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Wessela Krastewa
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Montag 20 April 2026 15:25
Montag, 20 April 2026, 15:25
FOTO BGNES
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„Mein Vater erzählte, er erzählte um Leben und Tod. Er wusste, dass, sobald er aufhörte, alles, was er ins Zimmer gebracht hatte, verschwinden würde wie der Morgentau auf den Erdbeeren im Garten.“
Das Zitat stammt aus dem vierten Roman „Der Gärtner und der Tod“ des bulgarischen Schriftstellers Georgi Gospodinow, Träger des Internationalen Booker-Preises 2024. Und wie es nur unser weltweit anerkannter Autor vermag, vereinen seine Worte das bulgarische Gestern, Heute und Morgen – poetisch. An diesem Sonntag jedoch war die Poesie Bulgariens in Worte eingeschlossen, die den Wunsch unserer Landsleute nach einer besseren Zukunft ausdrückten. Radio Bulgarien versuchte, diese Stimmen den ganzen Wahltag über einzufangen – zum achten Mal in den vergangenen fünf Jahren.
Von Neuseeland über Nordmazedonien, Österreich, Schweiz, Frankreich und Vereinigtes Königreich bis zu den zuletzt schließenden Wahllokalen in den USA wurde eine hohe Wahlbeteiligung unter den Bulgaren im Ausland verzeichnet – getragen von Zuversicht mit einer Prise Pessimismus und einem starken Wunsch nach Veränderung von innen heraus. Gemeint ist ein Wandel im Regierungsmodell, in der Qualität der Arbeit und vor allem bei den Ergebnissen, die das Leben der Menschen in Bulgarien heute bestimmen. Unsere Gesprächspartner gaben ihre Stimme mit Glauben, Hoffnung und Liebe zu einem einzigen Ziel ab – ein stärkeres, würdiges und demokratisches Bulgarien.
Das Wahllokal in Christchurch, Neuseeland
FOTO Swetlosara Aleksiewa Bryant
„Ich denke und hoffe, dass die Acht eine Glückszahl sein wird und wir endlich eine gewisse Stabilität erreichen – in einer Richtung, in der wir alle gemeinsam vielleicht einen Weg nach vorn finden“, sagte die Vorsitzende der Wahlsektion in Christchurch (Neuseeland), Swetlosara Aleksiewa Bryant.
Im benachbarten Australien meldete die Wahlsektion in Melbourne mit 149 Abstimmenden eine Rekordbeteiligung der vergangenen Jahre – nahezu 70 Prozent mehr als im Oktober 2024. Als besonnener Optimist, der das Glas halb voll sieht, äußerte sich der Sekretär der Wahlkommission dort, Mantscho Manew:
Das Wahllokal in Melbourne, Australien
FOTO Mantscho Manew
„Wir sind sehr weit von der Heimat entfernt, mehr als 15.000 Kilometer, und hoffen aufrichtig, dass alle unsere Angehörigen in Bulgarien eine stabile Regierung bekommen, die das Land zu einer besseren europäischen Integration und zu Erfolg führt.“
Andere wiederum äußerten Zweifel, dass die Acht eine so glückbringende Zahl sein werde, wie erhofft, und dass sich unter den derzeitigen politischen Bedingungen im Land nur schwer eine stabile Regierung bilden lasse.
FOTO Boris Lasarow - RTZ Zaribrod
Das Volk hat sein Vertrauen ausgesprochen – und das so deutlich wie seit 2021 nicht mehr, mit einer Wahlbeteiligung von über 48 Prozent (laut der Agentur „Mjara“) und der Möglichkeit, dass eine Partei die absolute Mehrheit in der 52. Volksversammlung erringen könnte. Nun erwartet eben dieses Volk Taten und einen gleichberechtigten Dialog zwischen Wählern und Regierenden – ein Dialog, den die Gesprächspartner von Radio Bulgarien bereits am Wahltag begonnen haben.
FOTO Nikolaj Janew
„Seien Sie sich der Verantwortung und der Macht bewusst, die Ihnen die Bürger heute übertragen, sowie des Preises, den sie dafür zahlen“, erinnerte Nikolaj Janew aus Österreich.
„Die Menschen sind es, die ihnen ein Mandat geben, damit sie im Parlament handeln und das Leben aller Bulgaren verbessern“, sagte Swetoslawа Aleksiewa.
Das Wahllokal in Genf
FOTO Privatarchiv
„Sie sollten nicht an ihre eigene Tasche oder ihre eigene Familie denken, sondern an Bulgarien und an die Menschen, die sie gewählt haben. An dem Tag, an dem wir ein vollständig funktionierendes Justizsystem haben und sie persönlich und strafrechtlich für ihre Handlungen und Unterschriften zur Verantwortung gezogen werden, werden sie es wirklich verstehen“, erklärte Marin Katschamakow aus Genf.
FOTO Marin Jotow
„Sie müssen wirklich die Interessen Bulgariens im Blick behalten, die Stellung unseres Landes in Europa stärken und versuchen, einerseits die im Ausland lebenden Bulgaren zurückzuholen und andererseits das Land auf das Niveau der westeuropäischen Staaten zu bringen“, sagte Marin Jotow aus Berlin.
Atanas Welitschkow aus Skopje erinnerte an den Schmerz der Bulgaren in Nordmazedonien:
„Ohne in Klischees zu verfallen, bitte ich sie einfach, darauf zu achten, wie das internationale Bild Bulgariens aussieht. Das ist für uns Bulgaren im Ausland von großer Bedeutung. Wenn unser Staat würdevoll ist, wird niemand versuchen, mit uns Spielchen zu treiben.“
Unser Leben ist ein Roman, den wir gemeinsam schreiben. Und auch wenn nicht jeder dies so vermag wie Georgi Gospodinow, so können wir doch zumindest gemeinsam hoffen – Politiker und Bürger –, mehr zu arbeiten, mehr zu sprechen und einander besser zuzuhören. Wir sollten uns nicht nur von Wahl zu Wahl wiedererkennen, denn sonst schwindet der Glaube und die Hoffnung verblasst.
In Krakau, Polen
FOTO Kristiana Nanewa
„Die Menschen glauben Ihnen. Sie haben Ihnen ihr Vertrauen geschenkt und erwarten Veränderung!“, sagte die junge Kristiana Nanewa aus der polnischen Stadt Krakau gegenüber Radio Bulgarien.
Verwendet wurden Interviews von Iwo Iwanow, Gergana Mantschewa, Joan Kolew, Darina Grigorowa und Wessela Krastewa.
Übersetzung: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov