Autor
Wladimir Mitew
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Bulgarisch unterrichten im Banat
Bilanz des ersten Studienjahres von Swetlana Karadschowa an der West-Universität Temeswar und ihrer Projekte mit der bulgarischen Gemeinschaft in Altbeschenowa
Montag 7 September 2026 14:35
Montag, 7 September 2026, 14:35
FOTO Privatarchiv von Sweltana Karadschowa
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Das erste Studienjahr (2025/2026) von Swetlana Karadschowa als Lektorin für bulgarische Sprache an der West-Universität Temeswar war von einem überraschend großen Interesse geprägt. Im Interview mit Radio Bulgarien erzählt sie, dass sie ohne große Erwartungen nach Rumänien gekommen sei. In den acht Monaten ihres Aufenthalts habe sie jedoch den Grundstein für eine aktive und eng verbundene Gemeinschaft gelegt. Rund um den Bulgarischunterricht versammeln sich Menschen unterschiedlichster Herkunft – Studierende (vor allem ethnische Rumänen), ethnische Serben sowie Angehörige der Banater Bulgaren, die großes Engagement und Interesse zeigen und den Wunsch äußern, Bulgarien bald zu besuchen.
Swetlana Karadschowa
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Eine besondere Lesesammlung mit Texten der Banater Bulgaren
Zu den wichtigsten Erfolgen des Jahres zählt die erfolgreiche Einführung einer speziellen Lesesammlung, die von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften (BAN) erarbeitet wurde. Sie vereint Texte von Banater Bulgaren sowie Texte über die Geschichte und Lebenswelt ihrer Gemeinschaft. Karadschowa erklärt, dass ein besonderer Ansatz notwendig sei, um das Interesse der Banater Bulgaren zu wecken und zu erhalten. Sie schreiben in lateinischer Schrift und leben seit fast drei Jahrhunderten in der Region. Die lange historische Isolation habe sie vom kulturellen Leben in Bulgarien entfernt. Deshalb müssten Lehrtexte ihre eigene Identität widerspiegeln.
Karadschowa zieht einen Vergleich zur Vergangenheit. Als 1948 Lehrer aus Bulgarien nach Altbeschenowa entsandt wurden, gelang es nicht, eine wirkliche Verbindung zwischen den beiden Sprachvarianten herzustellen, da die damaligen Lehrkräfte mit der besonderen lokalen Kultur nicht vertraut gewesen seien. Die Versäumnisse aus der Zeit des Kommunismus, als für diese konservative katholische Gemeinschaft kein geeigneter Zugang gefunden wurde, könnten heute gerade durch Texte überwunden werden, die ihre eigene Geschichte behandeln.
FOTO Privatarchiv von Sweltana Karadschowa
„Ich habe festgestellt, dass Texte katholischer Autoren oder Bearbeitungen von Werken Jaku Ronkows, eines Vertreters der Banater Bulgaren, bei den Menschen besondere Emotionen hervorrufen. Die Kommunikation und auch das Lernen fallen dadurch viel leichter. Deshalb bin ich Hauptassistentin Dr. Magdalena Abadschiewa und dem gesamten Team der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften dankbar, mit dem wir diese Lesesammlung erarbeitet haben. Sie hat gerade in diesem Lektorat ihren natürlichen Platz gefunden – bei Studierenden und Kursteilnehmern, die ihre Seiten aufschlagen und mit diesen Texten arbeiten“.
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Brücken zur lokalen Gemeinschaft und Diskussionsrunden in Altbeschenowa
Neben ihrer Lehrtätigkeit engagiert sich Swetlana Karadschowa intensiv im kulturellen Leben der Banater Bulgaren. Im Mittelpunkt steht dabei das Dorf Altbeschenowa mit seinem Kulturzentrum „Karol Telbisow“. Dort organisierte sie elf Diskussionsveranstaltungen zu Themen aus Geschichte, Kultur und aktuellen gesellschaftlichen Fragen.
Rückblickend beschreibt sie ihre Erfahrungen so:
„Meine Idee war es, solche Gesprächsrunden zu organisieren, in denen unterschiedliche Themen aus Geschichte, Kultur und dem gesellschaftlichen Leben behandelt werden. Ziel war es vor allem, das Denken und Sprechen über diese Themen anzuregen, denn Wissen, das nicht ausgesprochen wird, geht verloren. Diskussionen über Bücher, Gespräche über verschiedene Themen und das Vorstellen unterschiedlicher Sichtweisen – all das ist in diesen elf Treffen gelungen. Natürlich hätte es noch intensiver sein können, aber nach den ersten Monaten waren viele von der hohen Intensität erschöpft. Deshalb werden wir im Herbst mit größeren Abständen, dafür aber mit klar festgelegten Themen weitermachen.“
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Literaturprojekte und diplomatische Besuche
Das Studienjahr war außerdem von mehreren außergewöhnlichen Veranstaltungen geprägt. Auf Initiative Karadschowas fand rund um den 24. Mai – den in Rumänien offiziell anerkannten Tag der bulgarischen Sprache – eine große bulgarische Veranstaltung an der Universität statt. Am 22. Mai besuchte auf Einladung der Universitätsleitung der bulgarische Botschafter Radko Wlaikow die Hochschule und führte Gespräche mit der Universitätsleitung sowie mit Studierenden.
Auch im Stadtbild von Temeswar war die bulgarische Sprache präsent – im Rahmen des Poesieprojekts „Poetische Reise: Mai in der Straßenbahn“. Einer ihrer besten Studenten, der ethnische Rumäne Dorian Erina, übersetzte dafür zwei bulgarische Gedichte – von Iwan Wasow und Dimtscho Debeljanow – ins Rumänische. Während der Aktion wurden in den öffentlichen Verkehrsmitteln Zettel mit kurzen Gedichtauszügen in beiden Sprachen verteilt.
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Sommersprachkurse in Bulgarien und Ausblick
Der Erfolg des Studienjahres zeigt sich auch in konkreten Möglichkeiten für die Studierenden. Dank des bulgarischen Ministeriums für Bildung und Wissenschaft erhielt die West-Universität Temeswar drei Stipendien für Sommersprachkurse in Bulgarien. In der zweiten Julihälfte werden die beiden Banater Bulgaren Iwan Wasiltschin und Kristian Penkow an der Universität Sofia studieren, während der rumänische Student Cătălin Anekitei einen Sommerkurs an der Universität Weliko Tarnowo besuchen wird.
Das Mandat von Swetlana Karadschowa wird auch im kommenden Studienjahr fortgesetzt. Die Erwartungen sind sogar noch höher, da Bulgarisch inzwischen als Wahlfach für Studierende aller Fakultäten der West-Universität angeboten wird. Zum Abschluss des Gesprächs beschreibt sie ihre Vision für die weitere Entwicklung des Lektorats:
FOTO Privatarchiv von Sweltana Karadschowa
„Ich bin überzeugt, dass die bulgarische Sprache ihren verdienten Platz unter den slawischen Sprachen finden wird, die an der West-Universität Temeswar unterrichtet werden. Ich glaube auch, dass sich das kulturelle Leben der Banater Bulgaren weiter intensivieren wird. Die Annäherung an die bulgarische Standardsprache, die für viele von ihnen noch etwas Exotisches ist, wird durch verschiedene Kulturveranstaltungen leichter gelingen. Buchpräsentationen und ähnliche Initiativen werden die Menschen motivieren, zu diesen Treffen zu kommen und einer Kultur zu begegnen, die ihnen zugleich fern und doch vertraut ist.“
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov