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Joan Kolew
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Sicherheit und Vorhersehbarkeit erwarten Landsleute weltweit von Rumen Radew
Mittwoch 22 April 2026 14:28
Mittwoch, 22 April 2026, 14:28
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Bulgaren, die in Ländern außerhalb der EU leben, insbesondere in den USA, im Vereinigten Königreich und in der Türkei, hatten am vergangenen Wahlsonntag Schwierigkeiten, ihr Wahlrecht auszuüben.
„Einige Menschen, nicht aus Seattle, sondern aus den Nachbarstaaten, in denen es bei den vorherigen Wahlen Wahllokale gab, konnten jetzt nicht abstimmen. Das trifft für Bulgaren aus Oregon zu, die mehr als zwei Stunden nach Seattle gereist sind, um abzustimmen. Wir haben das Wahllokal genau um 7.00 Uhr morgens geöffnet, damit sie abstimmen und zurückfahren konnten, bevor sie in den Stau geraten“, erklärte unser Landsmann Wesselin Markow, der Mitglied der Sektionswahlkommission in Seattle war.
Wesselin Markow (links)
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Der angenehmere Teil des Wahltags für unsere Landsleute in Seattle war, dass das Wahllokal in einem bulgarischen Restaurant in der Stadt untergebracht war, was ihnen ermöglichte, neben der Stimmabgabe auch mit Freunden zu sprechen und etwas zu essen. Es war eine Zeit, in der Gespräche über Hoffnungen, Erwartungen und Sorgen im Zusammenhang mit der politischen Situation in Bulgarien geführt wurden.
Nach Ansicht von Wesselin Markow brauchen die Bulgaren im Ausland Zeit, um zu verstehen, welche Ziele Rumen Radew und die von ihm geführte Koalition „Progressives Bulgarien“, die eine absolute Mehrheit gewonnen hat, verfolgen, bevor sie Erwartungen an ihn formulieren:
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„Ich glaube nicht, dass auch in Bulgarien sich alle ein Bild davon machen können, was genau bevorsteht. Man muss Rumen Radew Zeit geben, seine Ideen zu umreißen, denn bei so vielen Menschen, die ihm ihr Vertrauen geschenkt haben, muss er dieses Vertrauen rechtfertigen. Es darf sich nicht das Schicksal anderer Kandidaten und Parteien wiederholen, die – wenn auch nicht ganz so eindeutig –, Wahlen gewonnen haben und nach zwei oder drei Wahlen bereits an Bedeutung verlieren, weil sie das, wofür sie gewählt wurden, nicht umgesetzt haben“, betonte Wesselin Markow.
Die Welt unterscheidet sich derzeit grundsätzlich von dem, was sie noch vor einigen Jahren war. Nach der Pandemie haben sich viele Dinge verändert, deshalb brauche es zumindest ein gewisses Maß an Vorhersehbarkeit in der Gegenwart, in der wir leben, meint der Bulgare Daniel Dschenew, der seit dem Jahr 2000 in Chicago lebt.
Daniel Dschenew
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„Die Menschen wollen, dass sich die Dinge in Bulgarien zum Besseren wenden. Es ist nicht das erste Mal, dass wir Wahlen haben. Ich beobachte, dass unsere Landsleute sich mobilisieren, um ehemalige Machthaber zu bestrafen, und wenn wir für etwas Neues und Anderes stimmen sollen, wählen wir eher blind. Ich gebe jedem eine Chance. Aber wenn die Menschen hier wählen, wollen sie wissen, dass sie, wenn sie in Rente gehen und nach Bulgarien zurückkehren, es dann sagen wir wie Polen sein wird und nicht das wirtschaftlich schwächste Land Europas.“
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Dschenew richtete auch seine Botschaft an die neuen 240 Abgeordneten, die in den kommenden Tagen ihren Eid ablegen werden:
„Tut etwas Gutes für die Menschen, nicht für euch selbst! Jetzt und sofort! Denn jetzt muss etwas getan werden, aber auch für die Zukunft, mit einem Horizont von 3, 5, 7, 10 Jahren. Tut etwas, womit ihr eine Spur hinterlasst.“
Die Bulgaren in Cambridge im Vereinigten Königreich haben ähnliche Motive, sich an den Wahlen in Bulgarien zu beteiligen – auch sie wollen Sicherheit und Vorhersehbarkeit. Deshalb haben sie der Koalition um Präsident Rumen Radew ihr Vertrauen geschenkt, erfahren wir von unserer Landsfrau Elena Wantschewa, die Vorsitzende der Wahlsektion in der Stadt ist:
Elena Wantschewa
FOTO Privatarchiv
„Ein sehr großer Teil der Bulgaren in Cambridge plant, nach Bulgarien zurückzukehren, und ich denke, dass ihr Votum für die Koalition Progressives Bulgarien ihr Hoffnungsschimmer für eine Rückkehr nach Bulgarien ist. Das Land hat viel Potenzial zur Entwicklung und Verbesserung im Hinblick auf Gleichberechtigung, auf die Wahrung ihrer Rechte, damit sie sicher sein können, dass sie, wenn sie zurückkehren, gut zurechtkommen werden – so wie damals, als sie allein nach Großbritannien gekommen sind“, sagte Elena Wantschewa.
Hoffnung auf Rückkehr, aber auch eine Bedingung – dass die Rückkehr in die Heimat mit Vorhersehbarkeit, Ruhe und einem würdigen Leben verbunden ist. Das lesen wir in den Worten der Bulgaren im Ausland, die erneut bewiesen haben, dass Emigration nicht bedeutet, die Verbindung zu den Wurzeln und zur Gegenwart Bulgariens abzubrechen.
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Übersetzung: Rossiza Radulowa
Gestaltet von Rossiza Radulowa