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Gergana Mantschewa
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Wenn die Wurzeln sprechen – ehrliche Gedanken von Kindern über Bulgarien
Tiefe Verbundenheit mit ihrer Heimat zeigen die Bilder, Texte und Lieder der Kinder aus bulgarischen Gemeinschaften weltweit, die an den traditionellen Wettbewerben der Exekutivagentur für die Bulgaren im Ausland teilnehmen
FOTO BGNES
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Sommerzeit – und viele Kinder von Bulgaren, die im Ausland leben, sind mit Freude nach Bulgarien zurückgekehrt, um Zeit bei ihren Verwandten zu verbringen und einige Sehenswürdigkeiten unseres Landes zu besuchen. Anfang August ist traditionell auch die passende Zeit für die Preisverleihungen in Sofia: Die Exekutivagentur für die Bulgaren im Ausland (IABCH) hat die ausgezeichneten Kinder aus den drei Wettbewerben der Agentur geehrt, die bulgarische Kinder im Ausland dazu ermutigen, auf Bulgarisch zu malen, zu schreiben und zu singen. Das gesamte vielfältige kreative Schaffen der Kinder ist Ausdruck der gemeinsamen Inspiration durch ihre Liebe zu Bulgarien und ihre Verbundenheit mit dem Land. Doch nicht die Preise sind das Wertvollste, sondern die Teilnahme selbst. Denn schon die Reise nach Sofia und die Anwesenheit bei der Preisverleihung sind eine Auszeichnung für alle Teilnehmer der Wettbewerbe der IABCH, wie deren Leiterin Rajna Mandschukowa betonte.
Rajna Mandschukowa und Joaquín Ruarte
FOTO Exekutivagentur für die Bulgaren im Ausland
Besonders aufgeregt waren die Kinder und Jugendlichen, die Bulgarien zum ersten Mal in ihrem Leben besuchten. Eine Reise nach Bulgarien ist für Joaquín Ruarte aus Argentinien ein echtes Geschenk des Schicksals und ein wahr gewordener Traum. Er ist 18 Jahre alt und hat von seinem Großvater, der vor mehr als 70 Jahren in diesen südlichen Teil der Welt ausgewandert ist, viel über Bulgarien gehört. Für Joaquín ist Bulgarien die Heimat seines Großvaters, dem er selbst bereits nachzueifern versucht. Nun bekommt das Land für ihn ein konkretes Gesicht und wird zu einer persönlichen Erfahrung. Er erzählt, dass er eigens für die große Preisverleihung aus der argentinischen Stadt Comodoro Rivadavia nach Bulgarien gekommen ist, und berichtet, was er für seinen Beitrag zum Thema „Der Traum von Bulgarien“ gezeichnet hat:
Joaquín Ruarte
FOTO Gergana Mantschewa
„Ich bin glücklich, zum ersten Mal in Bulgarien und in Europa zu sein. Ich freue mich, hier mein Land vertreten zu können. Die Aufgabe bestand darin, zum Thema ‚Bulgarien in meinen Träumen‘ zu zeichnen. Meine Vorstellung davon ist die Stadt Weliko Tarnowo, die ich auf einer bulgarischen Rose dargestellt habe. Ich war sehr aufgeregt und wusste zunächst nicht, wie ich diese Zeichnung gestalten sollte. Aber als ich angefangen habe, ist sie sehr gut gelungen. Ich hätte nie gedacht, dass ich den ersten Preis gewinnen würde. Es war sehr aufregend. Es ist eine interessante Geschichte. Ich lebe in Comodoro Rivadavia, einer Stadt im tiefen Süden Argentiniens. Mein Bruder war glücklicherweise in Buenos Aires, der Hauptstadt, und hat meine Zeichnung von dort auf Papier an die Adresse in Bulgarien für diesen Wettbewerb geschickt. Die Möglichkeit dazu gab es nur an einem einzigen Tag, und ich war sehr glücklich, weil ich nicht geglaubt hatte, dass ich ausgezeichnet werden würde“, erzählte der Jugendliche und setzt damit die Familiengeschichte fort.
FOTO Exekutivagentur für die Bulgaren im Ausland
Für einige gehen die aufregenden Erlebnisse weiter, denn die Gewinner der ersten Preise bei den Wettbewerben der IABCH wurden zu einem Kinder-Sommercamp im strandschanischen Dorf Brodilowo im Südosten Bulgariens eingeladen. Zehn Tage lang können die Kinder und Jugendlichen dort miteinander kommunizieren, Freundschaften schließen und diese wunderschöne Ecke der bulgarischen Schwarzmeerküste kennenlernen.
Für die meisten in ausländischen Ländern geborenen bulgarischen Kinder bleibt unsere Sprache eine große Herausforderung. Einige können Bulgarisch schreiben und gut sprechen, doch es gibt auch Kinder, die sich scheuen, das im Sonntagsschulunterricht Gelernte zu zeigen und lieber nicht vor ein Mikrofon treten, obwohl sie ihren Altersgenossen sicherlich viel zu erzählen hätten. Anna-Maria Atanassowa gehört zu den Teilnehmerinnen des Wettbewerbs und wurde bereits in früheren Jahren ausgezeichnet. Deshalb war sie schon einmal im Sommercamp in Brodilowo. Sie ist zwölf Jahre alt und besucht die bulgarische Schule „Dora Gabe“ in München. Sie geht auch auf eine deutsche Schule, erzählte sie, aber in ihrer Familie sprechen alle Bulgarisch, weshalb sie die Sprache sehr gut beherrscht:
Anna-Maria Atanassowa
FOTO Gergana Mantschewa
„Ich habe ein Bild über den Aprilaufstand gemalt. Auf der einen Seite ist die Sonne und alles ist schön, auf der anderen Hälfte ist Wassil Lewski mit der Fahne, auf der ‚Freiheit oder Tod‘ steht. Ich habe das gemalt, weil das Thema ‚Bulgarien in meinen Träumen‘ und der Aprilaufstand waren. Ich nehme schon zum dritten oder vierten Mal gemeinsam mit meinem Bruder Todor an den Wettbewerben der IABCH teil. Im vergangenen Jahr haben wir ein Lied über den Apostel gesungen und damals den dritten Platz gewonnen, aber dafür gab es keinen Preis. Davor waren wir allerdings schon einmal im Sommercamp in Brodilowo und sind ans Meer gegangen. Es war sehr schön. Wir hatten damals den ersten Platz mit ‚Ein Liedchen über das Gute‘ gewonnen und durften deshalb an diesem Camp teilnehmen. Es war wirklich sehr schön.“
Im gleichen Alter wie Anna-Maria ist Waleri Taschewa, die in London lebt. Ihre Familie stammt aus Stara Sagora, doch sie kam gemeinsam mit ihren Schwestern nach Sofia, weil sie als Gast zur Preisverleihung der ausgezeichneten Beiträge eingeladen war. Waleri erhielt eine Anerkennung für ihre Zeichnung beim Wettbewerb „Bulgarien in meinen Träumen“. Das Mädchen besucht die „Bulgarische Schule“ in Barking, London, scheut sich aber noch, auf Bulgarisch zu sprechen. Deshalb übernimmt ihre Mutter, Tanja Taschewa, das Gespräch:
FOTO Exekutivagentur für die Bulgaren im Ausland
„Sie hat Rajna Knjaginja vor der bulgarischen Flagge gezeichnet, auf der ‚Freiheit oder Tod‘ steht. Das Thema war anlässlich des 170. Geburtstags von Rajna Knjaginja und des 150. Jahrestags des Aprilaufstands vorgegeben. Ihre Lehrerin Anna Peron hat sie am meisten zur Teilnahme am Wettbewerb ermutigt und Waleri bei ihrer Arbeit einen großen Schub gegeben. Ansonsten zeichnet sie sehr gerne. Wir als Familie sind sehr stolz auf sie, und ich denke, auch sie selbst ist sehr zufrieden mit ihrer Leistung. Hier geht es um Kinder, die in England geboren wurden. Was ihnen dort am meisten fehlt, ist eigentlich mehr Zeit in Bulgarien, da sie nur in den Ferien hierherkommen. Ihnen fehlen auch die Kontakte zu bulgarischen Kindern und Verwandten, der Austausch mit bulgarischen Kindern und die Möglichkeit, Bulgarisch zu sprechen.“
Zu den jüngsten Teilnehmerinnen der Kinderwettbewerbe der IABCH gehört auch Xenia Mitu. Sie kam aus dem bessarabischen Dorf Tschijschija im Gebiet Odessa in der Ukraine. Im Dorf gibt es nicht viele Kinder, aber es ist vollständig bulgarisch geprägt, erklärt Xenia Mitu:
Xenia Mitu
FOTO Gergana Mantschewa
„In unserer Familie wird nur Bulgarisch gesprochen, und auch in der Schule. In der Schule lernen wir Bulgarisch. Jewgenija Dmitriewna hat mich darauf vorbereitet, dieses Lied – ‚Tschereschko, le‘ – zu singen. Ich bin zum ersten Mal in Bulgarien“, erzählte das Mädchen.
Auch die kleine Xenia hat Schwierigkeiten, mit uns auf Bulgarisch zu sprechen. Der Grund ist einfach: Dort, wo sie unter den bessarabischen Bulgaren lebt, ist eine alte Variante unserer Sprache erhalten geblieben, die für uns hier in Bulgarien beinahe unverständlich sein kann. Xenia mag Bulgarien und bulgarische Volkslieder jedoch sehr und wollte schon immer Sofia und das Land besuchen. Deshalb ist diese Auszeichnung für sie ein wahr gewordener Traum. Sie sagt, dass sie unbedingt Bulgarisch lernen und Bulgarien besser kennenlernen möchte.
Das Mädchen hat den Geist unseres Landes bereits durch die Volkslieder erfahren, die sie mit großer Hingabe singt. Bei ihren Auftritten trägt sie stets eine traditionelle bulgarische Tracht. Dies erinnert einmal mehr an die bewahrten Traditionen einer Gemeinschaft, die Bulgarien als kostbare Erinnerung an die Erzählungen ihrer Vorfahren in ihrem Herzen bewahrt.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov