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Der Krieg im Nahen Osten hat spürbare Auswirkungen auf die Tourismusbranche

Donnerstag, 2 April 2026, 12:05

Der Krieg im Nahen Osten hat spürbare Auswirkungen auf die Tourismusbranche

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Der Nationale Tourismusverband, in dem regionale Tourismusverbände, Gemeinden sowie große Investoren aus der Tourismusbranche und den damit verbundenen Wirtschaftssektoren vereint sind, feiert sein 20-jähriges Bestehen mit einer Jubiläumsinitiative unter dem Motto „Die vier Schlüssel zu nachhaltigem Tourismus - Kultur, Natur, Gourmet und Innovation“. In dem vom Ministerium für Tourismus ausgerufenen Jahr des Kulturtourismus steht die Branche jedoch aufgrund des Krieges im Nahen Osten und des Verlusts des wichtigen israelischen Marktes vor großen Herausforderungen.

„Unsere Aufgabe ist es, unser gesamtes Fachwissen, unsere Kreativität und unsere Möglichkeiten zu bündeln, um voranzukommen“, sagt die Geschäftsführerin des Vorstands, Polina Karastojanowa. Ihren Worten zufolge befindet sich der Tourismussektor nach Covid-19, dem Krieg in der Ukraine und dem Konflikt im Nahen Osten sowie der politischen Instabilität in einem permanenten Ausnahmezustand. Das erfordert ein neues Modell zur Konsolidierung der Branche, die Formulierung großer Ziele, ein Konzept für die Marke „Bulgarien“ sowie Instrumente, die unser Land auf neue, moderne Weise wettbewerbsfähig und attraktiv machen.

 

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In ihrer Begrüßungsrede zur ersten Jubiläumsveranstaltung - der Konferenz „Kultur. Tourismus. Kommunikation“ – stellte die amtierende Tourismusministerin Irena Georgiewa die Ergebnisse des vergangenen Jahres in diesem Sektor vor. Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts „Trend“ haben 76 Prozent der Bulgaren Reise zu touristischen Zwecken unternommen, 37 Prozent reisten nur innerhalb Bulgariens, 31 Prozent kombinierten Reisen im In- und Ausland, und nur 8 Prozent reisten ausschließlich ins Ausland. Das bedeutet, dass für die meisten Landsleute der internationale Tourismus eine Ergänzung und kein Ersatz für den Inlandstourismus ist.

Tourismusministerin Irena Georgiewa

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„Die Bulgaren reisen nicht nur, sie suchen aktiv nach vielfältigen Erlebnissen in ihrem eigenen Land und finden sie auch“, erklärte die Tourismusministerin. „Die Bulgaren sehnen sich nach Erlebnissen, Kultur, Natur und Vielfalt und finden diese immer häufiger im Land selbst. Unsere Aufgabe als für die Tourismusbranche zuständiges Ministerium ist es, diese Nachfrage in eine nachhaltige Politik umzusetzen“, unterstrich Irena Georgiewa.

Leider sprechen wir heute immer häufiger über Tourismus unter Krisenbedingungen.

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„Wir konnten nicht ahnen, dass der militärische Konflikt im Nahen Osten buchstäblich innerhalb von 24 Stunden vor unseren Augen ausbrechen würde“, erklärte Polina Karastojanowa mit Blick auf das aktuelle Jahr des Kulturtourismus. „Wir betrachten die Situation jenseits der üblichen klassischen Saisonzeiten neu und erzählen 365 Tage im Jahr unsere Geschichte, zeigen die Kultur unseres Landes mit allen verfügbaren Ressourcen - Mineralbäder,lokalen Traditionen und Bräuchen, moderne Festivals. So erweist sich die Kultur als ein weiterer starker Mechanismus, um das Interesse von Touristen zu wecken, die ihren Blick auf die Länder des Nahen Ostens richten.“

·       BNR und NationalerTourismusverband unterzeichnen Memorandum

Polja Karastojanowa

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Nach Angaben der Geschäftsführerin des Nationalen Tourismusverbands Polja Karastojanowa umfassen die Maßnahmen zur Krisenbewältigung drei wichtige Elemente. Der erste betrifft die Bereitschaft des zuständigen Ministeriums, Mittel aus dem Budget für aktive Werbung für bulgarische Touristen sowie für Schlüsselmärkte wie Deutschland, Polen, Tschechien, Großbritannien und Italien – unter anderem im Rahmen des Giro d’Italia – umzuschichten.

„Die zweite Maßnahme in Bezug auf die Reiseveranstalter ist die dringende Notwendigkeit, einen Mechanismus einzuführen, der es Kunden, die nicht verreisen konnen, ermöglicht, innerhalb von sechs Monaten einen Gutschein für ein alternatives Reiseziel zu erhalten“, fügt Polina Karastojanowa hinzu.  Die dritte Maßnahme betrifft die Einführung eines Mehrwertsteuersatzes von 9 Prozent für Gastronomen. Dabei handelt es sich nicht um eine Maßnahme zur Senkung des Endpreises, sondern um die Schaffung von Geschäftsstabilität, die es Unternehmern ermöglicht, ihr Geschäftsmodell trotz immer höherer Lieferantenpreise aufrechtzuerhalten und ihren Mitarbeitern etwas höhere Löhne zu zahlen. Es ist wichtig zu erwähnen, dass Bulgarien das einzige Land in der Eurozone ist, das den differenzierten Steuersatz nicht auf alle Bestandteile des Tourismusprodukts anwendet.“

 

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„Der Krieg im Nahen Osten hat bereits direkte und spürbare Auswirkungen auf die Tourismusbranche“, greift Ministerin Irena Georgiewa das Thema auf. Der Verlust oder der drastische Rückgang von Märkten wie Israel betreffe ganze Segmente der Branche – Hotels, Reiseveranstalter, Fluggesellschaften, Restaurants und lokale Wirtschaftszweige. Die Tourismusbranche bringt deutlich seine Ängste und Forderungen nach staatlicher Unterstützung beim Marketing, Ausgleich für verlorene Märkte, beschleunigte Diversifizierung der Touristenströme und Verringerung des Verwaltungsaufwands zum Ausdruck, unterstrich die Tourismusministerin und fügte hinzu, dass der Binnenmarkt als Hauptmotor und Stabilisator für den Sektor angesehen werde. Gezielte Werbekampagnen für Wellness-, Kultur-, Stadt- und Ökotourismus sowie die Neuausrichtung der Werbung auf alternative und vielversprechende Auslandsmärkte seien nur einige der Maßnahmen.

 

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„Wichtiger ist es, nicht nur den Markt zu wechseln, sondern die Art und Weise zu verändern, wie Bulgarien präsentiert wird – mit Schwerpunkt auf Sicherheit, Authentizität, Kultur, Natur und Traditionen, indem wir kombinierte Tourismusprodukte mit hoher Wertschöpfung wie Wein-, Kulinarik- und Medizintourismus fördern“, betont Irena Georgiewa.

„Der bulgarische Tourismus verfügt über alle notwendigen Ressourcen für den Erfolg, aber nur durch gemeinsame Anstrengungen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft kann die Krise überwunden werden und wir können gestärkt und verantwortungsbewusst aus ihr hervorgehen, um das makellose Image des Reiseziels Bulgarien zu wahren“, ist Georgiewa überzeugt.

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Übersetzung: Georgetta Janewa