Autor
Lyubomir Kolarov
Nachricht
Montag 16 Februar 2026 10:15
Montag, 16 Februar 2026, 10:15
Krassimir Martinow
FOTO Privatarchiv
Schriftgröße
Am 16. Februar 2026 begeht Radio Bulgarien sein 90-jähriges Bestehen – neun Jahrzehnte, in denen das Medium das Fenster Bulgariens zur Welt war. Von den ersten Kurzwellen-Ausstrahlungen bis zu den heutigen digitalen Plattformen blieb Radio Bulgarien eine beständige Verbindung zu den Bulgaren im Ausland und zu all jenen, die verlässliche Informationen über unser Land suchen. Die Inhalte sind auf Bulgarisch und in weiteren zehn Sprachen zugänglich – Englisch, Russisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Türkisch, Serbisch, Griechisch, Albanisch und Rumänisch. Aus Anlass des Jubiläums sprachen wir mit dem Chefredakteur von Radio Bulgarien, Krassimir Martinow, über seinen beruflichen Werdegang, die historische Mission des Mediums und seine Zukunft.
Der Weg von Krassimir Martinow bei Radio Bulgarien begann 1998. Als Student der bulgarischen Philologie arbeitete er zunächst als freier Mitarbeiter in der Redaktion. Anfangs befasste er sich mit Jugendthemen, wurde jedoch schon zu Beginn des neuen Jahrtausends nach einem Auswahlverfahren fest angestellter Journalist und übernahm eines der verantwortungsvollsten Ressorts – Innen- und Außenpolitik.
„Damals war Bulgarien noch kein Mitglied der NATO, die Verhandlungen über den Beitritt zur Europäischen Union hatten gerade erst begonnen, die Konflikte im ehemaligen Jugoslawien dauerten an, der Prozess gegen die bulgarischen Krankenschwestern und den palästinensischen Arzt in Libyen lief, und 2003 kam der Krieg im Irak hinzu… All diese Themen gehörten zu meinem Blickfeld als junger Journalist“, berichtete Martinow.
Diese Zeit sei für ihn eine echte Schule des Journalismus gewesen – eine Phase hoher professioneller Anforderungen, schneller Reaktionen und großer Verantwortung gegenüber dem Publikum im Ausland. Eine wichtige Rolle für seine Entwicklung spielten auch die Redakteure und Direktoren, mit denen er zusammenarbeitete und die bleibenden Spuren in der Geschichte von Radio Bulgarien hinterlassen haben.
FOTO Privatarchiv
Zu den bedeutenden Projekten seiner Laufbahn zählt Martinow zudem seine Tätigkeit im Regionalprogramm Radio Sofia, wo seine Arbeit eine starke soziale Dimension annahm und nicht selten zu realen Veränderungen im städtischen Umfeld und im Leben der Menschen führte.
Heute existiert Radio Bulgarien in einem völlig anderen Umfeld. Die Welt ist digital, Informationen verbreiten sich in Sekundenschnelle, und das Publikum hat neue Gewohnheiten und Erwartungen. Der Übergang zu neuen Formaten sei keine Frage der Wahl, sondern der Notwendigkeit, betont der Chefredakteur.
FOTO Pexels, BNR
„Wir haben keine Wahl – wir müssen den digitalen Formaten folgen. Sie erreichen in sehr kurzer Zeit sehr viele Menschen, ermöglichen es, Inhalte immer wieder anzuhören und zu analysieren, und die Rückmeldung des Publikums erfolgt wesentlich schneller“, so Martinow.
Radio Bulgarien bei den Bulgaren in Albanien
FOTO Krassimir Martinow
Trotz aller Veränderungen bleiben die zentralen Zielgruppen von Radio Bulgarien dieselben. An erster Stelle stehen die Bulgaren weltweit – sowohl die historischen Gemeinschaften als auch die neuen Auswanderungswellen. Einen wesentlichen Teil des Publikums bilden außerdem ausländische Bürger, die sich über Bulgarien in ihrer jeweiligen Sprache informieren – über die zehn fremdsprachigen Redaktionen des Mediums. Dazu gehören auch bulgarische Staatsbürger mit türkischer Muttersprache, für die täglich ein Hörfunkprogramm vorbereitet wird.
Krassimir Martinow und die albanische Schriftstellerin, Dolmetscherin und Publizistin Milena Selimi
FOTO Privatarchiv
Der Aufbau und die Pflege von Beziehungen zu den Bulgaren im Ausland gründen auf langjährigem Vertrauen und Partnerschaften – mit Schulen, Kulturzentren, Kirchengemeinden und Institutionen. Radio Bulgarien etabliert sich zunehmend als Medienpartner internationaler Foren und Initiativen.
„Trotz begrenzter Haushaltsmittel gelingt es uns, flexibel zu bleiben und unsere Landsleute weltweit zu unterstützen, indem wir Brücken bauen – untereinander und zwischen ihnen und Bulgarien“, unterstrich Martinow.
Die Geschichte von Radio Bulgarien ist reich an eindrucksvollen Beispielen seines Einflusses – von Funkamateuren in Indien, die unser Land über die englische Redaktion kennenlernten, bis hin zu weltweit bekannten Persönlichkeiten wie Theodor Uschew und Dschoko Rossitsch, deren Werdegang eng mit dem Medium verbunden ist.
Neunzig Jahre nach seinem ersten Signal in die Welt erfüllt Radio Bulgarien weiterhin seine Mission: unser Land ehrlich, professionell und in verständlicher Sprache zu präsentieren. Wie Krassimir Martinow resümiert, ist es die Geschichte Bulgariens – erzählt über ihre Grenzen hinaus von Generationen von Journalisten, die an die Kraft des Wortes und an das Vertrauen glauben.
Lesen Sie auch:
Übersetzung: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov