Autor
Wessela Krastewa
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Mittwoch 18 Februar 2026 08:20
Mittwoch, 18 Februar 2026, 08:20
FOTO Bulgarische Sonntagsschule „Abagar“
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Wussten Sie, dass „Abagar“ der Titel des ersten gedruckten Buches ist, das Elemente der neuzeitlichen bulgarischen Sprache enthält? Es wurde 1651 in Rom vom Schriftsteller Filip Stanislawow herausgegeben, der später katholischer Bischof von Nikopol wurde. Das Buch war als Amulett gedacht; auf seinen fünf Seiten sind Gebete und Segenssprüche für die Bedürfnisse der Katholiken in Bulgarien niedergeschrieben. Zugleich kann es als Symbol der geistigen Verbindung zwischen Bulgarien und Italien betrachtet werden – einer Verbindung, die im laufenden Schuljahr von insgesamt elf bulgarischen Sonntagsschulen und ihren Zweigstellen im „Stiefelland“ weiter gepflegt wird.
Eine dieser Bildungsstätten befindet sich in Rom und hat das Werk von Filip Stanislawow zu ihrem Namenspatron gewählt.
FOTO Bulgarische Sonntagsschule „Abagar“
Die Geschichte der Bulgarischen Sonntagsschule „Abagar“ begann jedoch in den nahe der italienischen Hauptstadt gelegenen Städten Nettuno und Ladispoli, rund 70 Kilometer von der Ewigen Stadt entfernt, wo eine große bulgarische Gemeinschaft lebt. Dort öffneten 2020 zwei Zweigstellen der Schule ihre Türen.
„Aufgrund des großen Interesses seitens der Eltern eröffnete im darauffolgenden Schuljahr auch eine Filiale in der Ewigen Stadt“, erzählte die Direktorin Natalia Bossolowa gegenüber Radio Bulgarien. Mit Stolz berichtet sie, dass im Schuljahr 2025/26 insgesamt 107 Schülerinnen und Schüler die Schule besuchen – 14 mehr als im Vorjahr.
Natalia Bossolowa
FOTO Facebook
Nach den Beobachtungen von Natalia Bossolowa werden immer mehr „unserer“ Kinder im Ausland geboren, sodass Bulgarisch für sie nicht mehr selbstverständlich Muttersprache ist, sondern wie eine Fremdsprache erlernt werden muss. 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den drei Filialen von „Abagar“ sind außerhalb Bulgariens geboren, nahezu 50 Prozent wachsen in gemischten Familien auf. Viele von ihnen besuchen Bulgarien erst in späterem Alter. Deshalb haben es sich Natalia Bossolowa und ihr Team zur Aufgabe gemacht, bei ihren Schützlingen eine Liebe zur Heimat zu wecken – so selbstverständlich, wie sie Italien empfinden, wo sie geboren wurden. Unverzichtbare Partner in dieser Mission sind die Eltern und die außerschulischen Aktivitäten der Schule.
FOTO Bulgarische Sonntagsschule „Abagar“
„Unsere außerschulischen Aktivitäten waren stets darauf ausgerichtet, auch die Eltern als Gemeinschaft einzubeziehen. So entstanden im Laufe der Jahre unsere jährlichen Schulreisen mit ihrer Beteiligung. Das Interesse war immer sehr groß. Damit versuchen wir, eine anschauliche Verbindung zwischen Bulgarien und Italien herzustellen und gemeinsame Traditionen aufzuzeigen – und die gibt es tatsächlich. Seit zwei Jahren reisen wir mit einer eigenen Gruppe nach Bulgarien im Rahmen des Nationalprogramms ‚Bildungsrouten‘ des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft. Auch diese Reisen sind Teil unserer außerschulischen Arbeit“, erklärte die Direktorin.
FOTO Bulgarische Sonntagsschule „Abagar“
Diese Reisen zu den eigenen Wurzeln sind Teil einer so wichtigen Lektion in Heimatverbundenheit. Die Erlebnisse vermitteln ein lebendiges Bild Bulgariens und schaffen unvergessliche Erinnerungen – davon können auch Sie sich überzeugen, wenn Sie sich das kurze Video ansehen. Darin haben wir alle Fotos und Eindrücke zusammengestellt, die die Kinder der Bulgarischen Sonntagsschule „Abagar“ im Rahmen unserer Initiative „Bulgarien-Unterricht“ mit Radio Bulgarien geteilt haben:
Die erste Route im Rahmen des Programms „Bildungsrouten“ unternahm die Schule „Abagar“ im Juli 2024.
„Die Route war eine Fortsetzung unseres Projekts, das ebenfalls vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft finanziert wurde und in dem wir die alten bulgarischen Hauptstädte der bulgarischen Gemeinschaft sowie italienischen Gästen in Italien vorgestellt haben. Es war eine wunderbare Gelegenheit, dass die Kinder diese Städte im Rahmen der ‚Bildungsrouten‘ vor Ort erleben konnten – wir besuchten Weliki Preslaw, Schumen und Weliko Tarnowo“, berichtete Natalia Bossolowa.
FOTO Bulgarische Sonntagsschule „Abagar“
Im August 2025 kam eine Gruppe von 23 Kindern von der ersten bis zur zwölften Klasse erneut „nach Hause“. Ausgangspunkt war Plowdiw – eine alte Stadt, die über ihre Geschichte und ihre Verbindung zum antiken Rom und dessen Umgebung, aus der die Kinder selbst stammen, eine Brücke zu ihren eigenen Sinneseindrücken schlägt.
FOTO Bulgarische Sonntagsschule „Abagar“
„Eine der beeindruckendsten Stationen war das Antike Theater“, erzählte Nikol. „Ich habe gelernt, dass es im 1. Jahrhundert nach Christus zur Zeit des römischen Kaisers Trajan erbaut wurde und zwischen 5.000 und 7.000 Zuschauer fasste. Vom Theater aus eröffnet sich ein beeindruckender Blick auf die Stadt und die umliegenden Hügel – ein Panorama, das mir zeigte, warum Plowdiw zu den schönsten Städten auf dem Balkan zählt.“
FOTO Bulgarische Sonntagsschule „Abagar“
Ständig suchten die Kinder nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu den Orten, die sie aus Rom kennen – und ihr Interesse war groß, erinnerte sich Natalia Bossolowa.
Nach Plowdiw führte die Reise an die bulgarische Schwarzmeerküste. Besonders beeindruckten die Kinder das alte Nessebar und die Salinen bei Burgas.
FOTO Bulgarische Sonntagsschule „Abagar“
„Diesen Sommer hatten wir das Glück, Nessebar zu besuchen – eine der ältesten Städte Bulgariens. Gemeinsam mit meinen Mitschülern aus der Bulgarischen Sonntagsschule ‚Abagar‘ besuchten wir das Museum im Alten Nessebar. Wir spazierten durch die engen, steinernen Gassen, wo die Zeit stillzustehen schien – es war wunderschön“, berichtete Mateo.
Emma Carli ergänzte ihre Eindrücke:
FOTO Facebook /Bulgarische Sonntagsschule „Abagar“
„Es war sehr interessant, Acheloj zu sehen, denn im Geschichtsunterricht haben wir über die Schlacht bei Acheloj gelernt – es war spannend zu wissen, wo etwas so Bedeutendes geschehen ist. Besonders gefallen hat mir auch, dass es ganz in der Nähe von Burgas liegt und wir das Meer gesehen haben, das sehr schön und ruhig war. Man brachte uns auch nach Pomorie, eine Stadt, die für ihren Heilschlamm und den Weinanbau bekannt ist. Wir besuchten das Salzmuseum in Pomorie, das einzige in Osteuropa, das sich der Meersalzproduktion widmet. Ich habe beschlossen, mir ein Glas Salz mitzunehmen, weil ich das Schwarze Meer sehr liebe – so habe ich eine Erinnerung daran für das ganze Jahr, während ich in Rom lebe. Es war eine sehr schöne Reise, und ich würde sie jederzeit wiederholen“, sagte Emma.
FOTO Facebook /Bulgarische Sonntagsschule „Abagar“
„Bulgarien ist nicht nur ein Ort auf der Landkarte – es ist Erinnerung, Geist und Schönheit, die bewahrt werden müssen“, fasste Alexandra zusammen. Ihre Worte verdeutlichen den tiefen Sinn von Programmen wie „Bildungsrouten“: Durch die persönliche Begegnung mit den Schönheiten unseres Landes die bulgarischen Wurzeln von Kindern zu bewahren, die in einem multikulturellen Umfeld aufwachsen.
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Übersetzung: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov