Opernstar Nadja Stefanoff: „Die schönsten Stimmen kommen aus Bulgarien!“

Für die Tochter des bulgarischen Tenors Stefan Stefanoff ist ihre Heimat ein Synonym für Sommer, Warna, das Schwarze Meer, köstliches Obst und betörende Düfte

Dienstag, 8 September 2026, 15:03

Nadja Stefanoff

Nadja Stefanoff

FOTO operavarna.com

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Anfang Juli war die deutsche Opernsängerin Nadja Stefanoff in Bulgariens Meereshauptstadt Warna, um in der Premiere „Wagner-Gala“ die Rolle der Sieglinde zu singen. Die Inszenierung der Oper Warna mit Auszügen aus „Die Walküre“ wurde von Vera Nemirowa inszeniert. Auf der Bühne standen hochkarätige europäische Solisten unter der Leitung von Swetoslaw Borissow. 

Nadja Stefanoff wurde in den 1970er-Jahren im damaligen Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz in Sachsen, als Tochter einer deutschen Lehrerin und des bulgarischen Tenors Stefan Stefanoff geboren, der eine bemerkenswerte Karriere auf deutschen Opernbühnen machte. Ihr erster Gesangslehrer war ihr Vater. Anschließend besuchte sie das Dresdner Opernchorstudio, wo sie von der Bulgarin Nelly (Nedjalka) Ailakowa (12.07.1935–08.08.2026) ausgebildet wurde – einer talentierten Sängerin und Pädagogin, die auf den Bühnen der Staatsoper Berlin, der Semperoper Dresden und der Oper Graz aufgetreten war. 

Opernstar Nadja Stefanoff: „Die schönsten Stimmen kommen aus Bulgarien!“

FOTO nadja-stefanoff.com

Nadja Stefanoff absolvierte ihr Studium an der Hochschule für Musik Dresden. Als Preisträgerin von Wettbewerben in Berlin und Zürich wurde sie Solistin an den Opernhäusern in Erfurt, Pforzheim, Bremen und Mainz. Gastauftritte führten sie nach Duisburg, Stuttgart, Berlin und Bonn, zudem nahm sie in Dresden Aufnahmen auf. Ihre Auftritte in Graz und Frankfurt wurden von der Kritik hoch gelobt, die den Glanz und die Beweglichkeit ihrer Stimme hervorhob, die selbst in den leisesten Dynamiken sicher klingt.

In einem kurzen Ausschnitt aus der „Wagner-Gala“ in Warna, den das Team der Oper Warna in den sozialen Netzwerken veröffentlicht hat, beeindruckt Nadja Stefanoff als Sieglinde. Ihre Stimme ist kraftvoll und ausdrucksstark, besonders bemerkenswert sind jedoch die außergewöhnliche Präzision der Tongebung und die kristallklare Intonation. Wenige Tage nach ihrem Auftritt erzählte die Sängerin Radio Bulgarien: 

Opernstar Nadja Stefanoff: „Die schönsten Stimmen kommen aus Bulgarien!“

FOTO Facebook / Staatsoper Warna

„Die Premiere ist sehr gut gelaufen, und ich bin sehr glücklich, dass das Publikum so zufrieden war. Wagner in Bulgarien aufzuführen, ist nicht einfach, und ‚Die Walküre‘ wurde in Warna zum ersten Mal aufgeführt. Die Menschen verbinden Wagners Musik teilweise mit der deutschen Mentalität und sind ihr gegenüber nicht so offen. Aber ich glaube, dass es uns gelungen ist, sie für diese Premiere zu begeistern, und das ist sehr schön … Unter den gegebenen zeitlichen und sonstigen Umständen bin ich sehr zufrieden.“

Ihre Liebe zu Warna begann bereits in ihrer Kindheit: 

Stefan Stefanoff

Stefan Stefanoff

FOTO onlinemerker.com

„Als Kind war ich fast jeden Sommer dort in den Ferien, weil mein Vater – Stefan Stefanoff – aus Warna stammt. Wir verbrachten viel Zeit in dem Haus, in dem er geboren wurde. Meine Erinnerungen an Warna sind ausschließlich schön. Ich war ein Kind, und die Sommer waren wunderbar. 2005 war ich wieder in Warna, aber danach bin ich nicht mehr gekommen. Jetzt war es meine erste Rückkehr nach 21 Jahren. Als ich klein war, gingen wir oft ins Sommertheater, und mein Vater sagte immer, dass er sich wünscht, dass ich eines Tages dort singe. Und ich wollte das auch! Jetzt ist dieser Wunsch Wirklichkeit geworden …“

Ihr Repertoire ist umfangreich und vielseitig – von Monteverdi bis Ligeti, von Mozart und Wagner bis zu den Operetten von Johann Strauss. Derzeit bereitet sie die Rolle der Elsa in „Lohengrin“ für die Premiere im Oktober in Mainz vor. Besonders liebt sie „Manon Lescaut“, ihre Lieblingsrolle von Puccini. Zu ihrem Repertoire gehört auch „Tosca“, die sie in Bremen unter der Regie von Vera Nemirowa gesungen hat. Die Sängerin und die Regisseurin sind befreundet: 

„Wir kennen uns seit Beginn unserer Karrieren. Als ich in Dresden studierte, arbeitete ich mit ihr bei ihrer ersten Inszenierung. Das war vor etwa 30 Jahren. Danach haben wir uns lange nicht gesehen, und später trafen wir uns in Bremen bei ‚Tosca‘ wieder. Wir sind in Kontakt geblieben, und diese Verbindung entwickelt sich nun weiter.“

Nadja Stefanoff würde gerne wieder auf einer bulgarischen Bühne singen, vor allem deutsches Repertoire – Mozart oder Weber. 

„Ich weiß, dass die schönsten Stimmen aus Bulgarien kommen. Jemand hat mir das vor langer Zeit gesagt, und es stimmt – die Stimmen sind sehr schön. Und natürlich singen die Bulgaren gerne italienisches Repertoire, also muss niemand von irgendwoher kommen, um das zu tun … Es ist sehr schön, dass Vera versucht, deutsche Musik nach Warna zu bringen – das ist eine Mission! Wie ich gehört habe, werden sie vielleicht im nächsten Jahr die gesamte ‚Walküre‘ aufführen. Das wäre schön, denn jetzt kennen die Menschen das Werk bereits …“

Opernstar Nadja Stefanoff: „Die schönsten Stimmen kommen aus Bulgarien!“

FOTO Facebook / Staatsoper Warna

Bulgarien bedeutet für Nadja Stefanoff Sommer, Warna, das Schwarze Meer, köstliches Obst und betörende Düfte. Nach mehr als 20 Jahren Abwesenheit hat sie Warna mit gemischten Gefühlen wiederentdeckt: 

Opernstar Nadja Stefanoff: „Die schönsten Stimmen kommen aus Bulgarien!“

FOTO Staatsoper Warna

„Es ist sehr schön. Das Leben ist nicht so stressig, wie es sich im westlichen Teil Europas anfühlt … Aber manchmal sind die Bulgaren zu negativ. Wenn sie eine Meinung haben, ist es sehr schwierig, sie zu ändern. Vielleicht sind sie manchmal bei manchen Dingen zu faul, zum Beispiel wenn man sich manche Straßen oder Wege anschaut … Aber das ist Mentalität. Ich kenne das schon lange von meinem Vater. Zwischen ihm und meiner deutschen Mutter gab es viele Konflikte, aber die Kombination aus einem Bulgaren und einer Deutschen ist sehr gut!“

Zum Abschluss wünschte Nadja Stefanoff unserem Publikum mit Freude „Alles Gute!“ – auf Bulgarisch. 



Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov