Autor
Joan Kolew
Artikel
Sofia und Berlin suchen neue Horizonte für gemeinsame Investitionen
Der bulgarische Generalkonsul in München, Stefan Jonkow: „Die Erfolgsgeschichten bulgarischer Unternehmen in Deutschland finden sich am häufigsten in den Bereichen IT und Digitalisierung.“
Montag 18 Mai 2026 15:28
Montag, 18 Mai 2026, 15:28
FOTO Generalkonsulat der Republik Bulgarien in München
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Deutschland ist das Land, das Rumen Radew für seinen ersten Auslandsbesuch als Premierminister Bulgariens ausgewählt hat. Der Besuch erfolgt auf Einladung des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz und ist ein klares Zeichen für die Bedeutung, die Bulgarien den Beziehungen zu Deutschland beimisst. Zur bulgarischen Delegation gehören außerdem Vizepremier und Wirtschaftminister Alexandar Pulew und Außenministerin Welislawa Petrowa.
Es wird erwartet, dass das Treffen auf höchster Ebene dem politischen Dialog zwischen Sofia und Berlin neuen Impuls verleihen und neue Möglichkeiten für die Entwicklung der strategischen Partnerschaft zwischen beiden Ländern aufzeigen wird.
Nach der offiziellen Begrüßungszeremonie mit militärischen Ehren werden die beiden Regierungschefs ein Vieraugengespräch führen, gefolgt von einem Plenartreffen der Delegationen. Zu den Hauptthemen gehören die wirtschaftliche Zusammenarbeit, die europäische Politik und die Sicherheit.
Deutschland bleibt führender Wirtschaftspartner
Deutschland ist der größte Außenhandelspartner Bulgariens. Der bilaterale Warenverkehr zwischen übersteigt 12 Milliarden Euro. Hunderte deutsche Unternehmen sind in Bulgarien tätig, vor allem in der Automobilindustrie, im Maschinenbau und in der Produktionsbranche und sichern Tausende Arbeitsplätze.
Rumen Radew (noch in seiner Funktion als Präsident) traf sich mit Armin Papperger, dem Vorstandsvorsitzenden von „Rheinmetall“, dem größten Rüstungskonzern Europas
FOTO BGNES
Nach Angaben der Bulgarischen Nationalbank beliefen sich die deutschen Investitionen in Bulgarien im Jahr 2025 auf rund 4,2 Milliarden Euro. Eine neue Phase in unseren Wirtschaftsbeziehungen ist die Partnerschaft in der Verteidigungsindustrie, darunter auch die Projekte des deutschen Konzerns „Rheinmetall“ zur Herstellung von Schießpulver und Munition nach NATO-Standards. Im August vergangenen Jahres nahm Rumen Radew an der Eröffnung eines neuen Werks des Unternehmens in Bulgarien teil und betonte dabei seine Erwartungen für einen Anstieg der deutschen Investitionen sowie für eine aktivere Beteiligung Bulgariens an gesamteuropäischen Projekten in den Bereichen Verteidigung und Hochtechnologie.
Wiederaufnahme der Ständigen Regierungskommission Bulgarien–Bayern
FOTO Generalkonsulat der Republik Bulgarien in München
Süddeutschland – Motor der Wirtschaftsbeziehungen
Besonders aktiv sind die Wirtschaftsbeziehungen Bulgariens mit den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg. In einem Interview für Radio Bulgarien betonte der Generalkonsul unseres Landes in München, Stefan Jonkow, dass Bulgarien gerade mit diesen beiden Bundesländern den höchsten Handelsaustausch realisiert.
Seinen Worten zufolge ist die Anwerbung deutscher Investitionen sowie die Unterstützung bulgarischer Unternehmen, die Partner und Kunden auf dem deutschen Markt suchen, eine Hauptpriorität des Generalkonsulats.
Der Konsul weist darauf hin, dass bulgarische Unternehmen dauerhaftes Interesse an Deutschland zeigen, insbesondere in den Bereichen Informationstechnologie und Digitalisierung.
Stefan Jonkow
FOTO BTA
„Bulgarische Unternehmen richten ihre Aufmerksamkeit immer sehr stark auf Deutschland. Ein großer Teil der Erfolgsgeschichten gehört derzeit zu den aktuellsten Branchen wie IT und Digitalisierung. Es gibt zahlreiche bulgarische Unternehmen, die bereits diese Brücken zwischen uns und Baden-Württemberg sowie Bayern aufgebaut haben und intensiv in diese Richtung arbeiten. Bulgarische Softwareteams entwickeln eigene Produkte für Kunden hier in Deutschland. Gleichzeitig sind Bayern und Baden-Württemberg die industriellen Antriebsmotoren Deutschlands, wobei die uns gut bekannte Automobilindustrie in beiden Bundesländern eine führende Rolle spielt. Natürlich erschöpft das nicht alle Möglichkeiten der Zusammenarbeit – hinzu kommen der Maschinenbau, die Hochtechnologien und seit Kurzem auch die Raumfahrttechnologien, in denen Bulgarien ebenfalls seine erfolgreichen Geschichten hat und die hier auf außerordentlich großes Interesse stoßen“, betonte der bulgarische Generalkonsul in München, Stefan Jonkow.
Als konkrete Beispiele für neue Investitionen nannte er ein Projekt eines Automobilunternehmens in Russe, das Komponenten für einen großen bayerischen Automobilhersteller produziert, sowie eine Investition im Automobilsektor in Stara Sagora.
FOTO "MULTIVAC Bulgarien"
Аls erfolgreiches Beispiel für die Gewinnung bayerischer Investitionen hob der Konsul auch die Schaffung eines Knowledge-Hub-Zentrums von FlixBus in Sofia hervor, in dem bereits nahezu 100 Menschen arbeiten. Seinen Worten zufolge hat Bulgarien das Projekt im Wettbewerb mit sechs anderen Staaten gewonnen. Ein weiterer bedeutender Investor ist laut Stefan Jonkow MULTIVAC, das Maschinen für die Lebensmittelindustrie produziert.
Der Besuch des bulgarischen Premierministers in Berlin erfolgt in einem Schlüsselmoment für Europa, in dem wirtschaftliche Sicherheit, industrielle Entwicklung und technologische Investitionen zu einem immer wichtigeren Bestandteil der Partnerschaft zwischen den Staaten der Europäischen Union werden.
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Übersetzung: Rossiza Radulowa