Autor
Joan Kolew
Nachricht
Evakuierung der Bulgaren aus dem Nahen Osten soll bald erfolgen
Montag 2 März 2026 16:06
Montag, 2 März 2026, 16:06
Teheran, 28. Februar 2026
FOTO EPA/BGNES
Schriftgröße
Ein Wochenende, das die Zukunft Irans verändert – so lässt sich am knappsten zusammenfassen, was sich wenige Stunden nach Beginn der gemeinsamen Operation Israels und der USA ereignete. Die von beiden Seiten als „Brüllender Löwe“ und „Epischer Zorn“ bezeichnete Aktion begann am Samstag um 8.15 Uhr. Ziel sei es, die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm für Israel und die Welt zu beseitigen sowie die Iraner zu ermutigen, die erwartete Freiheit zu erreichen und selbst die Macht im Land zu übernehmen.
Den bisherigen Angaben zufolge seien mehrere der ranghöchsten Vertreter des Landes getötet worden. Dazu zählten der oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei, der frühere Präsident Mahmud Ahmadinedschad, Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh sowie der Chef der Revolutionsgarden, Mohammad Pakpour.
Tel Aviv nach einem Luftangriff durch Iran, 28. Februar 2026
FOTO EPA/BGNES
Unterdessen griff Iran sowohl Militärstützpunkte der USA und Israels als auch zivile Objekte in mehreren Nachbarstaaten an, darunter Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, Jordanien, Kuwait, Bahrain und Katar.
„Der in der Region ausgebrochene Krieg hat dort mehr als 11.400 Bulgaren überrascht. Vorrangige Aufgabe des Außenministeriums ist es, eine sichere Möglichkeit für ihre Evakuierung zu gewährleisten“, sagte Außenministerin Nadeschda Nejnski in der Sendung „120 Minuten“ des Fernsehsenders bTV.
Nadeschda Nejnski
FOTO mfa.bg
Man sei vollständig bereit, sobald sich ein mögliches Zeitfenster öffne, Flugzeuge zu entsenden und schrittweise mit der Ausreise derjenigen zu beginnen, die die Region verlassen wollten. Wann sich ein solches Zeitfenster öffne, wage derzeit niemand vorherzusagen. Den Betroffenen werde geraten, sich an geschützten Orten aufzuhalten und auf die notwendigen Anweisungen des Staates zu warten. Die Konsulate, Botschaften und zentralen Dienststellen arbeiteten rund um die Uhr. Ihre Stellvertreter würden regelmäßig Pressekonferenzen geben, um die Menschen in der Region darüber zu informieren, welche Schritte unternommen würden, wo sie warten und an wen sie sich wenden könnten.
Tankerflugzeuge der US-Luftwaffe am Flughafen „Wassil Lewski“ in Sofia
FOTO BTA
Nach ihren Worten würden die auf dem Flughafen Sofia stationierten US-Flugzeuge bis Ende Mai im Land bleiben. Sie hätten bislang nicht an Kampfhandlungen teilgenommen und sollten auch nicht für andere als die in einer Note der US-Botschaft in Sofia festgelegten Zwecke – nämlich Ausbildungsaktivitäten – eingesetzt werden.
Rund um die Uhr erreichbar seien die Telefonnummern des Lagezentrums des Außenministeriums: +359 2 948 24 04, +359 2 971 38 56 und +359 893 339 616.
Jordan Boschilow
FOTO BGNES
„Bulgarien ist kein Teil und wird kein Teil des Konflikts zwischen den USA, Israel und Iran sein. In diesem Zusammenhang wurde nichts von uns verlangt“, erklärte der stellvertretende Verteidigungsminister Jordan Boschilow.
Die Angriffe auf die iranische Hauptstadt seien kein Zufall, zeigte sich Wessela Rajtschinowa überzeugt – eine Bulgarin, die seit Ende der 1990er-Jahre in Israel lebt.
Wessela Rajtschinowa
FOTO BNR
Rajtschinowa sehe darin eine Fortsetzung der Proteste des iranischen Volkes gegen das Regime im vergangenen Jahr. Damals habe es zahlreiche Appelle an die USA und Präsident Donald Trump gegeben, früher einzugreifen. Einer der Gründe für die Verzögerung sei vermutlich gewesen, dass er eine friedliche Lösung bevorzuge und eine Einigung durch Verhandlungen anstrebe. Dabei sei Iran die zentrale Bedingung gestellt worden, keine ballistischen Raketen und keine Atomwaffen zu produzieren – eine entsprechende Zusage habe es jedoch nicht gegeben.
Analysten bezeichneten die Lage nicht nur als komplex, sondern vor allem als äußerst heikel, mit der Gefahr einer Ausweitung des Krieges über den Nahen Osten hinaus. Eine Prognose über den weiteren Verlauf des Konflikts gebe es bislang nicht.
Zerstörtes Gebäude in Tel Aviv nach einem iranischen Raketenangriff
FOTO EPA/BGNES
Rajtschinowa erklärte weiter, es gebe keine genauen Angaben über die Zahl der Bulgaren, die sich derzeit in Israel aufhielten. Über die Website des Außenministeriums habe sie jedoch Anton Andonow, Vize-Rektor der Akademie für Musik-, Tanz- und Bildende Kunst in Plowdiw, registrieren können. Er sei als ihr Gast zu einem speziellen Seminar über Volkstänze angereist. Aufgrund des Krieges sei die Veranstaltung abgesagt worden. Andonow solle bei erster Gelegenheit aus Israel evakuiert werden.
Lesen Sie auch:
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov