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Geigerin Joanna Kamenarska macht bulgarische Klassik international bekannt

Montag, 20 Juli 2026, 15:15

Geigerin Joanna Kamenarska macht bulgarische Klassik international bekannt

FOTO Joan Kolew

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Mehr als 40 bulgarische Geigerinnen und Geiger haben es dank ihres Talents, ihrer harten Arbeit und ihrer Hingabe an das Instrument bis an einen der begehrtesten Plätze geschafft, von denen viele ihrer Kolleginnen und Kollegen träumen – als Konzertmeister in renommierten europäischen Orchestern. Zu bekannten Namen wie Albena Danailowa, Wasko Wassilew, Swetlin Russew und Wesko Eschkenasi reiht sich auch die Geigerin Joanna Kamenarska ein, deren Geschichte wir heute erzählen. 

Ihr außergewöhnliches Können ebnete ihr den Weg zum Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, in dem sie seit inzwischen 18 Jahren lebt und arbeitet. Sie berichtet, dass sie die Stelle bereits beim ersten Probespiel erhielt und seit 2008 Konzertmeisterin des Orchesters ist. Die Liebe zur Musik verdankt sie ihrer Mutter, einer Pianistin, sowie ihren Geigenlehrern Prof. Josif Radionow und Joakim Atanassow. Beide betrachtet sie als Teil ihrer Familie, von ihnen habe sie nicht nur musikalisch, sondern auch fürs Leben viel gelernt. 

FOTO philharmoniesalzburg.at

„Ich habe zunächst Klavier gespielt und bin später zur Geige gewechselt, ohne wirklich zu wissen, warum. Die Erwachsenen, die mich beobachteten, wussten es allerdings. Sie hatten gesehen, wie ich anderen Geigern mit offenem Mund und angehaltenem Atem zuhörte, und sagten: Dieses Kind braucht eine Geige, weil es unbedingt dieses Instrument spielen möchte. Die Geige ist nicht nur das schwierigste, sondern auch das faszinierendste Instrument der klassischen Musik. Es ist ihr Klang, der die Menschen anzieht. Unabhängig vom Alter oder von der Lebensgeschichte – wenn jemand auf diese Weise vom Klang einer Geige berührt wird, geschieht, glaube ich, etwas Unumkehrbares.“

Bulgarien nimmt im Leben von Joanna Kamenarska einen besonderen Platz ein, auch wenn sie sich selbst nicht als Patriotin im eigentlichen Sinne bezeichnet.

FOTO Facebook /Joanna Kamenarska

„Bulgarien hat mir vor allem durch seine Ausbildung unglaublich viel gegeben. Aber auch in der bulgarischen Musik und im bulgarischen Geist liegt etwas ganz Besonderes“, sagt die Geigerin. „Das erinnert mich an etwas, das mich seit mindestens zwei Jahrzehnten beschäftigt: Die bulgarische Musik hat ihren verdienten Platz im europäischen Musikerbe noch immer nicht gefunden. Deshalb sehe ich es als meine persönliche Aufgabe an, zumindest die bulgarische klassische Musik bekannter zu machen.“


Bulgarien kann auf zahlreiche bedeutende Komponisten wie Pantscho Wladigerow, Ljubomir Pipkow, Paraschkew Hadschiew, Marin Goleminow und Dimitar Nenow stolz sein. Ihre Namen sind dem europäischen Publikum jedoch weitgehend unbekannt. Deshalb war Joanna Kamenarska besonders dankbar, dass sie sich 2024 einen lang gehegten Traum erfüllen konnte: In Hamburg spielte sie ein Werk von Pantscho Wladigerow. Das Konzert war auch aus einem weiteren Grund außergewöhnlich – dessen 1. Konzert für Violine und Orchester erklang dort erstmals wieder seit seiner Uraufführung in den 1920er-Jahren. 

„Das Werk wurde im Rahmen eines Abonnementkonzerts vom Hamburger Kammerorchester aufgeführt, das eigens für diesen Anlass erweitert wurde. Das Konzert war Teil eines Programms, das eine künstlerische Verbindung zwischen Joseph Haydn und Pantscho Wladigerow herstellen sollte. Auf den ersten Blick scheint das kaum möglich, doch die Idee war zu zeigen, wie Kulturen miteinander verbunden werden können. In Haydns Sinfonie Nr. 104, die das Publikum gut kennt, basiert der Schlusssatz auf einem kroatischen Volkslied. Das war die Brücke, die uns erlaubte zu sagen, dass Haydn den Balkan vielleicht zumindest durch seine Musik kannte, auch wenn er nie im Balkangebirge, im Rila- oder Pirin-Gebirge gewesen ist. Kroatien ist unserer Welt schließlich nicht so fern – und so entstand diese Verbindung. Inzwischen sind zwei Jahre vergangen, und es ist Zeit, über eine neue Herausforderung dieser Art nachzudenken. Die Ideen dafür reifen bereits.“

Derzeit legt die talentierte Musikerin eine bewusste Erholungspause ein. Diese Zeit nutzt sie, um zu überlegen, wie viel Energie und Zeit sie ihren künftigen Verpflichtungen widmen möchte. Eines stellt sie jedoch klar: Der Musik kehrt sie nicht den Rücken. Schon bald will sie ihre Konzerttätigkeit wieder aufnehmen. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov