Gäste fehlen nicht; in diesem Jahr kommen Gruppen nicht nur aus Europa, sondern auch aus Asien, Amerika und sogar Afrika. Die Umzüge ziehen wie immer durch das Stadtzentrum, und jeder kann die maskierten Figuren hautnah erleben, mit ihnen spielen oder Fotos machen. 

FOTO BGNES

„Tatsächlich beginnen die Surwakar-Spiele in Pernik schon ab dem 13. Januar – der Brauch Surwa ist in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Die Menschen, die in Westbulgarien Maskenrituale aufführen, nennt man Surwakari“, erklärt Stefan Krastew. „Beim Internationalen Maskenspiel-Festival ‚Surwa‘ 2026 werden viele Länder vertreten sein. Besonders bemerkenswert wird auch die Eröffnung am 16. Januar. Das Festival ist wirklich das prestigeträchtigste und größte Winter-Maskenereignis in ganz Europa und findet nicht zufällig in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft der UNESCO statt. 

FOTO Facebook /Surva

Jedes Jahr verbessert das Festival seinen eigenen Teilnehmerrekord – dieses Jahr nehmen 13.000 Gäste an den Umzügen teil“, so Stefan Krastew weiter:

„Sie stammen aus allen ethnographischen Regionen des Landes, und gleichzeitig haben wir 34 Gruppen aus dem Ausland. Die westlichsten Teilnehmer kommen aus den USA und Aruba, es gibt Gruppen aus vielen Ländern Westeuropas, Mittel- und Osteuropas, und bis nach Osten reisen Gruppen aus fernen Ländern – Indonesien und China. Das Spektakel wird unglaublich! Wir werden sie mit perfekter Festivalorganisation empfangen, begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm. Aber man sollte wissen: 

Neben ‚Surwa‘ hat die Stadt Pernik viel zu bieten – vom Untergrundmuseum des Bergbaus, einzigartig auf der Balkanhalbinsel, über die Bergbauverwaltung bis zur mittelalterlichen Festung Krakra. Auch der Kulturpalast im Stadtzentrum ist eine Sehenswürdigkeit, ebenso das Bergarbeitermemorial. Dieses Jahr wird der zentrale Platz während des Festivals zudem überdacht und beheizt, da Temperaturen unter Null erwartet werden und viele Kinderprogramme und Konzerte sonst beeinträchtigt würden. So wird vom 16. bis 25. Januar nicht nur Pernik, sondern ganz Bulgarien im Rhythmus von ‚Surwa‘ pulsieren.“ 

FOTO surva.org

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov 

Gestaltet von Lyubomir Kolarov