Autor
Zwetana Tontschewa
Artikel
„Kleine, buntgescheckte Nachtigall“ – bewegende Volkslyrik aus den Rhodopen
Freitag 14 August 2026 17:26
Freitag, 14 August 2026, 17:26
Nadeschda Hwojnewa
FOTO Archiv
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Die Rhodopen – ein bulgarisches Gebirge, das mit atemberaubender Schönheit beeindruckt und mit seiner Erhabenheit und Mystik in seinen Bann zieht. Die Landschaften faszinieren jeden Reisenden, die Rhodopen sind Zeugen einer uralten Geschichte. Doch am bewegendsten sind ihre ganz besondere Romantik, der Sanftmut und die Herzlichkeit ihrer Bewohner.
Der große bulgarische Schriftsteller Nikolaj Hajtow nannte die Rhodopen ein „Gebirge mit Seele“. Nur wer ihre Magie und ihre beseelte Atmosphäre selbst gespürt hat, kann verstehen, warum gerade sie als Heimat des legendären Orpheus gelten – des Sängers des antiken Thrakien und weltweiten Symbols der Musik.
Die sanften Melodien des Orpheus-Gebirges scheinen dazu bestimmt, berühmte Sänger hervorzubringen. Die Bewohner der Rhodopen singen in sich gekehrt und mit voller Hingabe. Für sie ist das Lied nicht einfach Ausdruck einer Emotion, sondern eine Lebensweise.
Das Rhodopenlied ist ein tiefes und intimes Bekenntnis des Herzens, dessen Kraft und Stärke das Nationale übersteigen und planetarische, ja kosmische Dimensionen annehmen. Und das gilt nicht nur für das weltweit bekannteste Lied „Haiduck Deljo“, das als musikalische Botschaft von der Erde durch das Universum reist, sondern auch für andere Lieder aus dieser Region.
Radka Kuschlewa
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Zu den beliebtesten Liedern aus der Heimat des Orpheus gehört „Kleine, buntgescheckte Nachtigal“, das durch die berühmte Radka Kuschlewa, die „Nachtigall der Rhodopen“, zum Hit wurde.
Noch beeindruckender ist die Bearbeitung des Liedes, die der Komponist Alexandar Jossifow für eine weitere legendäre Sängerin aus den Rhodopen schuf – Nadeschda Hwojnewa.
Alexandar Jossifow hinterließ ein äußerst umfangreiches Werk: mehr als 1.500 Opusnummern in nahezu allen musikalischen Genres – Opern, Sinfonien, Instrumentalkonzerte, Chorminiaturen, Kammermusik und populäre Lieder. Fast im Schatten blieb dabei sein Beitrag zur Bearbeitung bulgarischer Folklore, obwohl er mehr als 300 solcher Bearbeitungen geschaffen hat.
Wenig bekannt ist, dass Alexandar Jossifow als junger Mann etwa zwei Jahre im Volksmusikorchester des Bulgarischen Nationalen Rundfunks unter der Leitung namhafter Folkloremusiker wie Kosta Kolew und Dimitar Dinew gearbeitet hat.
Und genau Kosta Kolew dirigierte das Orchester bei der Aufnahme von „Kleine, buntgescheckte Nachtigal“ mit der Stimme von Nadeschda Hwojnewa – einer der herausragendsten und stimmgewaltigsten Töchter der Rhodopen.
Nadeschda Hwojnewa wurde genau zehn Jahre nach Radka Kuschlewa geboren und entstammte einer berühmten Familie von Wojwoden, Sängern und Instrumentalisten, die im gesamten Raum der Rhodopen bekannt war. Ihr Großvater Todor Hwojnew, ein bedeutender bulgarischer Revolutionär, bekannt als Fojnju Wojwoda, war für seine große Leidenschaft berühmt – den Dudelsack.
1956, im Alter von 20 Jahren, gewann Nadeschda Hwojnewa bei einem Wettbewerb der künstlerischen Laienensembles in Plowdiw den ersten Preis. Seit 1958 war sie Solistin des Ensembles für Volkslieder des BNR.
Ihre wunderschöne Altstimme mit ihrem unverwechselbaren Timbre machte sie nicht nur zu einer der gefragtesten Interpretinnen bulgarischer Folklore. In den 1960er-Jahren wurde sie zu einem Gespräch an die Sofioter Oper eingeladen. Man schlug ihr vor, ihre Ausbildung zu ändern und Teil des berühmten bulgarischen Opernwunders zu werden. Sie lehnte jedoch ab, denn sie sah ihre Zukunft ausschließlich im Rhodopenlied.
Nadeschda Hwojnewa
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Nadeschda Hwojnewa war die Sängerin, die die erste Tonaufnahme von „Haiduck Deljo“ beim Bulgarischen Nationalen Rundfunk realisierte. Beim Neunten Weltfestival der Jugend und Studenten im Jahr 1969 wurde sie genau für dieses Lied mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Als Anfang der 1980er-Jahre klar wurde, dass das Lied „Haiduck Deljo“ mit der Stimme einer anderen Sängerin ins Universum flog, war Hwojnewa zutiefst enttäuscht. Doch dann sagte sie sich: „Was soll’s, Hauptsache, es klingt ein bulgarisches Lied! Schließlich habe ich die Menschen dazu gebracht, es zu lieben, ich habe es im Radio aufgenommen, und Walja Balkanska hat es ins All geschickt …“
Die Stimme von Nadeschda Hwojnewa verwandelt jedes Lied in eine Offenbarung. In ein Meisterwerk – so, wie „Kleine, buntgescheckte Nachtigal“ auch.
Übersetzung: Rossiza Radulowa
Gestaltet von Rossiza Radulowa