Autor
Wessela Krastewa
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Sonntag 15 Februar 2026 15:45
Sonntag, 15 Februar 2026, 15:45
FOTO Bulgarische Schule „Christo Botew“ in Bratislava
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Es ist weithin bekannt, dass der Aufklärer und Mäzen Wassil Aprilow 1835 in Gabrowo die erste moderne weltliche bulgarische Schule gründete und Neofit Rilski zu ihrem Lehrer berief. Doch wie viele wissen, dass 1948 – fast 1.000 km von Bulgarien entfernt – patriotisch gesinnte Landsleute zwei staatliche bulgarische Bildungseinrichtungen ins Leben riefen, damit ihre Kinder Sprache, Kultur und Traditionen bewahren?
Es handelt sich um das Bulgarische Gymnasium „Dr. Petar Beron“ in Prag, Tschechien, und die Bulgarische Schule „Christo Botew“ in Bratislava, Slowakei. Heute sind dies die einzigen staatlichen bulgarischen Gymnasien im Ausland.
Die Schule „Christo Botew“ ist zudem die einzige bulgarische Lehranstalt in der Slowakei, wo rund 1.400 Bulgaren leben. Bis 1995 deckte sie lediglich die Grundstufe (bis zur 7. Klasse) ab, danach wurde sie zu einem Gymnasium umgewandelt und integrierte auch slowakische Lehrpläne. So erwerben die Absolventen heute sogenannte Doppeldiplome.
Bulgarische Schule „Christo Botew“ in Bratislava
FOTO Bulgarische Schule „Christo Botew“ in Bratislava
Im laufenden Schuljahr besuchen rund 90 Schülerinnen und Schüler die Schule, erklärte Direktor Nikolaj Jordanow gegenüber dem Bulgarischen Nationalen Rundfunk. Viele von ihnen seien „reine“ Slowaken. „Wir haben Kinder ukrainischer und russischer Herkunft, Kinder mit bulgarischen Großeltern. Eine Schülerin ist die Tochter einer Frau, die ich vor 13 Jahren unterrichtet habe, als ich hierherkam“, so der Direktor. Das Interesse an Bulgarien in der Region sei spürbar.
FOTO Bulgarische Schule „Christo Botew“ in Bratislava
„Für mich war es eine echte Freude, Bulgarien zu besuchen“, erzählt der Schüler Kristian Šinsky, der im vergangenen Jahr im Rahmen des Nationalprogramms „Bulgarien – Bildungsrouten“ des Bildungsministeriums in unser Land reiste. „Einer der Orte, der mich am meisten beeindruckte, war der Botanische Garten in Baltschik. Schon beim Betreten spürt man eine besondere Atmosphäre – Meeresduft, frische Luft und eine unglaubliche Vielfalt an Pflanzen. Jede Allee führt zu neuen Entdeckungen – Kakteen, seltene Blumen, Terrassen, Wasserfälle und Bäume aus verschiedenen Kontinenten. Besonders beeindruckte mich, dass der Garten mit der Geschichte verbunden ist – mit dem Palast der rumänischen Königin Maria, der sich dort befindet. Alles ist auf wunderbare Weise miteinander verbunden – Architektur, Natur und Meer. Dieser Spaziergang zeigte mir, wie schön und reich Bulgarien ist.“
Die Schülerinnen und Schüler aus Bratislava beteiligten sich an der Initiative des Bulgarischen Nationalen Rundfunks „Unterricht über Bulgarien“ und berichteten von ihren Erlebnissen an der nördlichen Schwarzmeerküste im Sommer 2025:
„In der Geschichte der Slowakei ist Bulgarien eng verflochten – denken wir nur an die Mission von Kyrill und Method“, sagt Direktor Jordanow. Nach dem Ersten Weltkrieg seien viele Bulgaren in die Slowakei gekommen und als erste bulgarische Gärtner bekannt geworden. Die Slowaken hegten warme Gefühle gegenüber den Bulgaren und Bulgarien.
Dabei geht es nicht nur um die Sommer am Schwarzen Meer in der jüngeren Vergangenheit, sondern generell um die Bulgaren. Man betrachtet uns als gute Nachbarn, als sehr gute Menschen, und die Beziehungen zwischen Bulgaren und Slowaken sind wirklich wohlwollend. Die meisten Slowaken, die ihr Kind an unserer Schule anmelden, interessieren sich auch für unsere Traditionen, denn die Schule ist hier ein Tempel aller bulgarischen Traditionen und Bräuche. Und da wir uns auf slowakischem Gebiet befinden, ziehen wir natürlich auch Vergleiche zwischen bulgarischen und slowakischen traditionellen Feiertagen und Bräuchen.“
FOTO Botschaft der Republik Bulgarien in Bratislava, Slowakei
Nikolaj Jordanow
FOTO Botschaft der Republik Bulgarien in Bratislava, Slowakei
Jordanow erinnert auch daran, dass dieselben Architekten sowohl das Nationaltheater „Iwan Wasow“ in Sofia als auch das Slowakische Nationaltheater in Bratislava entwarfen.
Im vergangenen Jahr reisten erstmals Schülerinnen und Schüler der bulgarischen Schule mit finanzieller Unterstützung des Nationalprogramms „Bildungsrouten“ nach Bulgarien. Initiiert wurde dies von den Lehrerinnen Petja Michailowa Gotschewa und Sneschana Kostowa. Gotschewa, seit drei Jahren vom Bildungsministerium nach Bratislava entsandt, gibt zu, anfangs gezögert zu haben, bulgarische Geschichte an Kinder ohne familiäre Bindung zu Bulgarien zu unterrichten. Heute sagt sie überzeugt:„Auch sie lassen sich begeistern. Wir sind Einheit in der Vielfalt.“ Den Entschluss, im Ausland zu unterrichten, fasste sie nach einer Begegnung mit bessarabischen bulgarischen Kindern.
FOTO Botschaft der Republik Bulgarien in Bratislava, Slowakei
„In dem Moment, als ich zu sprechen begann, fingen diese Kinder an zu weinen. Danach kamen sie, berührten meine Hände, sahen mir in die Augen und wollten immer mehr hören – da wusste ich, dass ich in einer bulgarischen Gemeinschaft im Ausland arbeiten möchte.“
Bratislava sei ihr Ort geworden, ihre Mission bestehe darin, Bulgarien für die Kinder näher, vertrauter und liebenswerter zu machen. Im Juni reiste eine Gruppe von 20 Schülerinnen und Schülern der Klassen II bis XI an die nördliche Schwarzmeerküste. Viele von ihnen sind keine Bulgaren. Sie besuchten den Palast und den Botanischen Garten in Baltschik, Durankulak und den Durankulak-See sowie die Festung „Owetsch“ im Gebiet Prowadija. Untergebracht waren sie im Ferienort Albena.
FOTO Bulgarische Schule „Christo Botew“ in Bratislava
„Alles sah aus wie gemalt. Die Sonne schien, das Meer glänzte wie ein Spiegel“, erzählt Viktória Hrušková. Für sie sei die Reise ein unvergessliches Erlebnis gewesen.
FOTO Bulgarische Schule „Christo Botew“ in Bratislava
„Hallo, ich heiße Dávid Pavlík. Als ich Durankulak besuchte, beeindruckte mich besonders die Hamangia-Kultur. Stellen Sie sich Menschen vor, die dort vor mehr als 6.000 Jahren lebten. Neben der alten Geschichte ist der Ort unglaublich schön. In der Nähe der Siedlung gibt es einen großen See mit vielen seltenen Vogelarten. Ich sah Reiher, Kormorane und sogar Pelikane. Alles ist sehr ruhig, als hätten sich Natur und Geschichte an einem Ort vereint. Für mich als Slowaken war es ein unvergessliches Erlebnis zu sehen, wie reich die bulgarische Kultur seit der Antike ist.“
„Ich werde nicht verbergen, dass das Meer für Slowaken ein Traum ist, da sie keines haben. Ich wusste, dass diese Reise für sie auch ein Vergnügen war. Es waren attraktive Orte für die Kinder“, sagt Petja Gotschewa.
Mit Bewegung schildert sie den Beginn der Bildungsreise:
FOTO Bulgarische Schule „Christo Botew“ in Bratislava
„An der Donaubrücke bei Russe warteten wir etwa eine Stunde. Als wir die Grenze überquerten und sie das Schild ‚Bulgarien‘ sahen, begannen sie ‚Eine bulgarische Rose‘ zu singen. Eine solche Freude und Begeisterung überkam sie – sie überschritten die Grenze zu dem Staat, über den sie ständig lesen, schreiben, lernen und dessen Sprache und Kultur sie leben. Es gab nichts, was sie nicht beeindruckte – vom Sand und den Sandfiguren-Wettbewerben am Strand bis zu den weit geöffneten Augen, wenn sie von sechs Jahrtausenden Kultur hörten, angesichts der Schönheit des Palastes in Baltschik, den sie sich ganz anders vorgestellt hatten, und des steinernen Gebäudes, von dem sie sagten, es scheine zu singen …“
„Als ich die Festung ‚Owetsch‘ zum ersten Mal sah, erschien sie mir wie ein Märchenschloss. Der Weg nach oben war steil, und jeder Schritt brachte mich der Vergangenheit näher“, erzählt Emma Dobiašová. „Vom Gipfel aus war die Aussicht unglaublich – die Stadt wirkte klein, der Himmel riesig. Ich fühlte mich frei und inspiriert, als wäre die Zeit für einen Moment stehen geblieben und ich Teil der Geschichte. Diese Reise ließ mich Bulgarien und seiner inspirierenden Kultur näher fühlen. Das gemeinsame Erleben mit Freunden wird Teil unserer Erinnerungen bleiben.“
FOTO Bulgarische Schule „Christo Botew“ in Bratislava
„Lernen durch Erleben – genau das erreicht man mit diesen ‚Bildungsrouten‘“, sagte Petja Gotschewa
„Als wir in Bulgarien waren, beeindruckte mich am meisten das Haus von Königin Maria in Baltschik. Das Haus war nicht groß oder übermäßig luxuriös, sondern eher ruhig und authentisch. Es war, als würde alles im Inneren Erinnerungen bewahren“, erklärte Marta Pokorná abschließend.
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Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov